Tauchen die Meyer-Burger-Aktien unter einen Franken?

Eine Investmentbank wirft bei den Aktien Meyer Burger entnervt das Handtuch - Interessante Erkenntnisse zum Kernkapital der Credit Suisse - Und: Norwegischer Staatsfonds lacht sich weiteren Turnaround-Kandidaten an.
17.11.2016 12:30
cash Insider
Tauchen die Meyer-Burger-Aktien unter einen Franken?
Bild: fotolia.com

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Den Aktionären von Meyer Burger bleibt wirklich nichts erspart. Nachdem der Aktienkurs im Zuge der Bekanntgabe einschneidender Bilanzsanierungsmassnahmen in den letzten Tagen auf den tiefsten Stand in der Firmengeschichte gefallen ist, folgt die nächste kalte Dusche.

In einer Strategiestudie zur weltweiten Solarindustrie werfen die für Axiom Capital tätigen Autoren entnervt das Handtuch. Nach der Niederlage der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und den aggressiven Verkaufspraktiken chinesischer Solarmodulhersteller nehmen sie die Brancheneinschätzung von "Overweight" auf "Underweight" zurück.

Und als ob das nicht schon genug wäre, senken die Experten auch bei Meyer Burger den Daumen. Sie stufen die Aktien des Solarzulieferunternehmens aus dem bernischen Gwatt von "Buy" auf "Sell" herunter.

Der Kurszerfall bei Meyer Burger nimmt ein beängstigendes Ausmass an; Quelle: www.cash.ch

In Erwartung einer schwierigen zweiten Jahreshälfte, einer erneuten Verschlechterung der Auftragslage in spätestens zwei Jahren und um den geplanten Massnahmen zur Stärkung der Bilanz Rechnung zu tragen, streichen die Studienautoren das Kursziel auf gerade mal 0,82 (10) Franken zusammen. Mit anderen Worten: Nachdem der Börsenwert von Meyer Burger alleine in diesem Monat über 40 Prozent geschmolzen ist, droht den Aktien ein weiterer Rückschlag.

Auch das noch, ist man gewillt zu sagen. Im Hinblick auf die für Anfang Dezember angekündigte Bezugsrechtsemission kommt diese doch ziemlich einschneidende Verkaufsempfehlung nämlich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Man kann schon fast von einer Todesspirale, zumindest aber von einem Teufelskreis sprechen: Denn je tiefer die Kursnotierungen in den nächsten zwei Wochen fallen, desto mehr neue Aktien muss das Unternehmen an den Mann oder die Frau bringen, um die angestrebten 160 Millionen Franken zu lösen.

Bleibt insbesondere für die Hunderte von Mitarbeitern von Meyer Burger zu hoffen, dass dieses Vorhaben doch noch von Erfolg gekrönt sein wird.

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Seit gestern präsentiert sich den Aktionären der Credit Suisse ein nicht völlig unbekanntes Bild: Der Aktienkurs fällt.

Das überrascht nicht, sorgt eine Offenbarung gegenüber der amerikanischen Notenbank doch auch hierzulande für leichte Irritation.

Die gute Nachricht zuerst: Die amerikanischen Geschäftsaktivitäten der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken ist deutlich besser kapitalisiert als jene vieler anderer europäischer Rivalinnen, so die Einschätzung des für BNP Paribas tätigen Bankenanalysten.

Seines Erachtens heisst das allerdings, dass die Kernkapitalquote über alle übrigen Geschäftsaktivitäten hinweg nur bei 8,7 Prozent liegt und der Verschuldungsgrad gerade mal 2,1 Prozent beträgt.

Darf man dem Experten Glauben schenken, wird die Credit Suisse kein Kapital aus Übersee verlagern können. Die dortige Eigenkapitaldecke sei erst kürzlich verstärkt worden, und ausserdem hätten diese Geschäftsaktivitäten in den ersten neun Monaten Verluste gebracht, so schreibt er in einer mir aus London zugespielten Stellungnahme.

Weitere interessante Erkenntnisse zum Kernkapital der Credit Suisse erhofft man sich bei BNP Paribas übrigens vom diesjährigen Investorentag. Dieser ist auf den 7. Dezember angesetzt und sollte erstmals Einblicke in die kurz vor der Publikumsöffnung stehenden Universalbank Schweiz liefern.

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Offenlegungsmeldungen aufgrund von Beteiligungsveränderungen des norwegischen Staatsfonds an die Schweizer Börse SIX sind in den vergangenen Monaten alltäglich geworden. Das lässt sich damit erklären, dass die Skandinavier Teile ihrer Aktien gerne an Dritte ausleihen. Das wiederum spült ihnen noch ein paar Franken an Zusatzerträgen in die Kasse.

Kursverlauf der GAM-Aktien während den letzten Wochen; Quelle: www.cash.ch

Wie eine heute früh bekanntgewordene Offenlegungsmeldung nun aber verrät, hat der norwegische Staatsfonds beim Vermögensverwalter GAM Aktien zugekauft und dabei den Schwellenwert von 3 Prozent überschritten.

Obschon die Skandinavier alleine in Europa an über 600 verschiedenen Unternehmen beteiligt sind, lässt sich zumindest hierzulande auf eine Vorliebe für Turnaround-Kandidaten schliessen. Der jüngste Beteiligungsausbau bei GAM hat dadurch Signalwirkung für die Aktien der ehemaligen Fondstochter von Julius Bär. Vielleicht ist der neue Grossaktionär aus Norwegen aber auch einfach nur an der attraktiv hohen Dividendenrendite von 6,3 Prozent interessiert...
 

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