Trading-Kaufempfehlung - Tabubruch bei einem SMI-Schwergewicht

Der cash Insider über eine überraschende Kaufempfehlung für ein Schwergewicht aus dem Swiss Market Index - Und: War die strategische Neuausrichtung der UBS rückblickend ein Fehler?
24.04.2018 12:30
cash Insider
Tabubruch bei einem SMI-Schwergewicht
Bild: fotolia.com

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Die Aktien von Novartis gelten als schwerfällig. Das mag damit zu tun haben, dass der Gesundheitskonzern aus Basel bei Swiss Market Index (SMI) für nicht weniger als 18 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich ist.

Sprechen Banken kurzfristige Kaufempfehlungen aus, stehlen kleinere Vertreter aus dem SMI oder beliebte Nebenwerte den Schwergewichten regelmässig die Schau. Schliesslich spielt gerade dort seit Jahren die Musik.

Nun begeht die Bank CLER allerdings einen Tabubruch: In einem mir zugespielten Kommentar wartet die einstige Bank Coop überraschend mit einer Trading-Kaufempfehlung für die Aktien von Novartis auf.

Das kurzfristige Kursziel von 83,40 Franken lässt ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von knapp 10 Prozent erahnen.

Im Kommentar lassen die Autoren durchblicken, dass sie den Kursrückgang im Anschluss an die Quartalsergebnispräsentation von vergangener Woche als übertrieben erachten. Ausserdem verweisen sie auf die charttechnisch attraktive Ausgangslage.

Kursentwicklung der Novartis-Aktien über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Und tatsächlich notiert das Indexschwergewicht im unteren Bereich eines mehrjährigen Kursbandes und in unmittelbarer Nähe zu den Jahrestiefstständen von Ende März bei etwas mehr als 74,20 Franken.

Ob die Kaufempfehlung der Bank CLER für die Aktien von Novartis aufgeht, wird sich zeigen müssen. Denn wie die Valoren von Roche und Nestlé fristet auch das Indexschwergewicht seit Wochen ein Mauerblümchen-Dasein. Solange angelsächsische Grossinvestoren einen grossen Bogen um unseren Schweizer Aktienmarkt machen (siehe "Schweizer Aktien zahlten sich nicht aus" vom 16. April), dürfte sich daran so schnell nichts ändern.

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Den Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich trennt bloss ein kurzer Spaziergang von jenem der UBS. Und dennoch wandeln die beiden Erzrivalen seit Jahren auf ziemlich unterschiedlichen Pfaden.

Während das Investment Banking bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken weiterhin ein fester Bestandteil des Geschäftsmodells ist, hat sich die UBS schon vor Jahren aus weiten Teilen dieses ziemlich unstetigen Geschäftszweigs zurückgezogen.

Stattdessen setzt man bei der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken auf die Vermögensverwaltung, geht diese doch mit einer geringeren Kapitalbindung einher. Das brachte dem Unternehmen zum Zeitpunkt der strategischen Weichenstellung denn auch viel Applaus ein.

Doch der Applaus ist längst verstummt. Und das, obwohl der UBS in der Vermögensverwaltung alleine zwischen Anfang Januar und Ende März unter dem Strich stattliche 19 Milliarden Franken zugeflossen sind. Das ist deutlich mehr, als Analysten prognostiziert hatten.

Nachdem der Gewinnbeitrag aus dem erklärten Kerngeschäft bereits im Schlussquartal letzten Jahres zu wünschen übrigliess, blieb er den Erwartungen auch im ersten Quartal einiges schuldig. Dass ausgerechnet das Investment Banking die Kasse klingeln liess, entbehrt nicht einer gewissen Ironie (siehe "UBS-Aktie trotz sattem Gewinnplus unter Verkaufsdruck" von gestern).

Gerade aus dem angelsächsischen Raum werden seit dem gestrigen Tag vermehrt kritische Stimmen wach. Einige der dortigen Beobachter sehen in der strategischen Neuausrichtung der letzten Jahre mittlerweile gar einen Fehler.

Langjähriges Abschneiden der UBS-Aktien (rot) im Vergleich mit jenen der Credit Suisse (grün) und Julius Bär (gelb) (Quelle: www.cash.ch)

Und tatsächlich hat sich die strategische Weichenstellung vom Oktober 2012 für die langjährigen Aktionäre der UBS bis heute nicht im erhofften Ausmass bezahlt gemacht. Verwaltungsratspräsident Axel Weber und Konzernchef Sergio Ermotti stehen denn auch in der Beweispflicht.

Wie es geht, macht Julius Bär als heimliche dritte Schweizer Grossbank vor. Bei der Vermögensverwalterin reiht sich ein Rekordergebnis ans nächste...

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