Traditionsbank rät zur Absicherung von Aktienbeständen

Julius Bär rechnet mit turbulenteren Aktienmärkten und empfiehlt Anlegern deshalb, die Aktienbestände abzusichern - Und: Verfehlt Swisscom das sich selbst gesteckte Umsatz- und Gewinnziel?
13.02.2017 12:30
cash Insider
Traditionsbank rät zur Absicherung von Aktienbeständen
Bild: fotolia.com

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Die Aktienmärkte leben geradezu von Erwartungen. Nicht selten wird diesen gar ein grösseres Gewicht beigemessen als den harten Fakten. Das gilt in diesen Tagen insbesondere für den amerikanischen Aktienmarkt. Denn obwohl die meisten Wirtschaftsindikatoren mit Ausnahme der Stimmung unter Einkaufsmanagern eine Wachstumsverlangsamung andeuten, werden an der Börse in New York ausgelassen neue Rekorde gefeiert. Schon seit Wochen kennen die dortigen Aktienindizes nur eine Richtung: die nach oben.

Die amerikanische Regierung unter Präsident Donald Trump werde es schon richten, so lautet der Tenor. Die vom Republikaner während des Wahlkampfes gemachten Versprechen lassen erahnen, wie die amerikanische Wirtschaftspolitik in Zukunft aussehen könnte. Neben zusätzlichen staatlichen Infrastrukturinvestitionen gilt eine steuerliche Entlastung von Unternehmen schon heute als sicher. Trump selber schürt diese Erwartungshaltung sogar noch. Wie die höheren Ausgaben bei geringeren Einnahmen finanziert werden sollen, steht in den Sternen.

Dennoch kann man den Aktienmarktakteuren ihre ausgelassene Stimmung nicht verübeln. Schliesslich trauen einige Anlagestrategen dem amerikanischen Aktienmarkt alleine schon aufgrund der in Aussicht gestellten Unternehmenssteuerreform und der Steueramnestie auf Auslandsvermögen einen Anstieg um bis zu 20 Prozent zu - unter ihnen auch die Experten der UBS.

Der amerikanische Leitindex S&P 500 bleibt auf Rekordjagd; Quelle: www.cash.ch

Wie ausgelassen die Stimmung ist, zeigt die tiefe implizite Volatilität. Erst vor wenigen Tagen tauchte der von der Chicago Board Options Exchange ermittelte und die erwartete Schwankungsintensität von Aktien messende Volatilitätsindex (VIX) wieder auf unter 11 Punkte. Man muss schon zweieinhalb Jahre in die Vergangenheit zurückgehen, um auf einen ähnlich tiefen Indexstand zu treffen. Damals folgte eine Abgabewelle, wie so oft, wenn sich die Marktakteure ihrer Sache zu sicher werden.

Wie die Aktienstrategen von Julius Bär schreiben, schreit die tiefe Volatilität am amerikanischen Aktienmarkt diesmal zwar nicht zwingend nach einem Börsenrückschlag. Allerdings wollen sie auch nicht ausschliessen, dass es sich hierbei um die berüchtigte "Ruhe vor dem Sturm" handeln könnte.

Was die die Experten nicht schreiben: Die tiefe Volatilität ist auch eine Folge von gezielten Leerverkäufen in strukturierten Produkten auf den Volatilitätsindex.

Trotzdem raten die Strategen der eigenen Kundschaft, ihre Aktienbestände über Put-Optionen abzusichern. Denn die tiefe Volatilität hat einen höchst willkommenen Nebeneffekt: Sie macht solche Absicherungstransaktionen ziemlich erschwinglich.

Ich sehe die grösste Gefahr für den Schweizer Aktienmarkt von der Leitbörse in New York ausgehen. Gleich mehrere Bewertungskennzahlen - beispielsweise die Aktienkurse ins Verhältnis zum Umsatz oder zum Buchwert oder die Gesamtkapitalisierung ins Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt gesetzt - sind zuletzt wieder auf den Stand von Ende der 1990er-Jahre gestiegen. Ähnliches gilt für das auf Kredit erworbene Aktienvolumen. Alteingesessene Börsenfüchse wissen nur zu gut: Holt sich die Börse in New York eine Erkältung, verschlägt es unseren Heimmarkt mit einer Grippe ins Bett...

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Gerade bei hiesigen Privatanlegern sind die Aktien von Swisscom noch immer sehr beliebt – auch wenn die Kursentwicklung der letzten Monate eigentlich etwas anderes vermuten liesse. Hauptattraktion bleibt die attraktiv hohe Dividendenrendite von 5 Prozent. Zum Vergleich: Eine zehnjährige Anleihe der Eidgenossenschaft wirft jährlich gerade mal eine Rendite von 0,1 Prozent ab.

Seit der Ergebnisveröffentlichung vom vergangenen Mittwoch wissen wir nun, dass der Marktführer unter den Schweizer Telekommunikationsanbietern auch für 2017 eine stabile Ausschüttung von 22 Franken je Aktie anstrebt. Abhängig gemacht wird das allerdings vom Erreichen eines operativen Jahresgewinns (EBITDA) von mindestens 4,2 Milliarden Franken bei einem Jahresumsatz von rund 11,6 Milliarden Franken.

Zumindest für Goldman Sachs steht schon heute fest: Swisscom wird diese beiden Zielgrössen nicht erreichen. Grund ist der in sämtlichen Geschäftsbereichen immer intensivere Wettbewerb. Gerade der Eintritt des Rivalen Salt in den Festnetzbereich dürfe nicht unterschätzt werden, so der für die amerikanische Investmentbank tätige Analyst. Seines Erachtens könnte es erstmals auch für die italienische Tochter Fastweb ungemütlich werden. Deshalb empfiehlt er die Aktien des Mutterhauses Swisscom kurzum mit einem 380 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel zum Verkauf.

Seit Salt vor gut zwei Jahren an den französischen Milliardär Xavier Niel verkauft wurde, wird immer wieder vor schwerwiegendem Preisdruck gewarnt. So richtig wollen sich die Anbieter in der Schweiz jedoch bis heute nicht gegenseitig das Wasser abgraben. Und irgendwie fehlt mir der Glaube daran, dass sich daran in absehbarer Zukunft etwas ändern könnte.
 

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