Trittbrettfahrer wittern bei GAM das schnelle Geld

Der cash Insider mit neuen Erkenntnissen rund um den Einstieg des RBR Strategic Fund beim Vermögensverwalter GAM - Und: Die Firmenvertreter von AMS strotzen vor wiedergewonnenem Selbstvertrauen.
07.03.2017 12:30
cash Insider
Trittbrettfahrer wittern bei GAM das schnelle Geld
Bild: fotolia.com

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Beim Vermögensverwalter GAM überschlagen sich die Ereignisse: Erst vor etwas mehr als einer guten Woche gab sich der RBR Strategic Fund als Grossaktionär zu erkennen. Dann versuchte die ehemalige Julius-Bär-Tochter den für seine aktive Einflussnahme bekannten Hedgefonds mit einem Rücktritt ihres Verwaltungsratspräsidenten Johannes de Gier und einem Aktienrückkaufprogramm versöhnlich zu stimmen - leider ohne Erfolg (siehe auch Kolumne vom 2. März).

Seit gestern ist bekannt, dass der RBR Strategic Fund weiter zugekauft hat. Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, kontrolliert er neuerdings 3,28 Prozent der Stimmen.

Die im Laufe des gestrigen Nachmittags beobachteten Blocktransaktionen lassen vermuten, dass der Grossaktionär noch immer als Käufer in Erscheinung tritt. Alleine gestern wechselten 700'000 Aktien ausserbörslich die Hand.

Der neue Grossaktionär RBR heitzt den GAM-Aktien schon seit Tagen kräftig ein (Quelle: www.cash.ch)

Das Drehbuch des Hedgefonds beim Vermögensverwalter GAM erinnert stark an jenes bei der Gategroup. Letztendlich wurde das Cateringunternehmen gewinnbringend nach China "verschachert". Das erklärt auch, weshalb die vor Wochenfrist bekannt gewordene Beteiligungsnahme zahlreiche Trittbrettfahrer auf den Plan ruft. Der neue Grossaktionär werde das Kind schon schaukeln, so heisst es.

Seit der einschneidenden Gewinnwarnung vom Frühsommer letzten Jahres macht sich bei GAM Unzufriedenheit im Aktionariat bemerkbar. Es ist diese Unzufriedenheit, welche sich für ihre aktive Einflussnahme bekannten Finanzinvestoren vom Schlag des RBR Strategic Fund zunutze machen, um an das schnelle Geld zu kommen. Trittbrettfahrer müssen deshalb höllisch auf der Hut sein, wollen sie nicht instrumentalisiert werden.

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"From Zero to Hero", sang die deutsche Sängerin Sarah Connor schon im Refrain der Titelmelodie zum Animationsfilm "Robots". Diese Textzeile trifft bei uns am Schweizer Aktienmarkt wohl auf kein Unternehmen besser zu als auf AMS.

Innerhalb weniger Wochen hat sich der im österreichischen Unterpremstätten beheimatete Sensorenhersteller vom Niemand zum Helden gemausert. Mittlerweile müssen Anleger beinahe zweimal so tief für die Aktien von AMS in die Tasche greifen wie noch zu Jahresbeginn.

Insbesondere im Zusammenhang mit der anfänglich als zu teuer verschrieenen Übernahme von Heptagon hat in Analystenkreisen - im Zuge ermutigender Aussagen der Firmenvertreter zur diesjährigen Umsatzentwicklung - ein Umdenken stattgefunden. Selbst über die millionenschweren und den Gewinn verwässern Meilensteinzahlungen wird an der Börse grosszügig hinweggeschaut.

Auch die Firmenvertreter selber strotzen angeblich nur so von wiedergewonnenem Selbstvertrauen. Am diesjährigen Mobile World Congress (MWC) in Barcelona habe sich AMS so zuversichtlich geäussert wie kein anderer Anbieter, so entnehme ich einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank. An dieser Stelle sei gesagt, dass letztere die Aktien des Sensorenherstellers schon seit geraumer Zeit mit "Outperform" und einem Kursziel von 51 Franken zum Kauf anpreist.

Im September stellt der amerikanische Schlüsselkunde Apple die neuste Gerätegeneration seines Verkaufsschlagers iPhone vor. Dass diese Generation substanziell mehr Sensoren aus dem Hause AMS beinhaltet als bisherige Modelle gilt als so sicher wie das Amen in der Kirche. Was allerdings kaum ein Analyst erwähnt: Zu verdanken ist das nicht zuletzt auch der millionenschweren Übernahme von Heptagon.

Die AMS-Aktien (rot) lassen den SPI (grün) seit wenigen Wochen weit hinter sich zurück (Quelle: www.cash.ch)

Das schon seit Wochen zu beobachtende Kursfeuerwerk ist fast ausschliesslich ein Ergebnis panikartiger Eindeckungstransaktionen aus dem Lager ausländischer Leerverkäufer. Auf der Liste der zehn am häufigsten leerverkauften Schweizer Aktien des Beratungsunternehmens Markit erscheinen die Aktien von AMS schon gar nicht mehr.

Ein gebranntes Kind scheut bekanntlich das Feuer. Bleibt die in der zweiten Jahreshälfte erwartete Geschäftsbelebung beim Sensorenhersteller aus oder erfährt sie zumindest eine Verzögerung, könnte das den Sensorenhersteller aufgrund der kursseitigen Vorschusslorbeeren wieder zum Ziel von Leerverkäufern machen.

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