Tropensturm «Debbie» - Stehen bei Swiss Re die Aktienrückkäufe auf der Kippe?

Der cash Insider geht der Frage nach, ob bei Swiss Re nun das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm in Gefahr ist - Und: Geben sich weitere prominente Grossaktionäre beim Börsendebütant Galenica Santé zu erkennen?
13.04.2017 12:30
cash Insider
Stehen bei Swiss Re die Aktienrückkäufe auf der Kippe?
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern ein frohes langes Wochenende. Mögen die im Garten versteckten Osternester in diesem Jahr für einmal nicht nass werden.

Die nächste Kolumne erscheint am Dienstag, den 18. April 2017, wie gewohnt um 12.30 Uhr.

Herzlichst,

Ihr cash Insider

***

Schon seit Jahren prasselt jeweils im Frühling ein Geldregen auf die Aktionäre von Swiss Re nieder. In zwei Wochen ist es wieder soweit und die Dividende für das vergangene Jahr wird ausbezahlt. Dann heisst es nicht den Regenschirm aufspannen, sondern das Portemonnaie öffnen. Eine weitere Milliarde Dollar soll bis Ende Dezember über Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückfliessen.

Heute früh verdunkelt nun aber erst einmal ein Ausläufer des Zyklons "Debbie" den Himmel über dem Hauptsitz des Rückversicherungskonzerns in Zürich. Denn wie einer Mitteilung an die Medien entnommen werden kann, schlägt der australische Tropensturm mit rund 350 Millionen Dollar zu Buche. Das liegt deutlich über den von Analysten erwarteten 145 Millionen Dollar und entspricht mehr als einem Viertel der auf 1,3 Milliarden Dollar geschätzten Gesamtkosten, die auf die Versicherungsindustrie zukommen.

234 Millionen Euro hatte Swiss Re im ersten Quartal für Naturkatastrophen zurückgestellt - zu wenig, wie die heutige Medienmitteilung vermuten lässt.

Insbesondere der für die MainFirst Bank tätige René Locher stellt dem Unternehmen keine guten Noten aus. Die substanziell höher als erwartet ausgefallenen Kosten für den Zyklon "Debbie" stelle das Risikomanagement des Rückversicherungskonzerns in Frage, so schreibt er in einer ersten Stellungnahme.

Ob wegen der zusätzlichen Kosten das anlässlich der Jahresergebnispräsentation von Ende Februar angekündigte Aktienrückkaufprogramm in Gefahr ist, darüber hüllt sich der als profunder Branchenkenner geltende Locher in Schweigen. Schliesslich hatte Swiss Re den Rückkauf eigener Aktien vom Ausbleiben kostspieliger Naturkatastrophen abhängig gemacht.

Noch lässt sich der MainFirst-Analyst allerdings nicht ins Bockshorn jagen und hält an seiner "Outperform" lautenden Kaufempfehlung sowie am Kursziel von 105 Franken für die Aktien des Rückversicherungskonzerns aus Zürich fest. Viele andere Berufskollegen teilen diesen Optimismus übrigens nicht. Noch immer sind die Valoren von Swiss Re die am häufigsten zum Verkauf empfohlenen Vertreter des gesamten Swiss Market Index (siehe Kolumne vom 17. März).

Nach mehreren schadensarmen Jahren in Folge führt der Tropensturm den Aktionären von Swiss Re wieder einmal eindrücklich die möglichen Risiken vor Augen. In einem schlechten Jahr werden sie den Gürtel zwangsläufig enger schnallen müssen.

***

Die Publikumsöffnung von Galenica Santé stand von Anfang an unter einem guten Stern. Schliesslich verfügte das Apotheken- und Logistikunternehmen über alle für einen erfolgreichen Börsengang notwendigen Zutaten: Ein überzeugendes Geschäftsmodell, eine gut vorhersehbare zukünftige Gewinnentwicklung sowie eine grosszügige Dividendenpolitik.

Seit ihrem Debut vom Freitag kennen die zu 39 Franken ausgegebenen Aktien nur eine Richtung - die nach oben. Wer das Glück hatte und von seiner Bank eine Zuteilung erhielt, sitzt bereits auf schönen, wenn auch noch nicht realisierten Kursgewinnen.

Wie Offenlegungsmeldungen an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, gibt sich im Aktionariat von Galenica Santé das "Wer-ist-Wer" der Hochfinanz die Türklinke in die Hand. Bisher grösster Aktionär ist Blackrock. Der weltgrösste Vermögensverwalter ist Herr über nicht weniger als 5,89 Prozent der Stimmen. Auf immerhin 4 Prozent bringt es die schwedische Pensionskasse Alecta. Das Vermögensverwaltungsgeschäft der Genfer Privatbank Pictet & Cie und die amerikanische Fondsgesellschaft Capital Group halten je etwas mehr als 3 Prozent der Stimmen.

Darf man Berichten aus dem hiesigen Handel Glauben schenken, treten schon seit Tagen bekannte ausländische Grossinvestoren als Käufer in Erscheinung. Gut möglich, dass schon kommende Woche weitere prominente Neuzugänge im Aktionariat von Galenica Santé bekannt werden.
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.