Trotz tieferen Aktienkursen - Keine Champagnerlaune bei den Leerverkäufern

Der cash Insider verrät, weshalb sich die Freude der Leerverkäufer über fallende Kurse in Grenzen hält und gegen welche SMI-Aktien grosse Wetten laufen. - Und: Société Générale nennt drei Schweizer Übernahmekandidaten.
06.07.2018 12:30
cash Insider
Keine Champagnerlaune bei den Leerverkäufern
Bild: fotolia.com

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Seit Wochen fallen die Kurse an den europäischen Aktienmärkten auf breiter Front. Alleine schon deswegen müssten die Leerverkäufer eigentlich die Champagnerkorken knallen lassen - hätte nicht so mancher von ihnen unmittelbar vor dem Kursrutsch völlig die Nerven verloren und seine Wetten überhastet geschlossen (siehe Straumann lässt die wohl mächtigste Investmentbank der Welt ziemlich alt aussehen vom 8. Juni oder Leerverkäufer verbrennen sich gehörig die Finger vom 14. Juni).

Insbesondere bei ABB zogen sich die Leerverkäufer aus den in New York gehandelten Aktien zurück. Mitte Juni wurde noch mit 4,16 Millionen American Deposit Receipts (ADRs) gegen den Industriekonzern aus Zürich spekuliert. Das entspricht einem Rückgang um 36 Prozent innerhalb von gerademal zwei Wochen.

Wenn ABB am 19. Juli den Zahlenkranz für das zweite Quartal vorlegt, muss dieser allerdings überzeugend ausfallen - ansonsten werden die verbleibenden Leerverkäufer ihrer Sache zu sicher (siehe ABB muss nun liefern vom 3. Juli).

Nicht nur bei ABB, auch bei Roche (-11 Prozent auf 2,67 Millionen Titel), der Credit Suisse (-20 Prozent auf 4 Millionen Titel) und Logitech (-15 Prozent auf 2,06 Millionen Titel) trimmten die Leerverkäufer in New York in der ersten Juni-Hälfte ihre Wetten.

In der UBS und in Swiss Re fanden sie gleich zwei neue Ziele. Bei der Schweizer Grossbank spekulieren die Leerverkäufer mit 11,8 Millionen ADRs auf rückläufige Kurse. Das sind 37 Prozent mehr als noch Ende Mai. Die Schwäche im Kerngeschäft Wealth Management bietet bei der UBS denn auch eine gewisse Angriffsfläche. Ihre Wetten gegen Swiss Re erhöhten die Leerverkäufer um 47 Prozent auf 486200 Titel, was einer Verfünffachung innerhalb nur eines Monats gleichkommt.

Kursentwicklung der in New York gehandelten UBS-Aktien in den letzten 12 Monaten (Quelle: www.cash.ch)

Der Grund für das wiedererwachte Interesse am Rückversicherungskonzern aus Zürich könnte in der von Analysten überschätzten Prämiengestaltungsmacht begraben sein. Von Aussagen des Rückversicherungsbrokers Willis Re lässt sich ableiten, dass die Prämien in den im letzten Jahr von Naturkatastrophen heimgesuchten Weltregionen nicht im erhofften Ausmass steigen (siehe Hohe Erwartungen an die Prämiengestaltungsmacht von Swiss Re von gestern).

Ich bin jetzt schon gespannt, auf welche Schweizer Aktien sich die Leerverkäufer in New York während meinem zweiwöchigen Auslandsurlaub einschiessen. Die nächste Kolumne erscheint am Montag, den 23. Juli 2018, wie gewohnt um 12:30 Uhr.

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Vergangene Woche kürte Goldman Sachs die heissesten Übernahmekandidaten der Schweiz. Neben den üblichen Verdächtigen wie dem Schokoladehersteller Lindt & Sprüngli, dem Versicherungskonzern Bâloise, der Softwareschmiede Temenos, dem Hörgerätehersteller Sonova und dem Telekommunikationsanbieter Sunrise rechnen die Amerikaner früher oder später auch beim Spezialitätenchemiekonzern Clariant mit einem Verkauf ins Ausland (siehe Goldman Sachs nennt die heissesten Übernahmekandidaten der Schweiz vom 29. Juni).

Goldman Sachs muss es ja wissen, zählt die mächtige Investmentbank doch zu den festen Grössen, wenn sich Firmen bei Übernahmen und Zusammenschlüssen begleiten lassen.

Was die Amerikaner können, das können wir auch - dürften sich die Aktienstrategen von Société Générale wohl gedacht haben. Bei der französischen Grossbank gilt in der Schweiz einzig die Baselbieter Clariant als Übernahmekandidatin.

Von den Kriterien her müssten auch der Lebensversicherungskonzern Swiss Life und der Pharmazulieferer Lonza auf der Liste erscheinen. Allerdings werden die Aktien dieser beiden Unternehmen nicht von Société Générale mitverfolgt.

Bei Swiss Life und Lonza handelt es sich ebenfalls um Unternehmen, um welche sich in den letzten Jahren immer mal wieder Übernahmespekulationen rankten.

Von Brisanz sind zwei Grafiken der französischen Grossbank. Diesen Grafiken zufolge waren die Übernahmeprämien zuletzt rückläufig - nicht nur in Europa, sondern auch auf anderen Kontinenten.

Bezahlte Übernahmeprämien weltweit (links) und in Europa (rechts) (Quelle: Société Générale Cross Asset Research)

Auf potenzielle Übernahmeziele zu setzen, kann sich für Anleger durchaus bezahlt machen. Nicht selten setzen solche Wetten allerdings starke Nerven und einen langen Atem voraus.

Bei Syngenta durchlebten die Aktionäre eine Achterbahn der Gefühle, bis sie Geld von der chinesischen Käuferin ChemChina gutgeschrieben erhielten. Und der amerikanische Mischkonzern Danaher speiste die langjährigen Aktionäre bei Nobel Biocare mit einem Bruchteil ihres ursprünglichen Einstiegspreises ab.

Zum Glück befinden sich gleich mehrere Unternehmen mit soliden Aussichten unter den von Société Générale und Goldman Sachs genannten Übernahmekandidaten...

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