Trotz Vorbehalten - «Fonds-Manager halten stur an Aktien fest»

Eine Umfrage von Merrill Lynch verrät, was Fonds-Managern derzeit auf der Seele brennt. Dennoch setzen sie weiterhin auf Aktien. - Und: Überraschende 180-Grad-Wende von Aktienanalysten bei Sunrise und Swatch Group.
20.03.2018 12:30
cash Insider
«Fonds-Manager halten stur an Aktien fest»
Bild: fotolia.com

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An der Wall Street ist Merrill Lynch eine grosse Nummer. Und das nicht erst, seit die amerikanische Investmentbank unter dem Dach der Bank of America das Tagesgeschäft wahrnimmt.

Bei uns ist Merrill Lynch mindestens einmal im Monat in aller Munde - nämlich dann, wenn die Investmentbank medial ihre Umfrage bei Vermögensverwaltern und Fonds-Managern ausschlachtet.

Alteingesessene Börsenfüchse wissen: Liefert die Umfrage extreme Ergebnisse, erweisen sich diese nicht selten als ein zuverlässiger Gegenindikator. Schliesslich sind auch Vermögensverwalter und Fonds-Manager bloss Menschen...

Noch im Januar ergab sich folgendes Bild: Ein Gros der Befragten rechneten bis weit ins 2019 mit steigenden Aktienkursen. Folglich waren sie zu diesem Zeitpunkt bis über beide Ihren investiert und kaum gegen Rückschläge abgesichert (siehe "Euphorie unter Fonds-Managern - das Endspiel hat begonnen" vom 17. Januar).

Weniger als zwei Wochen später sollte an den Aktienmärkten eine Ausverkaufswelle rund um den Globus rollen.

Gut zwei Monate nach der Januar-Umfrage - befragt wurden diesmal 176 Vermögensverwalter und Fonds-Manager weltweit mit verwalteten Vermögen in Höhe von 579 Milliarden Dollar - wähnen sich die Befragten bei Aktien weiterhin fest im Sattel.

Eigenen Angaben zufolge brennen ihnen zwar Themen wie ein sich abzeichnender Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China oder die Gefahr einer Stagflation auf der Seele. Dennoch halten Fonds-Manager noch immer stur an Aktien fest, so wissen die mit der Erhebung der Umfrage betrauten Strategen zu berichten.

Und tatsächlich scheinen die Vermögensverwalter und Fonds-Manager nichts gelernt zu haben: Sie sind bis über beide Ohren in Aktien investiert.

Beliebteste Wette unter den Befragten ist - wie bereits im Vormonat - der Kauf von Aktien von Facebook, Amazon, Apple, Netflix und der Google-Mutter Alphabet (kurz "FAANG") oder ihren chinesischen Pendants Baidu, Alibaba und Tencent (auch bekannt als "BAT"). Diese Technologiewerte sind sogar noch beliebter als in der letzten Erhebung vom Februar.

Der Höhenflug der Aktien von Amazon steht stellvertretend für viele andere Technologiewerte (Quelle: www.cash.ch)

Interessant ist, dass die Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft auf den tiefsten Stand seit Juli vor zwei Jahren gefallen sind. Gleichzeitig sind die Inflationserwartungen der Vermögensverwalter und Fonds-Manager so hoch wie seit Juni 2004 nicht mehr.

Die Befragten sehen für Aktien übrigens erst dann eine Gefahr von den Zinsen ausgehen, sollte die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen auf 3,6 Prozent steigen. Das widerspräche einer alten Faustregel, wonach für gewöhnlich ab einer Rendite von 2,85 Prozent Ungemach droht.

Ich hätte es gerne gesehen, wäre die euphorische Stimmung unter Vermögensverwaltern und Fonds-Managern im Zuge der Börsenkorrektur etwas gewichen. Stattdessen ist die taktische Barmittelquote im Vergleich zum Februar sogar leicht gefallen. Sie liegt bei durchschnittlich 4,6 Prozent.

Mit Argusaugen verfolge ich insbesondere den jüngsten Höhenflug von Netflix, Amazon & Co (siehe auch "Ist die Angst vor einem «Flash-Crash» begründet?" von gestern). Sollte das Platzen dieser Blase auch den Schweizer Aktienmarkt mit seinen defensiven Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis in Mitleidenschaft ziehen, wäre das von Ironie kaum zu übertreffen.

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Aktienanalysten brauchen ein dickes Fell. Lassen sie sich im Strom der gängigen Meinung treiben, gelten sie als feige. Schwimmen sie gegen den Strom, ist das allerdings auch nicht recht.

Insbesondere angelsächsischen Vertretern dieser Berufsgruppe wird bloss Effekthascherei nachgesagt. Die aggressiven Kauf- oder Verkaufsempfehlungen seien vor allem eines: Mittel zum Zweck, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu wecken.

Dieser Vorwurf haftet seit gestern dem Luxusgüteranalyst von Morgan Stanley an. Er stuft die Inhaberaktien der Swatch Group überraschend von "Equal-weight" auf "Overweight" herauf und beziffert das Kursziel neu auf 475 (bisher 415) Franken.

Der Uhrenhersteller werde sein Vertriebsmodell überholen und in Zukunft deutlich mehr über eigene Verkaufsstellen und Online-Shops absetzen, so begründet der Analyst seine neugewonnene Zuversicht. Gerade im Hochpreissegment erhofft er sich deutliche Margenverbesserungen.

Im besten Fall hält der Analyst gar Kurse von bis zu 620 Franken für möglich. Das entspräche aus heutiger Sicht einem ansehnlichen Plus von mehr als 50 Prozent.

Kursentwicklung der Swatch-Inhaberaktien über die letzten drei Wochen (Quelle: www.cash.ch)

Interessant dabei ist, dass die Papiere der Swatch Group bei Morgan Stanley noch bis Mitte Januar mit "Underweight" zum Verkauf empfohlen wurden.

Ebenfalls eine 180-Grad-Wende vollzieht der für die Citigroup tätige Berufskollege bei Sunrise Communications. Riet er noch bis vor wenigen Wochen zum Kauf der dividendenstarken Aktien, so empfiehlt er sie neuerdings mit einem Kursziel von 82 (bisher 88) Franken zum Verkauf.

Der Analyst sagt dem Schweizer Mobilfunkanbieter hohe Investitionen im Zusammenhang mit dem Netzausbau auf 5G vorher.

Was die jüngsten Übernahmespekulationen anbetrifft, zeigt er sich überraschend entspannt. Seines Erachtens spiegelt sich ein Zusammenschluss mit upc Schweiz weitestgehend in den aktuellen Kursen wider.

Eines haben die Aktienanalysten von Morgan Stanley und der Citigroup gemeinsam: sie beide stemmen sich mit ihren Empfehlungen gegen das Gros ihrer Berufskollegen.

Ob sich das für ihre Anlagekunden bezahlt macht, steht auf einem anderen Blatt...

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