UBS bricht bei Lindt & Sprüngli ein Tabu

Der cash Insider weiss von neuen Erfahrungen für die Aktionäre von Lindt & Sprüngli zu berichten - Und: Bernstein empfiehlt gleich drei Finanzwerte aus der Schweiz zum Verkauf.
30.11.2016 12:30
cash Insider
UBS bricht bei Lindt & Sprüngli ein Tabu
Bild: fotolia.com

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Schon seit Wochen stossen ausländische Investoren hierzulande im grossen Stil Aktien aus dem Nahrungsmittelsektor ab. Dabei machen sie auch vor den Valoren von Lindt & Sprüngli nicht Halt. Innerhalb weniger Monate hat der über die Schweiz hinaus bekannte Hersteller von Premiumschokolade an der Börse gut 20 Prozent seines Unternehmenswerts eingebüsst.

Schon das alleine dürften sich die erfolgsverwöhnten Aktionäre nicht gewohnt sein. Und als ob das nicht schon genug wäre, begeht nun auch noch der für die UBS tätige Analyst einen Tabubruch. Erstmals seit Jahren unterzieht er sein 12-Monats-Kursziel für die mit "Neutral" eingestuften Namenaktien von Lindt & Sprüngli einer Kürzung auf 62'500 (72'000) Franken.

Langjähriger Kursverlauf der Namenaktien von Lindt & Sprüngli; Quelle: www.cash.ch

Nach der tiefen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr und mit einem höheren Ergebnisbeitrag von Russell Stover rechnet der Experte in der zweiten Jahreshälfte zwar mit einer Wachstumsbeschleunigung. Darüber hinaus geht er von einem ermutigenden Ausblick für das kommende Jahr aus. Allerdings sieht sich die Schweizer Grossbank bei den längerfristigen Wachstums- und Margenprognosen zum Zurückkrebsen gezwungen.

Lindt & Sprüngli zeigt, dass die Börse auch bei über Jahre hinweg erfolgreichen Unternehmen keine Einbahnstrasse ist und selbst frenetisch gefeierte Überflieger irgendwann wieder den Gesetzen der Erdanziehung unterliegen.

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Nicht immer zahlt sich Beharrlichkeit an der Börse aus. Das mussten in den letzten Tagen gleich zwei für die amerikanische Investmentbank Bernstein tätige Aktienanalysten schmerzhaft am eigenen Leib erfahren.

Gerade der für die beiden Schweizer Grossbanken verantwortliche Experte gerät zusehends in Erklärungsnot. Ein Raunen ging durch die Schweiz, als er Ende Juni die Erstabdeckung der Aktien der UBS mit "Underperform" und einem Kursziel von gerade mal 8 Franken aufnahm. Nicht viel besser erging es den Valoren der Rivalin Credit Suisse. Auch ihnen wurde damals mit einem nicht weniger harschen Kursziel von 6 Franken ein "Underperform" lautendes Etikett verpasst.

Weder die grössere, noch die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken werde die Eigenkapitalbasis ausreichend aus eigener Kraft stärken können, so die Begründung des Analysten.

Ein knappes halbes Jahr später und gut 3 Franken bei beiden Aktien höher zeigt er sich wenig einsichtig. Für die Valoren der UBS errechnet der Experte zwar neu ein Kursziel von 10 Franken und für jene der Credit Suisse eines von 9 Franken. Allerdings lautet seine Schlüsselbotschaft: Noch immer sind beide Schweizer Grossbankaktien ein "struktureller Leerverkauf".

Ähnlich leidenschaftlich und nicht etwa moderater formuliert fällt das Plädoyer seines Arbeitskollegen für die dividendenstarken Aktien der Zurich Insurance Group aus. Im Anschluss an den diesjährigen Investorentag von Anfang November passt er seine Gewinnschätzungen um durchschnittlich 5 Prozent nach oben an, was sich in einem höheren Kursziel von gerade mal 230 (200) Franken bemerkbar macht.

In Erwartung eines anhaltenden Preisdrucks im für den Versicherungskonzern wichtigen Firmenkundengeschäft und aufgrund des von tiefen Zinsen geprägten Umfelds befürchtet der Experte Ergebnisenttäuschungen. Gleichzeitig stellt er die Nachhaltigkeit der Dividendenpolitik in Frage.

Vergleich der Zurich-Aktien (rot) mit jenen von UBS (grün) und Credit Suisse (violett); Quelle: www.cash.ch

Die Valoren der Zurich Insurance Group werden bei Bernstein schon seit Ende Juli 2014 mit "Underperform" eingestuft und damit im übertragenen Sinne zum Verkauf empfohlen.

Die amerikanische Investmentbank ist für ihre aggressiven Verkaufsempfehlungen geradezu berüchtigt. Diese lassen sich auch damit erklären, dass ihr schon seit Jahrzehnten eine Nähe zur heimischen Hedgefonds-Industrie nachgesagt wird.

Interessant ist: Wie einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank zu entnehmen ist, haben die Leerverkäufer ihre Wetten gegen die Credit Suisse im Laufe des Oktobers von 3,1 auf 2,7 Prozent der frei handelbaren Titel reduziert. Gegen die UBS und Zurich Insurance Group werden Schätzungen zufolge sogar nur mit 0,6 bis 1,5 Prozent der ausstehenden Aktien spekuliert. So richtig sicher scheinen die Leerverkäufer ihrer Sache bei diesen drei Finanzwerten jedenfalls nicht zu sein.
 

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