UBS, Credit Suisse & Co. - Verkraften unsere Banken einen weiteren Zinsschritt?

Morgan Stanley stellt interessante Berechnungen für die Schweizer Banken an, sollte die SNB ihre Leitzinsen tatsächlich noch einmal reduzieren - Und: Wird das Wachstum bei Roche überschätzt?
21.06.2017 12:30
cash Insider
Verkraften unsere Banken einen weiteren Zinsschritt?
Bild: fotolia.com

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Zu den zentralen Aufgaben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zählt, massgeblich zur Stabilität des Finanzplatzes Schweiz beizutragen. Ihr unterliegt in diesem Zusammenhang auch die Überwachung von systemisch bedeutsamen Finanzmarktinfrastrukturen, so will es das Gesetz.

Erst vor wenigen Tagen legte die SNB ihren diesjährigen Stabilitätsbericht vor. Darin attestiert sie den hiesigen Grossbanken zwar Fortschritte bei der Stärkung der Eigenkapitaldecke. Dennoch sehen die Autoren aber Verbesserungsbedarf bei der ungewichteten Eigenmittelquote, gilt diese im internationalen Vergleich doch als eher tief.

Im Stabilitätsbericht räumt die SNB sogar freimütig ein, dass von den Negativzinsen im hiesigen Zinsdifferenzgeschäft auf Dauer starker Druck auf die Margen ausgeht - und das trotz grosszügigen Freigrenzen für die Geschäftsbanken. An Selbstkritik mangelt es den Autoren allerdings, geben sie sich im Bericht doch gar nicht erst die Mühe, die Zins- und Geldpolitik zu hinterfragen.

Prominente Unterstützung erhält unsere SNB in einem mir aus London zugespielten Strategiepapier von Morgan Stanley. Darin halten die für die amerikanische Investmentbank tätigen Analystinnen weitere Leitzinsreduktionen zwar für unwahrscheinlich, schliessen solche aber auch nicht kategorisch aus.

Zumindest auf kurze Sicht erachten sie weitere Zinsschritte für die hiesigen Banken als verkraftbar. Den beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse sagen die Analystinnen bei einer Leitzinsreduktion um 25 Basispunkte einen Gewinnrückgang von 2 bis 3 Prozent, bei einer Reduktion um 50 Basispunkte gar einen Gewinnrückgang von bis zu 7 Prozent nach. Stärker auf den Heimmarkt ausgerichtete Banken würden sogar noch stärker getroffen, so lassen sie durchblicken.

Die Aktien von Credit Suisse (rot) und UBS (grün) kommen noch immer nicht so recht in Fahrt (Quelle: www.cash.ch)

Aufgrund der längerfristigen Gefahr ernsthafter Kollateralschäden sowie der vermutlich eher geringen Wirksamkeit stellen die Autorinnen des Strategiepapiers den Sinn eines Zinsschritts ernsthaft in Frage.

Auf Basis der Prognosen der hauseigenen Währungsstrategen sehen sie den Euro bis in den Sommer nächsten Jahres hinein sowieso auf 1,16 Franken klettern. Mit Interventionen müsste dann nicht mehr länger gerechnet werden.

So weit, so gut. Nur will sich mir nicht so recht erschliessen, wie unsere SNB die aufgeblähte Bilanz - wir sprechen immerhin von Devisenreserven im Gegenwert von 694 Milliarden Franken - jemals wieder abbauen will. Nicht auszudenken was wäre, sollte sie als Verkäuferin von Euro oder Dollar in Erscheinung treten.

Ich plädiere an dieser Stelle deshalb einmal mehr für einen Schweizer Staatsfonds (siehe auch Kolumne vom 31. Mai).

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Noch bis vor wenigen Wochen galten die diesjährigen Zielvorgaben bei Roche als konservativ. Der Basler Pharma- und Diagnostikkonzern werde an der Halbjahresergebnispräsentation von Ende Juli ambitioniertere Vorgaben kommunizieren, so lautete der Tenor.

Spätestens mit den bestenfalls durchwachsenen Studienergebnissen zum Brustkrebsmedikament Perjeta verstummen diese Stimmen allerdings zusehends.

Für die für BNP Paribas tätigen Autoren einer Unternehmensstudie steht nichts Geringeres als die Marktführerschaft im Bereich herkömmlicher Krebsmedikamente auf dem Spiel. Der immer intensiver werdende Wettbewerb und die von Biosimilars ausgehende Umsatzerosion lassen sie eine mehrjährige Umsatzflaute erwarten. Zum Vergleich: Andere Berufskollegen rechnen über die kommenden fünf Jahren mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 4 Prozent.

Die Genussscheine von Roche sind zuletzt wieder etwas im Kurs zurückgefallen (Quelle: www.cash.ch)

Es überrascht deshalb nicht, dass die Analysten die Genussscheine von Roche von "Buy" auf "Neutral" herunterstufen und das Kursziel auf 250 (bisher 290) Franken zusammenstreichen.

Noch immer empfehlen drei von vier Experten die Bons des in den letzten Jahren stets erfolgreichen Pharma- und Diagnostikkonzerns zum Kauf. Gut möglich, dass gerade die angelsächsischen Vertreter dieser Zunft dem Beispiel der für BNP Paribas tätigen Kollegen folgen werden.

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