UBS: Experte warnt vor einer Enttäuschung

Viel beachteter Branchenexperte sagt, weshalb er den Geld-Regen verspätet auf die Aktionäre der UBS niederprasseln sieht - Und: Credit Suisse mit grösseren Anpassungen bei den Schlüsselempfehlungen.
21.08.2015 12:30
cash Insider
UBS: Experte warnt vor einer Enttäuschung

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Mit ihrer Abkehr vom Investment Banking hat die UBS Pionierarbeit geleistet. Die hohe Kapitalintensität zwingt immer mehr Grossbanken dazu, sich aus diesem Geschäftszweig zurück zu ziehen. Mit immer noch strengeren Vorschriften giessen die Aufsichtsbehörden zusätzlich Öl ins Feuer und sorgen für eine Beschleunigung dieses Prozesses.

Die in Zürich und Basel beheimatete UBS hat die strategischen Weichen schon vor Jahren gestellt und ist damit nicht auf dem Abstellgeleise, sondern auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke gelandet. Stummer Zeuge ist die Aktie der Grossbank. Mit einem respektablen Plus von 26 Prozent kommt ihr im Swiss Market Index seit Jahresbeginn die Gold-Medaille zu.

Wie einer Pressemitteilung vom Mittwoch zu entnehmen ist, hat das Handelsgericht des Kantons Zürich sämtliche Aktien der verbliebenen Minderheitsaktionäre für kraftlos erklärt. Dieser Meilenstein ebnet den Weg für die schon vor Monaten angekündigte Sonderdividende. In ziemlich genau einem Monat werden den Aktionären über die bereits entrichtete reguläre Dividende von 0,50 Franken je Aktie hinaus zusätzliche 0,25 Franken ausbezahlt.

Spätestens seit dem überzeugenden Zahlenkranz von Ende Juli sind sich Branchenkenner einig: Die UBS wird im kommenden Frühling auch für das laufende Geschäftsjahr eine Dividende von 0,75 Franken je Aktie ausschütten - und in den darauffolgenden Jahren substanziell ausbauen.

Mit anderen Worten: Auf die Aktionäre der Grossbank dürfte ein Geld-Regen niederprasseln. So lautet jedenfalls die gängige Meinung.

In einem mir zugespielten Kommentar warnt der für die MainFirst Bank tätige Verfasser diesbezüglich allerdings vor Enttäuschungen. Die Gefahr von Bussen habe zuletzt zwar wieder etwas nachgelassen und die UBS selber im zweiten Quartal gerademal zusätzliche Rückstellungen im Umfang von 130 Millionen Franken verbucht. Allerdings würden der Grossbank nun zivilrechtliche Klagen drohen, so schreibt der viel beachtete Experte.

Er selber geht für die Zeit bis Ende 2017 von zusätzlichen Rechtskosten in der Grössenordnung von 6 Milliarden Franken aus. Seinen Berechnungen zufolge erwarten andere Berufskollegen gerademal um die 1,75 Milliarden Franken.

Nicht, dass der Verfasser des Kommentars die Dividendenaussichten deshalb grundsätzlich in Frage stellen würde. Vielmehr sieht er den Geld-Regen mit einer Verspätung von 6 bis 12 Monaten auf die Aktionäre der UBS niederprasseln. Er empfiehlt die Aktie der Grossbank denn auch weiterhin mit "Outperform" zum Kauf und erhöht das Kursziel auf 23 (22) Franken. Und das obschon der Experte seine Gewinnschätzungen in Erwartung zusätzlicher Rechtskosten um bis zu 10 Prozent nach unten revidiert.

Bei keiner anderen im Swiss Market Index vertretenen Aktie herrscht in Analystenkreisen mehr Einigkeit als bei jener der UBS. Von 24 Experten haben nicht weniger als 16 eine Kaufempfehlung ausstehend. Dem steht gerademal eine Verkaufsempfehlung gegenüber. Mit seinem Kursziel von 23 Franken befindet sich der für die MainFirst Bank tätige Experte in bester Gesellschaft. Nach dem Höhenflug der letzten Monate liegt das rechnerische Aufwärtspotenzial bei weniger als 10 Prozent. Eine umso grössere Bedeutung kommt in Zukunft deshalb der Dividendenkomponente zu. Bleibt aus Sicht der UBS-Aktionäre zu hoffen, dass der viel beachtete Branchenkenner sich täuscht und die Kosten der Zivilprozesse überblickbar bleiben.

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Einmal im Monat kommuniziert die Credit Suisse ihre Schlüsselempfehlungen für die europäischen Aktienmärkte. Anders als viele ihrer Berufskollegen, sprechen die Strategen der Schweizer Grossbank nicht nur Kauf-, sondern auch Verkaufsempfehlungen aus.

Von den ziemlich genau 100 Schlüsselempfehlungen werden 56 Aktien mit "Outperform" und immerhin 44 mit "Underperform" eingestuft. Damit halten sich die positiv eingeschätzten Unternehmen in etwa mit den negativ eingeschätzten die Waage.

Neu auf der Favoritenliste sind die Aktien von Anglo American, Aselsan, Axa, Capita, Fiat Chrysler, G4S, Logitech, Magnitogorsk Steel sowie Total zu finden. Platz machen müssen jene von Ashtead Group, Babcock, Glencore, Pirelli, DSM, Norilsk Nickel, SFS Group und Zurich Insurance Group.

Auf der Liste der Schlüsselverkaufsempfehlungen ersetzen hingegen die Aktien von BP, Gjensidige, Meggitt, Scor, Swiss Re und Volkswagen jene von Aggreko, Amlin, Munich Re, Plastic Omnium, Rolls-Royce und Tryg.

Die Credit Suisse verfügt in diesem Zusammenhang über einen beeindruckenden Leistungsausweis. Lassen wir uns deshalb überraschen, ob die Grossbank auch mit diesen Neuzugängen wieder ins Schwarze trifft.

 

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