UBS rückt ins Zentrum von Spekulationen

Ein ehemaliger Mitarbeiter der UBS schürt in New York Spekulationen ganz besonderer Art - Und: Das steckt hinter dem Kursfeuerwerk bei den Aktien von Meyer Burger.
21.06.2016 12:30
cash Insider
UBS rückt ins Zentrum von Spekulationen
Bild: fotolia.com

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An den Aktienmärkten dreht sich alles um den Volksentscheid rund um einen möglichen Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union. Das Hauptaugenmerk gilt den immer neuen Umfrageergebnissen, welche je nachdem wer sie erhebt unterschiedlicher kaum ausfallen könnten. Gleichzeitig werben Politiker und Wirtschaftsführer beider Seiten lautstark in eigener Sache.

Es zeichnen sich Tendenzen ab, der Ausgang des Volksreferendums bleibt allerdings ungewiss. Unternehmensspezifische Meldungen sind in diesen Tagen bestenfalls von untergeordneter Bedeutung für die Marktakteure.

Ein in der "New York Post" erschienener Artikel schaffte es gar nicht bis zu uns, obschon er ziemlich brisantes Material enthält. Denn darin sagt ein einstiger Aktienanalyst der UBS seiner ehemaligen Arbeitgeberin Verkaufsabsichten für das Wealth Management Americas nach. Darf man den Worten des mittlerweile für die Aite Group tätigen Experten Glauben schenken, dann sind der Schweizer Grossbank ihre amerikanischen Kunden heute vor allem Eines: eine Belastung.

Die UBS selber erteilt den Spekulationen auf Anfrage der "New York Post" eine klare Absage. Das Wealth Management zähle zu den Kernaktivitäten. Ausserdem verfüge man über eine erfolgsversprechende Marktstellung, so heisst es von offizieller Seite.

So richtig überraschend kommt dieses Dementi nicht, hat die grössere der beiden Schweizer Grossbanken doch noch immer Goodwill im Zusammenhang mit der mit umgerechnet 18 Milliarden Franken dotierten Übernahme von PaineWebber aus dem Jahre 2000 in den Büchern. Unter dem damaligen Konzernchef Marcel Ospel bezahlte man den Aktionären der amerikanischen Finanzgruppe quasi auf dem Höhepunkt des Branchenzyklus einen Aufpreis von 47 Prozent gegenüber dem Schlusskurs am Tag vor Bekanntwerden der Übernahme.

Den Banken bläst ein kräftiger "Wind des Wandels" ins Gesicht, der sich zum Orkan entwickeln könnte. Vor etwas mehr als drei Jahren hat die UBS mit ihrem Rückzug aus weiten Teilen des kapitalintensiven Investment Bankings schon einmal strategische Weitsicht bewiesen. Gut möglich, dass das Traditionsunternehmen auch in Bezug auf das Amerika-Geschäft Neuland betritt. Ohne schmerzhafte Bilanzbereinigung in Form eines ausserordentlichen Goodwill-Abschreibers wäre diese Vergangenheitsbewältigung vermutlich jedoch nicht zu bewerkstelligen.

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Was war denn da los? Am Freitag schossen die Aktien von Meyer Burger um gut 9 Prozent nach oben und machten so einen beachtlichen Teil der in den vorangegangenen zwei Handelswochen erlittenen Kursverluste wieder wett.

Zuvor habe ein grösserer Verkaufsauftrag auf die Kursnotierungen gedrückt und diese auf den tiefsten Stand seit der Publikumsöffnung im Spätherbst des Jahres 2006 abtauchen lassen. Dieser sei nun aber abgeschlossen worden, so lasse ich mir sagen.

Ob und welcher Grossaktionär der Adressat dieses ominösen Auftrags sein könnte, darüber lässt sich bloss spekulieren. Am ehesten kommt Platinum Asset Management in Frage. Erst Mitte April halbierte der Hedgefonds des australischen Milliardärs Kerr Neilson seine Beteiligung am Solarzulieferer aus dem bernischen Gwatt. Dabei unterschritt er den meldepflichtigen Schwellenwert von 5 Prozent, weshalb das Ganze überhaupt erst an die Öffentlichkeit gelangte. Spätestens wenn die Beteiligung auf unter 3 Prozent fällt, muss der Grossaktionär seine Karten erneut auf den Tisch legen.

Trotz der von aggressiven Deckungskäufen begleiteten Kurserholung der letzten Tage bleibt Meyer Burger ein Sorgenkind. Es gibt mittlerweile zwar Anhaltspunkte, wonach sich die Auftragslage des Solarzulieferers aufzuhellen beginnt. Finanziell betrachtet bleibt das Unternehmen jedoch schwach auf der Lunge. Und um die Produktion hochzufahren, bedarf es bekannterweise Geld - unter anderem in Form einer höheren Kapitalbindung beim Umlaufvermögen.
 

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