UBS und Credit Suisse - Grossbanken liefern interessante Einblicke ins Tagesgeschäft

Firmenvertreter von UBS und Credit Suisse lassen sich an einer von Goldman Sachs organisierten Investorenkonferenz tief in die Karten blicken. Der cash Insider mit den Hintergründen.
12.06.2017 12:30
cash Insider
Grossbanken liefern interessante Einblicke ins Tagesgeschäft
Bild: fotolia.com

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Zumindest für die Börse gab es bei den beiden Schweizer Grossbanken nach den ersten drei Monaten einen klaren Sieger: Während der Zahlenkranz der Credit Suisse am Tag seiner Veröffentlichung mit einem fulminanten Kursfeuerwerk gefeiert wurde, hielt die Freude wenige Tage später bei der Rivalin UBS nicht lange.

Seither sind die Aktien beider Unternehmen jedoch auf oder zumindest in die Nähe ihrer bisherigen Jahrestiefstkurse zurückgefallen. Denn auch bei den Schweizer Grossbanken gilt: Nach den (Erst-)Quartalszahlen ist bekanntlich vor den (Zweit-)Quartalszahlen.

Die Aktionäre der UBS müssen sich noch bis zum 28. Juli in Geduld üben, genauso wie ihre Leidensgenossen bei der Credit Suisse. Dass die beiden Rivalen ihre Ergebnisse am selben Tag vorlegen, ist ungewöhnlich und an Brisanz kaum zu überbieten – lassen sich die beiden Zahlenkränze so doch einander auch gleich gegenüberstellen.

Interessante Einblicke ins Tagesgeschäft der Schweizer Grossbanken liefert eine von der mächtigen amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs organisierte Branchenkonferenz.

Seitens der Credit Suisse nahm Francesco De Ferrari, der Verantwortliche für das Private Banking in der Region Asien/Pazifik, teil. Wie ich einem mir aus Frankfurt zugespielten Kommentar von Goldman Sachs entnehme, wusste De Ferrari von Marktanteilsgewinnen zu berichten. Die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken sucht insbesondere das Geschäft mit vor Ort ansässigen Unternehmern und diesen auch Investment-Banking-Lösungen an.

Zur besseren Diversifikation ihres Vermögens bietet die Credit Suisse den Unternehmern auch Kredite gegen Verpfändung illiquider Papiere an, was das zuletzt starke Nettoneugeldwachstum im Raum Asien/Pazifik erklären könnte. Vom Risiko her sind solche Kredite aus Gläubigersicht aber nicht ohne.

Lobende Worte fand der Regionalverantwortliche für die 4 Milliarden Franken schwere Kapitalerhöhung. Obwohl diese gerade erst vollzogen wurde, macht sie sich im Tagesgeschäft angeblich bereits bezahlt. Die gestärkte Eigenkapitalbasis helfe im Neukundengeschäft und das zusätzliche Kapital lasse sich gewinnbringenden Geschäftsaktivitäten zuführen, so De Ferrari weiter.

Die UBS entsandte ihrerseits sogar Finanzchef Kirt Gardner an die Investorenkonferenz. Wie es seitens von Goldman Sachs heisst, habe Gardner seinerseits eher vorsichtige Töne angeschlagen. Das gelte insbesondere für die Handelsaktivitäten institutioneller und schwerreicher Kunden sowie für jene von vermögenden Familien.

Im Investment Banking scheint die grössere der beiden Schweizer Grossbanken hingegen die Folgen der schon vor Jahren vollzogenen Redimensionierung in Form rückläufiger Handelserträge zu spüren. Das deckt sich mit den jüngsten Aussagen der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley.

Was das Geschäft mit Lombardkrediten anbetrifft, so scheint die UBS die Vergabe dieser mit Wertpapieren hinterlegten Kredite in der jüngeren Vergangenheit etwas vernachlässigt zu haben. Gardner versprach den Konferenzteilnehmern diesbezüglich allerdings Besserung.

Die Aktien der Credit Suisse (rot) im 12-Monats-Vergleich mit jenen der UBS (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Im Wealth Management Americas sieht der Finanzchef einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Er stellte in diesem Geschäftszweig sowohl höhere Erträge als auch kostenseitige Fortschritte in Aussicht. Die Aussagen könnten an der Börse als eine klare Absage an eine Abspaltung oder einen Verkauf von Wealth Management Americas verstanden werden.

Vor knapp einem Jahr sorgte ein in der "New York Post" veröffentlichter Artikel für Spekulationen, wonach sich die UBS von den im Zuge der 18 Milliarden Franken schweren Übernahme von Paine Webber erworbenen Geschäftsaktivitäten trennen wolle. Ein strategischer Befreiungsschlag von diesem Kaliber würde vermutlich aber einen schmerzhaften Goodwill-Abschreiber nach sich ziehen.

Der für Goldman Sachs tätige Bankenanalyst empfiehlt die Aktien der Credit Suisse mit einem 12-Monats-Kursziel von 18,64 Franken zum Kauf und stuft jene der Erzrivalin UBS mit "Neutral" sowie einem 12-Monats-Kursziel von 20,20 Franken ein.

Ich bleibe dabei: An attraktiv hohen Dividenden interessierte Anleger sind in den hiesigen Versicherungswerten sehr viel besser aufgehoben als in den Aktien der beiden Grossbanken.
 

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