«UBS und Credit Suisse sind Leerverkaufs-Kandidaten»

Eine amerikanische Investmentbank poltert gegen die Aktien von UBS und Credit Suisse - auffällige Häufung von Schätzungsreduktionen bei Sika - Und: Zweifel an der Nachhaltigkeit der Gewinnentwicklung bei Kudelski.
05.01.2017 12:30
cash Insider
«UBS und Credit Suisse sind Leerverkaufs-Kandidaten»
Bild: fotolia.com

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Als die amerikanische Investmentbank Bernstein im vergangenen Frühsommer aggressive Verkaufsempfehlungen für die Aktien von UBS und Credit Suisse aussprach, ging ein Raunen durch unser kleines Land. Nicht ohne Grund, sagte der verantwortliche Bankenanalyst den Valoren der beiden Schweizer Grossbanken doch sogar einen Kursrückschlag in die Region von 6 bis 8 Franken voraus (siehe Kolumne vom 12. Juli).

Heute - ein gutes halbes Jahr später und etliche Franken in den Aktienkursen höher - findet der Experte einmal mehr klare Worte. Er hält das in den vergangenen vier Wochen beobachtete Kursfeuerwerk für übertrieben. Deshalb würden sich die Aktien von UBS und Credit Suisse geradezu als Kandidaten für einen Leerverkauf aufdrängen, so schreibt er in einem mir aus London zugespielten Kommentar.

Noch im Juli befanden sich die Aktien von Credit Suisse (rot) und UBS (grün) im Stimmungstief; Quelle: www.cash.ch

Argumentierte man bei der amerikanischen Investmentbank ursprünglich mit dem Margendruck im Wealth Management und fehlenden Milliarden von Franken an Eigenkapital, so ist dem Bankenanalyst neuerdings die vergleichsweise stolze Bewertung der beiden Schweizer Grossbanken ein Dorn im Auge. Und um seiner Empfehlung den nötigen Nachdruck zu verleihen, hält er unbeirrt an seinen zwischen 9 und 10 Franken liegenden Kurszielen fest.

Spätestens nach dem jüngsten Kursfeuerwerk wird sich die Haare raufen, wer diesem Rat damals blind Folge leistete. Ich selber gebe weiterhin den Aktien der UBS den Vorzug, lässt sich für mich die wiedererwachte Zuversicht rund um den bei der Credit Suisse geplanten Börsengang der Universalbank Schweiz nicht so ganz nachvollziehen. Schliesslich handelt es sich bei diesem Schritt um eine die zukünftigen Gewinne verwässernde Kapitalbeschaffungsmassnahme. Ganz egal wie viele Milliarden die geplante Platzierung in die Kasse der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken spült - es werden damit nicht Aktionärswerte geschaffen, sondern vernichtet.

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In den letzten Jahren übertraf Sika mit seinen Zahlenkränzen regelmässig selbst die kühnsten Erwartungen. Nun scheint der Innerschweizer Baustoffhersteller allerdings zum Opfer seines eigenen Erfolgs zu werden. Im Hinblick auf die Veröffentlichung des Jahresumsatzes von kommender Woche bietet sich den erfolgsverwöhnten Aktionären ein ungewohntes Bild: Gleich mehrere Analysten haben ihre Schätzungen nach unten angepasst - und das erst noch mit teilweise fadenscheinigen Begründungen.

Die Sika-Aktien (rot) liessen den SPI (grün) in den letzten 12 Monaten hinter sich zurück; Quelle: www.cash.ch

Tacheles spricht nur der für die Credit Suisse tätige Analyst. Seines Erachtens dürfte sich das organische Umsatzwachstum in Nordamerika im Schlussquartal letzten Jahres weiter verlangsamt haben. Gleichzeitig verspricht er sich einen geringeren Beitrag konsolidierter ergänzender Firmenübernahmen, weshalb er seine Umsatzschätzungen für das vergangene Jahr um 2 Prozent zurückschraubt. Nur rückläufigen Rohmaterialkosten ist es zu verdanken, dass der Experte seine Gewinnschätzungen unverändert beibehält. Er stuft die Aktien weiterhin nur mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 4‘600 Franken ein.

Für gewöhnlich verheisst die Häufung von Schätzungsreduktionen aus der Analystengemeinde - wie sie bei Sika zu beobachten sind - nichts Gutes. Bleibt zu hoffen, dass sich die Vorbehalte kommende Woche als übertrieben erweisen.

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Viele hatten Kudelski schon abgeschrieben. Wies der Anbieter von Zugangssystemen für kostenpflichtiges Fernsehen auf dem Höhepunkt der Technologieblase einen Börsenwert von knapp 15 Milliarden Franken auf, fiel dieser innerhalb von gerademal zwei Jahren in sich zusammen. Dem Unternehmen aus dem Grossraum Lausanne wurde damals vorgeworfen, den Wandel der Zeit verschlafen zu haben.

Doch wie Kudelski eindrücklich beweist, leben Totgesagte eben auch an der Börse länger. Alleine im vergangenen Jahr spülte die Beilegung langjähriger Patentstreitigkeiten mit prominenten amerikanischen Technologiegiganten wie Apple, Yahoo oder Cisco Systems Millionen in die Kasse.

Unklar ist, ob sich das Unternehmen über die kommenden Jahre eines stetigen Geldstroms erfreuen kann oder ob es sich bloss mit einmaligen Zahlungen abspeisen liess.

Letzteres deutet der für die UBS tätige Analyst an. In Hinblick auf die anstehende Jahresergebnispräsentation rechnet er mit unerfreulichen Aussagen zur diesjährigen Gewinnentwicklung. Seine Prognose für den operativen Gewinn (EBIT) liegt neuerdings um satte 10 Prozent unter den entsprechenden Konsensschätzungen.

Wer berücksichtigt, wie gnadenlos die Börse für gewöhnlich auf Enttäuschungen reagiert, kann sich in etwa ausmalen, was den bei der UBS mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 18 Franken eingestuften Aktien von Kudelski blühen könnte.

 

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