Übernahmehungrige Chinesen - Greift China auch nach dem Sensorenhersteller AMS?

Der cash Insider weiss von wieder erwachten Übernahmespekulationen rund um den Sensorenhersteller AMS zu berichten – Und: Die Berenberg Bank kommt bei den Aktien von Actelion daher wie die alte Fasnacht.
30.03.2017 12:30
cash Insider
Greift China auch nach dem Sensorenhersteller AMS?
Bild: fotolia.com

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Mit dem Galaxy S8 präsentierte Samsung gestern der Weltöffentlichkeit die neuste Generation des kommerziell sehr erfolgreichen Smartphones. Damit sorgt der koreanische Elektronikkonzern nach Korruptionsvorwürfen und Akkuproblemen endlich mal wieder für positive Schlagzeilen.

Eine willkommene Errungenschaft ist das Galaxy S8 auch für den Sensorenhersteller AMS. Als Zulieferer von Samsung darf er mehr zum Gerät beisteuern als dies bei früheren Generationen der Fall war.

Ähnlich verhält es sich, wenn das amerikanische Kultunternehmen Apple diesen Herbst das Jubiläums-Modell des Verkaufsschlagers iPhone vorstellt - allerdings aus anderen Gründen. Denn mit der millionenschweren Übernahme von Heptagon hat der Grosskunde für AMS an Bedeutung gewonnen.

Seit Wochen zeigt der Kursverlauf der AMS-Aktien (rot) auch im Vergleich zum SPI (grün) steil nach oben (Quelle: www.cash.ch)

Seit dem späten gestrigen Nachmittag stehen die Aktien des an der Schweizer Börse SIX gehandelten Zulieferunternehmens allerdings im Zentrum von Übernahmespekulationen - und das bei weitem nicht zum ersten Mal.

Auslöser der Spekulationen könnte ein Artikel der "Financial Times" sein, wonach dem chinesischen Halbleiterkonzern Tsinghua Unigroup von einem Konsortium bestehend aus der China Development Bank sowie dem National Integrated Circuit Industry Investment Fund umgerechnet 22 Milliarden Dollar für strategische Firmenübernahmen im Ausland zugesprochen wurden. Wohl im Wissen, dass die Kreditlinien von heute die grosszügigen Barofferten von morgen sind.

Schon vor zwei Jahren sorgte der Halbleiterkonzern Tsinghua Unigroup für Schlagzeilen, als er für 23 Milliarden Dollar den amerikanischen Rivalen Micron Technologies übernehmen wollte. Dieses Vorhaben scheiterte damals allerdings an den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten.

Seit der Republikaner Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde, bläst strategischen chinesischen Käufern dort ein noch heftigerer Wind entgegen. Deshalb weichen diese auch immer öfter nach Europa aus.

Mit einem Börsenwert von 4,5 Milliarden Franken liesse sich eine Übernahme von AMS für die Tsinghua Unigroup quasi aus der Portokasse begleichen. Ein Schnäppchen ist der Sensorenhersteller nach der seit Jahresbeginn beobachteten Kursverdoppelung zwar nicht mehr länger. Das dürfte für die strategisch motivierten Chinesen jedoch zweitrangig sein.

Vorerst deuten die eher dünnen Aktivitäten bei den Call-Warrants darauf hin: Alles kann, nichts muss.

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Da hat sich aber jemand mächtig Zeit gelassen: Zwei Monate ist es her, dass sich der Baselbieter Pharmahersteller Actelion und sein ungleich grösserer Rivale Johnson & Johnson einigen konnten. Neben 280 Dollar in bar erhalten die Actelion-Aktionäre auch Aktien der in das eigenständige Unternehmen Idorsia ausgelagerten Forschung und Entwicklung.

Erst jetzt reagiert der für die Berenberg Bank tätige Analyst. In einer mir aus London zugespielten Unternehmensstudie zieht er das Kursziel für die eine gefühlte Ewigkeit mit "Hold" eingestuften Papiere auf 283 (bisher: 155) Franken nach - und kommt daher wie die alte Fasnacht.

Das neue Kursziel setzt sich wie folgt zusammen: 276 Franken je Aktie entfallen zu aktuellen Dollarkursen auf die Barkomponente und weitere 7 Franken auf Idorsia.

Die Aktien von Actelion nähern sich dem Barangebot plus Portfolioausschüttung (Quelle: www.cash.ch)

Der Experte der Berenberg Bank ist bei weitem nicht der einzige Vertreter seiner Berufsgruppe, welche während den monatelangen Verhandlungen zwischen dem Ehepaar Jean-Paul und Martine Clozel und den Firmenvertretern von Johnson & Johnson keine allzu gute Figur machten.

Das gilt insbesondere für die für Barclays Capital tätige Berufskollegin. Sie hatte die Aktien von Actelion als einzige Vertreterin ihrer Berufsgilde bis fast zuletzt mit "Underweight" und einem Kursziel von 145 Franken zum Verkauf empfohlen. Selbst Anfang November wähnte sie sich noch fest im Sattel und sagte dem Unternehmen aus dem Baselbiet eine Wachstumsflaute voraus.

Eine gehörige Portion Feigheit vorwerfen lassen muss sich hingegen der Analyst der Deutschen Bank. Nachdem Johnson & Johnson die Gespräche Mitte Dezember abgebrochen hatte, setzte er seine Kaufempfehlung sowie das damals auf 195 Franken bezifferte Kursziel bis auf weiteres aus.

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