Überraschende Kapitulation - Schweizer Aktien zahlten sich nicht aus

Ein bekannter Stratege stuft völlig unerwartet den Schweizer Aktienmarkt herunter – Und: Erwischt Sensorenhersteller AMS die Leerverkäufer auf dem falschen Fuss?
16.04.2018 12:30
cash Insider
Schweizer Aktien zahlten sich nicht aus
Bild: fotolia.com

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Die Stimmung werde spätestens im Februar kippen, warnte Christopher Potts, da war das neue Börsenjahr erst wenige Tage als (siehe "Die Stimmung dürfte spätestens im Februar kippen" vom 9. Januar). Zuerst nur von seinen Berufskollegen belächelt, musste der für Kepler Cheuvreux tätige Aktienstratege in den darauffolgenden Wochen viel Spott und Häme über sich ergehen lassen.

Seinen Anlagekunden riet Potts schon damals, Deckung vor einer Börsenkorrektur zu suchen. In diesem Zusammenhang legte er ihnen den Schweizer Aktienmarkt mit seinem defensiven Charakter ans Herzen. Diese Empfehlung wiederholte der Aktienstratege seither gebetsmühlenartig – und das bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Erst vor wenigen Tagen liess Potts durchblicken, dass die Börsenkorrektur noch nicht ausgestanden sei. Er warte auf die letzte Kapitulation, so liess er durchblicken (siehe "Warten auf die finale Ausverkaufswelle" vom 9. April).

Wer nun aber kapituliert, ist der Stratege selbst: Völlig unerwartet stuft er den Schweizer Aktienmarkt von "Overweight" auf "Neutral" herunter. Der hohe Anteil an Aktien aus der defensiven Pharmaindustrie - für Potts nicht mehr länger ein Kauf- sondern ein Verkaufsargument.

Gleichzeitig befürchtet der Stratege, dass der Franken weiter an Wert verlieren und seinen in Euro rechnenden Anlagekunden schmerzhafte Währungsverluste bescheren könnte.

So richtig konsequent ist Potts dann aber doch nicht, stuft er doch die Aktien europäischer Pharma- und Nahrungsmittelhersteller wie bis anhin mit "Overweight" ein.

Rückblickend ging seine Wette auf die defensiven Schwergewichte aus dem Swiss Market Index (SMI) nicht auf. Die Valoren von Nestlé, Roche und Novartis kosteten das viel beachtete Börsenbarometer alleine seit Jahresbeginn mehr als 500 Punkte, wobei die Dividendenabgänge bei den beiden Pharmaunternehmen aus Basel mit 120 Punkten ins Gewicht fallen (siehe "Schwergewichte kosten den SMI viele Punkte" vom 3. April).

In den nächsten Tagen steht das Handelsgeschehen am Schweizer Aktienmarkt ganz im Zeichen von Nestlé. Heute werden die Aktien des traditionsreichen Nahrungsmittelherstellers ex Dividende gehandelt, was den SMI weitere 40 Punkte kostet.

Die Valoren von Nestlé (rot), Roche (grün) und Novartis (gelb) im 12-Monats-Vergleich (Quelle: www.cash.ch)

Schon in wenigen Tagen legt das Unternehmen dann als erstes Indexschwergewicht die Quartalsumsatzzahlen vor. Bleibt die erhoffte organische Wachstumsbelebung aus, droht den Aktien von Nestlé ein weiterer schmerzhafter Kursrückschlag (siehe "Wird Nestlé zur Wiederholungstäterin?" vom 5. April).

"Aktien kaufen, wenn die Kanonen donnern und verkaufen, wenn die Violinen spielen." - das wusste schon Carl Mayer Freiherr von Rothschild stets zu sagen. Er gilt bis heute als einer der Wegbereiter des antizyklischen Investierens. Und tatsächlich donnern die Kanonen bei den Valoren von Nestlé, Roche und Novartis unüberhörbar...

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Verhält es sich wie in den letzten Jahren, wird Apple im September der Weltöffentlichkeit die neuste Gerätegeneration des Verkaufsschlagers iPhone vorstellen.

Schon heute in den Startlöchern ist AMS. Das im österreichischen Unterpremstätten beheimatete und an der Schweizer Börse SIX kotierte Unternehmen beliefert das amerikanische Kultunternehmen mit verschiedensten Sensoren. Zuletzt steuerte es beim Jubiläumsmodell iPhone X unter anderem den 3D-Sensor für die Gesichtserkennungsfunktion bei.

Wie Chinatimes berichtet, dürfte Apple die Produktion der neusten Gerätegeneration früher als gewohnt hochfahren. Die Amerikaner scheinen rückblickend aus den letztjährigen Fehlern - sprich den damaligen Produktionsengpässen - gelernt zu haben.

Für den Autor eines Kommentars aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank steht damit fest: die Angst vor einem schwachen zweiten Quartal könnte sich bei AMS als unbegründet erweisen, rechnet er beim Sensorenhersteller doch bereits im Juni mit ersten Ergebnisbeiträgen der neusten iPhone-Generation.

Dann wiederum könnte es für die Leerverkäufer eng werden, laufen dem Autor zufolge doch Wetten im Umfang von fast 9 Prozent der ausstehenden Aktien gegen den Sensorenhersteller.

Der steigende Aktienkurs der AMS-Aktien wird für die Leerverkäufer immer mehr zum Problem (Quelle: www.cash.ch)

Am 23. April wird AMS den Zahlenkranz für das erste Quartal vorlegen und einen Ausblick auf das angelaufene zweite Quartal abgeben. Da ich tags darauf mit einer grösseren Kursbewegung rechne, gehe ich bei meinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2018 folgende Derivattransaktion ein: Kauf des Call-Warrants AMIFJB (Valorennummer 38769233) bei gleichzeitigem Kauf des Put-Warrants AMPRJB (Valorennummer 39670849) für je umgerechnet 1500 Franken. Ziel ist es, auf dem einen Warrant deutlich mehr zu verdienen, als auf dem anderen zu verlieren.

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