Überraschender Beteiligungsausbau - Doppeltes Spiel der UBS bei Ascom

Der cash Insider berichtet von einem widersprüchlichen Verhalten der UBS bei der «Spezialsituation» Ascom. - Und: Schlagabtausch zweier Analysten bei den dividendenstarken Aktien der Zurich Insurance Group.
20.08.2019 12:30
cash Insider
Doppeltes Spiel der UBS bei Ascom
Bild: fotolia.com

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Auch das ist eine Kunst: Seit Wochen serviert Ascom den eigenen Aktionären scheibchenweise Negativnachrichten - jeweils in noch halbwegs verdaulichen Happen verpackt.

Zuerst wartete der Berner Anbieter von Kommunikationslösungen für Spitäler mit einem geradezu erschreckend schwachen Halbjahresergebnis auf. Gleichzeitig schickte man den erfolglosen Firmenchef Holger Cordes nach gerade einmal drei Jahren in die Wüste.

Eine Woche später wurde dann bekannt, dass die Finanzchefin Anette Weber abspringt - gefolgt von einer Kappung sowohl der diesjährigen Zielvorgaben als auch der sowieso viel zu ambitionierten Mittelfristziele.

Galt Ascom vor dieser Abfolge unschöner Entwicklungen als vielversprechender Turnaround-Kandidat, so gilt das Unternehmen an der Börse seither als eine Spezialsituation. Will heissen: Entweder der Anbieter von Telekommunikationslösungen für Spitäler erfindet sich neu oder bietet sich früher oder später dem Meistbietenden zum Verkauf an.

In einem mir zugespielten Kommentar gibt sich Analyst Joern Iffert von der UBS desillusioniert. Er stellt ein grosses Fragezeichen hinter die Ertragskraft von Ascom und streicht seine Gewinnschätzungen zum wiederholten Mal um bis zu 18 Prozent zusammen. Dadurch verringert sich das Zwölf-Monate-Kursziel für die mit "Sell" eingestuften Aktien auf 9 (zuvor 11) Franken.

Kurseinbruch und Erholung der Aktien von Ascom in den letzten zwei Wochen. (Quelle: cash.ch)

Eines muss man Iffert lassen: Während viele seiner Berufskollegen in den letzten Jahren Feuer und Flamme für die Aktien des Berner Unternehmens waren, warnte der UBS-Analyst zumindest seit dem vergangenen November vor Ungemach und riet zum Verkauf der Papiere. Damals kosteten die Papiere übrigens fast 15 Franken.

Nicht so richtig in dieses Bild will am heutigen Dienstag eine Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börsenbetreiberin SIX passen. Denn wie der Offenlegungsmeldung entnommen werden kann, baute die Fondstochter der UBS ihr Ascom-Paket zuletzt von 5,13 auf 7,34 Prozent aus - während ihr Analyst die Papiere offiziell zum Verkauf empfiehlt.

Durch die Titelkäufe steigt die Grossbank zur zweitgrössten Aktionärin des Berner Unternehmens nach der Aktionärsgruppe um Veraison auf. Der für seine aktive Einflussnahme bei Firmen berüchtigte Vermögensverwalter hält knapp 16 Prozent der Stimmen.

Selbst im Wissen, dass sich die Fondsmanager einer Bank nicht zwingend an die Aktienempfehlungen des eigenen Arbeitgebers zu halten brauchen, würde ich mir von der UBS doch etwas mehr "unité de doctrine" wünschen.

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Die Aktionäre der Zurich Insurance Group dürfen sich freuen: Käufe aus dem angelsächsischen Raum treiben die Papiere des traditionsreichen Versicherungskonzerns am heutigen Dienstag auf den höchsten Stand seit Ausbruch der Finanzkrise der Jahre 2007/2008.

Losgetreten wurden die Käufe von einer Heraufstufung von "Hold" auf "Buy" durch die amerikanische Investmentbank Jefferies. Versicherungsanalyst Philip Kett veranschlagt neuerdings ein Kursziel von 380 (zuvor 323) Franken.

Einerseits argumentiert Kett mit dem defensiven Geschäftsmodell der Zurich Insurance Group, andererseits vor dem Hintergrund der zuletzt stark rückläufigen Zinsen aber auch mit der attraktiv hohen Dividendenrendite von fast 6 Prozent.

Beeindruckende Kursentwicklung der Zurich-Aktien der letzten zehn Jahre. (Quelle: cash.ch)

Interessant ist, dass sein Berufskollege Andreas Schäfer vom Bankhaus Lampe in den zuletzt stark rückläufigen Zinsen gar ein Verkaufsargument für die dividendenstarken Aktien sieht. In einer Studie zur europäischen Versicherungsindustrie stuft er die Papiere mit einem Kursziel von 310 (zuvor 300) Franken von "Hold" auf "Sell" herunter.

Schäfer warnt vor schmerzhaften Kursverlusten, sollten mächtige ausländische Grossinvestoren Gelder aus den sehr beliebten europäischen Versicherungsaktien abziehen. Das würde dann allerdings nicht nur die Aktien der Zurich Insurance Group treffen.
 

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