Überschaubare Abwärtsrisiken - Grossbank gibt Entwarnung bei Schweizer Aktien

Société Générale rückt von ihren zuvor ziemlich pessimistischen Indexprognosen für den Schweizer Aktienmarkt ab. - Und: Nestlé bereitet dem Höhenflug des Börsenneulings Beyond Meat ein jähes Ende.
04.06.2019 12:30
cash Insider
Grossbank gibt Entwarnung bei Schweizer Aktien
Bild: fotolia.com

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Als Société Générale im November ihre Prognosen für das neue Aktienjahr 2019 kommunizierte, ging ein Aufschrei durchs Land. Denn die französische Grossbank traute dem Swiss Market Index (SMI) damals in der ersten Jahreshälfte zwar einen Vorstoss auf 9200 Punkte zu, sah das Börsenbarometer ab dann im weiteren Jahresverlauf jedoch auf 8000 Punkte zurückfallen.

Heute - ziemlich genau sechs Monate später und gut 700 Punkte beim SMI höher - geben sich die Strategen um Roland Kaloyan überraschend kleinlaut. Mit 9000 Punkten fällt das neue Jahresendziel weniger besorgniserregend aus, lässt es doch auf ein überschaubares Rückschlagspotenzial von rund 6 Prozent schliessen.

Insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Strategen andere europäische Aktienindizes wie etwa den Deutschen Aktienindex (DAX) um bis zu 20 Prozent korrigieren sehen. Bei Société Générale malt man ansonsten denn auch ein ziemlich düsteres Bild. Die französische Grossbank sieht die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession übergehen und ab dann von New York aus eine Verkaufswelle um dem Globus rollen.

Der SMI schlägt sich überraschend gut. (Quelle: cash.ch)

Im Hinblick darauf nehmen die Strategen grössere Anpassungen bei ihren Branchenpräferenzen vor. Die Finanzwerte und der Halbleitersektor werden von "Neutral" auf "Underweight" heruntergestuft, wo sie auf die Sektoren Detailhandel, Industrie und Informationstechnologie treffen. Für die Automobilhersteller und ihre Zulieferer geht es parallel dazu von "Overweight" auf "Neutral" zurück.

Die Strategen räumen vor allem den weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängigen Aktien aus den Bereichen Gesundheit und Nahrungsmittel ein überdurchschnittlich grosses Gewicht ein. Nicht zuletzt dank den drei Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis tragen diese beiden Bereiche beim SMI fast 70 Prozent zur Gesamtkapitalisierung bei. Geht es nach der französischen Grossbank, ist der Schweizer Aktienmarkt in den kommenden Monaten "The Place to be".

Ob es jedoch Sinn macht, bei Kursen über 100 Franken die Aktien von Nestlé auf die Liste der Schlüsselkaufempfehlungen zu setzen, darüber lässt sich im Guten streiten. Auf der 15 Titel starken Liste treffen die Papiere übrigens auf jene von Novartis.

Mit ihrer vorsichtigen Haltung schwimmt Société Générale übrigens immer noch ziemlich gegen den Strom. Ein Gros der anderen europäischen und amerikanischen Banken bleibt zuversichtlich für die Aktienmärkte und macht einen grossen Bogen um die hiesigen Indexschwergewichte.

Vermutlich werden schon die nächsten Wochen zeigen, in welche Richtung sich die Aktienmärkte im weiteren Jahresverlauf entwickeln könnten - und ob die französische Grossbank mit ihren düsteren Prognosen richtig liegt.

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Als Beyond Meat vor gut vier Wochen den Gang an die Börse in New York wagte, gelang dem Hersteller von veganem Fleischersatz ein fulminantes Debüt - ganz zur Freude der beiden prominenten Grossaktionäre Bill Gates und Leonardo DiCaprio.

Ursprünglich sollten die Aktien von Beyond Meat zu Kursen zwischen 19 und 21 Dollar bei Investoren platziert werden. Als die mit dem Börsengang beauftragten Banken diese Preisspanne in letzter Minute noch auf 23 bis 25 Dollar erhöhten und den Preis schlussendlich sogar bei 25 Dollar festsetzten, wurden am ersten Handelstag dann Kurse von bis zu 74 Dollar bezahlt.

Am gestrigen Montag stiessen die Papiere des Fleischersatzherstellers im frühen Handel in der Spitze dann sogar auf über 100 Dollar vor - gefolgt von einer kalten Kursdusche.

Der Höhenflug der Aktien von Beyond Meat erhält einen empfindlichen Dämpfer. (Quelle: cash.ch)

Eigenen Angaben zufolge will der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé dem amerikanischen Börsendebütanten nämlich in dessen Heimmarkt mit einem eigenen veganen Burger das Leben schwer machen.

So sehr Beyond Meat auch den Nerv der Zeit - und folglich jenen der Anleger - treffen mag: Mit finanzkräftigen Rivalen wie Nestlé und Co. wird sich der Hersteller von veganem Fleischersatz als "Fliegengewicht" auf Dauer kaum messen können. Es überrascht deshalb nicht, dass ausgerechnet die Pläne von Nestlé dem Höhenflug von Beyond Meat ein jähes Ende bereiten.
 

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