Ungefragte SMI-Aktien - Fondsmanager meiden drei Aktien aus der Schweiz

Erhebungen der UBS zeigen, dass aktive Fondsmanager neben Nestlé auch um zwei weitere Aktien aus dem SMI einen grossen Bogen machen - Und: Rückschlag für die oppositionellen Aktionäre beim Vermögensverwalter GAM.
18.04.2017 12:30
cash Insider
Fondsmanager meiden drei Aktien aus der Schweiz
Bild: fotolia.com

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Aktives Anlegen ist längst nicht mehr so populär wie noch vor wenigen Jahren. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) macht es vor: Sie legt ihre Devisenreserven im Gegenwert von umgerechnet 683 Milliarden Franken indexnah an.

Dennoch ist die Macht aktiver Fondsmanager mit ihren Hunderten von Milliarden an verwalteten Vermögen nicht zu unterschätzen. In regelmässigen Erhebungen zeigen die für die UBS tätigen Strategen, welche Aktien hoch in der Gunst dieser Marktakteure stehen und welche eher gemieden werden.

Machten aktive Fondsmanager hierzulande bisweilen insbesondere um die als langweilig und träge verschrieenen Aktien von Nestlé einen grossen Bogen, tauchen neuerdings zwei weitere Vertreter aus dem Swiss Market Index (SMI) in den Statistiken der Schweizer Grossbank auf.

Da wären einmal wenig überraschend die Valoren von Syngenta. Nachdem die wichtigsten Wettbewerbswächter der Übernahme durch Chem China ihren Segen erteilt haben, ist der Abschlag zur Summe bestehend aus dem rechnerischen Barangebot und der Sonderdividende auf etwas mehr als 2 Prozent geschrumpft - zu wenig, um für aktive Fondsmanager noch attraktiv zu wirken.

Unter den zehn am häufigsten gemiedenen Aktien ganz Europas zu finden sind auch jene von Swiss Re. Das überrascht, ist der traditionsreiche Rückversicherungskonzern aus Zürich doch schon seit Jahren für seine sehr grosszügige Dividendenpolitik bekannt. Das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm miteinbezogen, errechnet sich eine Gesamtrendite von knapp 8 Prozent (siehe Kolumne vom 17. März).

Nestlé-Aktien (rot) im Vergleich mit jenen von Syngenta (grün) und Swiss Re (violett) (Quelle: www.cash.ch).

Allerdings gilt das vom Unternehmen an ein Ausbleiben grösserer Naturkatastrophen geknüpfte Aktienrückkaufprogramm spätestens seit dem letzten Donnerstag nicht mehr als in Stein gemeisselt. Der Grund: Der Tropensturm "Debbie" kostet den Rückversicherungskonzern deutlich mehr als von Analysten erwartet wurde (siehe auch Kolumne vom 13. April).

Zu einem Liebling aktiver Fondsmanager scheint sich hingegen Roche gemausert zu haben. Die Genussscheine des Pharma- und Diagnostikkonzerns aus Basel sind neuerdings auf der Liste der zehn beliebtesten Aktien zu finden.

Wie die Leerverkaufsstatistiken des Beratungsunternehmens Markit bieten sich auch die vorliegenden Erhebungen der UBS eher als Gegenindikator an. Sprich: Sind aktive Fondsmanager in einer Aktie stark untergewichtet, werden sie früher oder später zukaufen müssen - und umgekehrt.

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Der Fondsanbieter GAM befindet sich im Belagerungszustand. Denn noch immer versucht der für seine aktive Einflussnahme bekannte Hedgefonds RBR andere Aktionäre für seine Anliegen hinter sich zu scharen. Gerade im angelsächsischen Raum scheint er mit seinen Forderungen offene Türen einzurennen.

Mit Glass Lewis und ISS haben ihm in den letzten Tagen gleich zwei einflussreiche Stimmrechtsvertreter ihre Unterstützung zugesichert. Den grössten Einzelaktionär konnte der oppositionelle Hedgefonds allerdings nicht mit ins Boot holen. Silchester International stellt sich entschieden auf die Seite von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat.

Schon seit Tagen trennen sich einige Marktakteure wieder von ihren GAM-Aktien (Quelle: www.cash.ch).

Wie gestern bekannt wurde, ist der britische Vermögensverwalter bei GAM mittlerweile sogar Herr über 19 Prozent der Stimmen. Zum Zeitpunkt der letzten Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX im Februar vor drei Jahren waren es etwas mehr als 15 Prozent.

Wind aus den Segeln nimmt RBR auch der heute früh überraschend veröffentlichte Zwischenbericht für die ersten drei Monate. Wie dieser zeigt, konnte der Fondsanbieter den Abfluss von Kundenvermögen zuletzt eingrenzen. Folglich finden die ansonsten schonungslosen Analysten für einmal mehrheitlich lobende Worte.

Der Glaube an einen Erfolg der vom oppositionellen Aktionär angezettelten Palastrevolte bröckelt jedenfalls. Wie mir aus dem Handel berichtet wird, trennen sich erste Trittbrettfahrer (siehe Kolumne vom 7. März) entnervt von ihren Aktien - ob voreilig oder in weiser Vorahnung, dürfte sich am Donnerstag in einer Woche zeigen.
 

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