US-Broker sieht Gold-Hausse zu Ende gehen

Mächtiger US-Broker sagt ein Ende der Gold-Hausse voraus – ABB dämpft anlässlich eines Analystentreffens die Margenerwartungen – Und: Hofft der Markt bei Swiss Re vergeblich auf eine weitere Sonderdividende?
27.02.2013 14:00
cash Insider
US-Broker sieht Gold-Hausse zu Ende gehen
Bild: cash

Trotz schlagartigem Stimmungsumschwung blieb das Kursfeuerwerk bei den Edelmetallen in den letzten Tagen aus. Das Gold setzte die jüngste Erholung zwar fort – mehr aber auch nicht.

Für Aufsehen sorgt eine Strategiestudie aus dem Rohstoffhandel von Goldman Sachs. Darin rechnen die Verfasser anders als bisher nicht erst in der zweiten Jahreshälfte sondern schon jetzt mit einem Ende der Gold-Hausse. Die Experten begründen dies mit den kontinuierlich anziehenden Zinsen sowie den besser als erwarteten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den USA. Darüber hinaus zeichne sich ein geldpolitischer Kurswechsel der US-Notenbank ab, so steht es in der mir vorliegenden Studie.

In diesem Zusammenhang reduzieren die Experten ihre Prognosen für das Gold. Auf 3 Monate rechnen sie neu mit einem Preis von 1615 (1825) Dollar, auf 6 Monate mit einem von 1600 (1805) Dollar und auf 12 Monate mit einem von 1550 (1800) Dollar die Unze. Dass die neuen Prognosen teilweise über dem aktuellen Preis liegen, wird mit den vergleichsweise konservativen Schätzungen von Goldman Sachs für die amerikanische Wirtschaft begründet.

Mit einer raschen Erholung rechnen die Studienverfasser an den Edelmetallmärkten nicht. Ganz im Gegenteil: Aufgrund der noch immer in der Nähe der bisherigen Rekordstände liegenden Hausse-Engagements in den Futures und den Exchange Traded Funds werde der jüngste Rückschlag schneller und tiefer als von den meisten Marktteilnehmern erwartet ausfallen.

Wie mir gerüchtehalber aus Übersee berichtet wird, hat Goldman Sachs in den letzten Tagen im grossen Stil Exchange Traded Funds aufs Gold veräussert. Über die letzten drei Handelstage seien netto Engagements im Umfang von zwei Millionen Unzen im Gegenwert von 3,2 Milliarden Dollar verkauft worden. Allerdings dürften neben Goldman Sachs noch zahlreiche andere Abgeber am Markt aktiv gewesen sein.

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«Sell the rumor - buy the facts» lautet eine alte Börsenweisheit. Anders als mit diesem Phänomen lässt sich das Kursfeuerwerk der Namenaktien von ABB im Anschluss an die Ergebnisveröffentlichung für das Geschäftsjahr 2012 von Mitte Februar nicht erklären. Denn obschon der in Zürich niedergelassene Industriekonzern die Markterwartungen sowohl beim Umsatz als auch beim Auftragseingang übertreffen konnte, sorgte das Ergebnis auf den Stufen EBITDA und EBIT für Enttäuschung. Und auch der Ausblick fiel für einmal wenig aussagekräftig aus.

Spätestens seit einem kürzlichen Analystentreffen mit CFO Eric Elzvik in London macht sich allerdings Ernüchterung breit. Denn anlässlich des Treffens versuchte das Unternehmen die Margenerwartungen zu dämpfen.

Einem Kommentar der MainFirst Bank entnehme ich, dass ABB die Markterwartungen für das laufende erste Quartal in Bezug auf die operative Marge als zu hoch beurteilt. Aufgrund saisonaler Verhaltensmuster sei mit einer Verschiebung der Umsatzzusammensetzung in Richtung tiefermargige Produktsegmente zu rechnen.

Der Verfasser des Kommentars vermutet, dass sich die Aussagen von Elzvik ausschliesslich auf das laufende Quartal beziehen. Denn für die beiden darauf folgenden Quartale rechne das Unternehmen mit einer saisonal bedingten Verbesserung der Geschäftsentwicklung. Und auch die Margenerwartungen des Marktes für das Gesamtjahr seien am Analystentreffen nicht thematisiert worden.

Die Angst vor einer weiteren Margenenttäuschung könnte das Handelsgeschehen bei den Aktien von ABB in den kommenden Wochen überschatten. Darüber hinaus erweist sich auch die Hoffnung auf eine Sonderdividende als verfrüht. Denn auch einer solchen erteilte der CFO in London eine Absage.

Für die Aktionärinnen und Aktionäre dürfte es sich dennoch bezahlt machen, den Papieren von ABB über die kommende Ergebnisveröffentlichung hinaus die Treue zu halten. Denn in Nordamerika und Europa hat sich im Strominfrastrukturbereich ein gewaltiger Investitionsbedarf aufgestaut. Löst sich dieser Stau, wird der Turnaround in den davon betroffenen Geschäftsbereichen des Schweizer Traditionsunternehmens zusätzlich beschleunigt.

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Dass Swiss Re den Aktionärinnen und Aktionären zum 150-jährigen Firmenjubiläum eine grosszügige Sonderdividende entrichtet, hat in Analystenkreisen einen Streit um die zukünftige Ausschüttungspolitik entfacht.

Aufgrund des, selbst nach der für Mitte April geplanten Ausschüttung, noch immer satten AA-relevanten Überschusskapitals von gut fünf  Milliarden Dollar erwarten viele Analysten für das laufende Geschäftsjahr eine weitere Sonderdividende. Anlässlich der Analystenkonferenz vom vergangenen Donnerstag zeigten sich die Firmenverantwortlichen einer weiteren Kapitalrückführung an die Aktionäre gegenüber denn auch nicht völlig abgeneigt.

Eine weitere Sonderdividende ist jedoch nur dann zu erwarten, wenn das in Zürich niedergelassene Rückversicherungsunternehmen das Überschusskapital nicht dem Neugeschäft zuführt und sich das laufende Geschäftsjahr erneut als schadensarm erweist. Die Aussichten von Swiss Re sind zweifelsohne intakt. Auf dem aktuellen Kurs- und Bewertungsniveau bleiben die Aktien meines Erachtens jedoch eine Wette darauf, dass sich das ausserordentlich starke vergangene Jahr wiederholt.