VAT Group, Logitech und Co. - UBS eilt gefallenen Technologieaktien zu Hilfe

Nach dem jüngsten Kursrücksetzer schlägt die UBS gleich bei mehreren Technologieaktien aus der Schweiz verteidigende Töne an. Der cash Insider sagt, worauf Anleger jetzt unbedingt schauen sollten.
13.06.2017 12:30
cash Insider
UBS eilt gefallenen Technologieaktien zu Hilfe
Bild: fotolia.com

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Dem Mutigen gehört die Welt - zumindest wenn es nach dem Volksmund geht. Mut bewies heute früh ein Käufer von Call-Warrants auf die am Vortag schwachen Aktien von Logitech und VAT Group.

Vorbörslich wechselten einmal 300'000 LOGLJB zu je 0,44 Franken und einmal 250'000 VACAJB zu je 0,35 Franken die Hand. Was die Parteien dieser beiden ausserbörslichen Transaktionen anbetrifft, kam mir bisweilen nichts zu Ohren.

Interessant ist, dass die UBS in den letzten Tagen sowohl für die Aktien von Logitech als auch für jene der VAT Group gezielt ihre Kaufempfehlungen bekräftigte. An einen Zufall will ich deshalb nicht so recht glauben, ist mit Julius Bär doch auch der Emittent bei beiden Derivaten derselbe.

Der bei der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken für beide Technologieunternehmen verantwortliche Analyst wähnt Logitech vor einem neuen Produktezyklus. Auf die Forschungs- und Entwicklungsausgaben abgestützt, traut er dem Peripheriegerätehersteller aus Lausanne alleine in der ersten Hälfte des Fiskaljahres 2017/18 eine Zunahme der Produktneuheiten um 50 Prozent zu.

Seines Erachtens wird das Unternehmen im Juli mit einem weiteren starken Zahlenkranz aufwarten und dann womöglich sogar die firmeneigenen Zielvorgaben für das Gesamtjahr anheben.

Logitech selbst strebt ein Umsatzwachstum im hohen, einstelligen Prozentbereich sowie einen operativen Gewinn (EBIT) von 250 bis 260 Millionen Dollar an. Bei der UBS geht man allerdings schon heute von einem EBIT von 280 Millionen Dollar, sprich einer Prognosenerhöhung, aus.

Selbst auf Basis dieser höheren Schätzungen errechnet der Analyst mittlerweile ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KVG) von 25, und das erst noch unter Ausklammerung der Nettobarmittel. Dennoch empfiehlt er die Aktien des in den letzten Jahren stets erfolgreichen Unternehmens mit einem 39 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel zum Kauf.

Beeindruckende Kursentwicklung der Aktien von Logitech (rot) und VAT Group (grün) in den letzten 12 Monaten (Quelle: www.cash.ch).

Nicht weniger optimistisch liest sich sein heute erschienener Kommentar zur VAT Group. Auch die vor gut einem Jahr an die Schweizer Börse SIX gebrachten Aktien des Herstellers von Vakuumventilen gilt als eine Erfolgsgeschichte.

Nachdem sich die Titel bis Anfang Mai nahezu im Kurs verdreifacht hatten, trennten sich zuerst Firmenvertreter und danach die beiden Grossaktionäre Capvis und Partners Group von Teilen ihrer Aktienpakete. Im Zuge dessen kamen die Kursnotierungen jüngst etwas zurück.

Risikokapitalgeber wie die Partners Group sind nicht gerade dafür bekannt, Geschenke zu machen, schrieb ich in diesem Zusammenhang erst vor wenigen Tagen (siehe Kolumne vom letzten Freitag).

Dass sowohl die Firmenvertreter als auch die beiden Grossaktionäre Geld vom Tisch nehmen, scheint den für die UBS tätigen Analysten jedoch nicht zu irritieren. Er hält sowohl an seiner Kaufempfehlung als auch am 12-Monats-Kursziel von 134 Franken fest.

Bei seinen Gewinnschätzungen rechnet der Experte im Hinblick auf das nächste Jahr eher mit Auf- als mit Abwärtsrevisionen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Prognosen anderer Berufskollegen für die kommenden zwei Jahre heute schon um fast 20 Prozent über den Annahmen der Schweizer Grossbank liegen.

Von den Reaktionen meiner Leserinnen und Leser schliesse ich darauf, dass sich viele von ihnen Fragen, ob der jüngste Kursrückschlag bei den Technologiewerten der Anfang vom Ende des mehrjährigen Höhenflugs bedeutet. Ich erhoffe mir diesbezüglich schon in den nächsten zwei bis drei Wochen wichtige Anhaltspunkte.

Meist spielt sich eine Trendumkehr an den Aktienmärkten nach demselben Muster ab. Ich versuche dieses Verhaltensmuster nachstehend am Beispiel der einst hochgelobten Aktien des Fintech-Unternehmens Leonteq zu erklären:

1. Nach einem steilen Kursanstieg gerät der Höhenflug während mehreren Wochen ins Stocken.

2. Erstmals setzen grössere Gewinnmitnahmen ein.

3. Der Kursrücksetzer wird als günstige Einstiegsgelegenheit gefeiert. Anleger, die den Höhenflug verpasst haben, springen nachträglich auf.

4. Die bisherigen Höchstkurse werden (wenn auch nur knapp) nicht mehr übertroffen. Es setzen wieder Gewinnmitnahmen ein. Der Damm bricht und die Kurse geraten während Monaten ins Rutschen.

Signalwirkung geht in den nächsten Wochen vor allem von den in New York gehandelten grossen Technologiewerten wie Facebook, Amazon.com, Alphabet oder Netflix aus. Nehmen sie ihre in den letzten Tagen unterbrochene Rekordjagd wieder auf, wäre das auch für die hiesigen Vertreter aus diesem Titelsegment sehr ermutigend. Werden die bisherigen Höchstkurse jedoch nicht mehr übertroffen, ist hingegen Vorsicht angebracht.

Wer sich an den hiesigen Technologieaktien orientieren will: Bei Logitech liegen die vorläufigen Mehrjahreshöchstkurse bei 37,40 Franken und bei der VAT Group liegt das Rekordhoch bei 136,80 Franken. Ein guter Gradmesser scheinen mir auch die Valoren des Sensorenherstellers AMS, die bei 68,40 ihr bisheriges Höchst hatten.
 

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