Verkaufsempfehlungen - Analysten zücken wieder häufiger «die Rote Karte»

Wie der cash Insider berichtet, sprechen Analysten am Schweizer Aktienmarkt des öfteren wieder Verkaufsempfehlungen aus. - Und: IPO-Bank gibt die Aktien von Klingelnberg auf.
17.10.2019 12:30
cash Insider
Analysten zücken wieder häufiger «die Rote Karte»
Bild: fotolia.com

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Genauso wie es einfacher ist, auf steigende Aktienkurse zu setzen, sprechen Aktienanalysten lieber Kauf- als Verkaufsempfehlungen aus. Das liegt in der menschlichen Natur. Auch in mir schlägt - man wird es kaum glauben - das Herz eines unverbesserlichen Optimisten.

Zumindest bei den Analysten sitzen die roten Karten - sprich die Verkaufsempfehlungen - allerdings wieder lockerer in der Tasche als auch schon. Alleine am heutigen Donnerstag treffen hierzulande nicht weniger als zwei Verkaufsempfehlungen ein.

Die eine Verkaufsempfehlung stammt aus der Feder des für die UBS tätigen Analysten Fabian Haecki und betrifft die Aktien von Rieter. Er stuft die Papiere des Winterthurer Textilmaschinenherstellers von "Neutral" auf "Sell" herunter und streicht das 12-Monats-Kursziel auf 115 (zuvor 138) Franken zusammen.

Als erster Analyst überhaupt geht Haecki für das laufende Jahr von einem Verlust aus. Doch auch seine Schätzungen für die nächsten beiden Jahre reduziert er in Erwartung einer längeren Auftragsflaute um bis zu 43 Prozent. Seine neuen Annahmen liegen um bis zu 36 Prozent unter den durchschnittlichen Schätzungen sämtlicher übriger Berufskollegen.

Mit anderen Worten: Entweder liegt der UBS-Analyst völlig schief mit seinen Annahmen, oder aber seine Berufskollegen müssen bei Rieter gehörig über die Bücher. Dass die Papiere des Textilmaschinenherstellers am heutigen Donnerstag zeitweise mit einem Minus von fast 9 Prozent abgestraft werden, lässt letzteres erahnen.

Kursentwicklung der Aktien von Rieter über die letzten Tage (Quelle: www.cash.ch)

Ergebnisängste weckt Analyst Patrick Creuset von Goldman Sachs bei Kühne+Nagel. Wenige Tage vor der Veröffentlichung des Zahlenkranzes stuft er die Aktien des Transportunternehmens aus Schindellegi von "Neutral" auf "Sell" herunter. Das 12-Monats-Kursziel gibt Creuset neuerdings mit 138 (zuvor 148) Franken an.

Der Analyst begründet seine Verkaufsempfehlung mit dem schwierigen Umfeld und dem anhaltenden Druck auf die Bruttomarge des Unternehmens. Er hält den zuletzt aufgebauten Bewertungsaufschlag der Papiere gegenüber jenen anderer Rivalen für nicht gerechtfertigt.

Seit Jahren wird den Aktienanalysten vorgeworfen, dass sie sich pro-zyklisch verhalten. Sprich: Bei steigenden Kursen tendieren sie zu Kaufempfehlungen, bei rückläufigen Kursen hingegen zu Verkaufsempfehlungen. Umso mehr sei den beiden genannten Analysten an dieser Stelle ein Kränzchen gewunden - selbst wenn sie nicht alleine sind. Denn schon seit Wochen häufen sich die Verkaufsempfehlungen am Schweizer Aktienmarkt.

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Noch vor einem Jahr standen die Aktien von Zulieferer der Automobilindustrie auch in der Schweiz hoch in der Anlegergunst. Sowohl in China als auch im Markt für Elektroautos schien dem Wachstum kaum Grenzen gesetzt. Dass die Automobilindustrie dem Wirtschaftszyklus überdurchschnittlich stark ausgesetzt ist und deshalb als launisch gilt, ging dabei völlig vergessen.

Mit Klingelnberg nutzte im Frühsommer letzten Jahres ein Automobilzulieferer die Gunst der Stunde und wagte den Gang an die Börse. Zu jeweils 53 Franken ausgegeben, sind die Aktien mittlerweile für gut die Hälfte zu haben. Und das nicht ohne Grund, wie die vor wenigen Tagen bekanntgegebene Reduktion der diesjährigen Zielvorgaben verrät. Schliesslich ist es bereits die zweite solche Reduktion in Folge - zu viel für Vontobel-Analyst Pascal Furger. Er stuft die seit Juli letzten Jahres zum Kauf empfohlenen Aktien von "Buy" auf "Hold" herunter und streicht das Kursziel auf 36 (zuvor 48) Franken zusammen. Zum Zeitpunkt der Erstabdeckung lautete das Kursziel gar 55 Franken.

Kurszerfall bei den Klingelnberg-Aktien seit dem Börsengang vom letzten Jahr (Quelle: www.cash.ch)

Obwohl Furger aufgrund der Einführung der Closed-Loop-Technologie in der Bearbeitung von Stirnrädern nach wie vor ein enormes Marktpotenzial sieht, überwiegen seines Erachtens die Prognoseunsicherheiten.

Dass ein Analyst mit seiner Kaufempfehlung daneben liegt, kann vorkommen. Da sein Arbeitgeber zu jenen Banken zählt, die Klingelnberg damals an die Börse brachten, hat die Herunterstufung allerdings einen etwas fahlen Beigeschmack.

Ich bin jetzt schon gespannt, wie die beiden Hauptverantwortlichen des Börsengangs - die Credit Suisse und die Berenberg Bank - auf die jüngste Gewinnwarnung reagieren werden. Gleich beide Banken haben Kaufempfehlungen für die Papiere des von ihnen an die Börse gebrachten Automobilzulieferers ausstehend.

 

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