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Verkauft Ebner bei Temenos noch weitere Aktien?

Der bekannte Financier Martin Ebner nimmt bei Temenos erstmals Geld vom Tisch - Und: Credit Suisse bläst zur Jagd auf zurückgebliebene Aktien wie jene von AMS, OC Oerlikon und Sonova.
17.01.2017 12:30
cash Insider
Verkauft Ebner bei Temenos noch weitere Aktien?
Bild: fotolia.com

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Martin Ebner - dieser Name liess Anfang der Neunzigerjahre selbst die Firmenvertreter weltweit tätiger Grosskonzerne in Ehrfurcht erzittern. Über seine dem breiten Publikum zugänglichen "Visionen" scharte er zehntausende Kleinanleger hinter sich. Mit deren Milliarden im Rücken stieg der Financier zum gefürchteten Grossaktionär und Firmenschreck auf.

Doch wie das Leben so spielt: Ebner wollte immer mehr, weshalb in seinen Beteiligungsgefässen vermehrt auch Fremdkapital zum Einsatz kam. Das wiederum brach dem Financier letztendlich das Genick. Unter dem Druck der kreditgebenden Banken musste er diesen seine "Visionen" abtreten.

Nach einer längeren Pause meldete sich Ebner erst vor wenigen Jahren still und leise zurück. Gemeinsam mit seiner Frau Rosmarie nistete er sich über seine Beteiligungsgesellschaft Patinex und/oder die BZ Bank gleich bei mehreren mittelständischen Unternehmen ein.

Obschon Ebner anders als in den Neunzigerjahren nicht mehr die Öffentlichkeit sucht, muss er sich der Schweizer Börse SIX gegenüber beim Durchschreiten meldepflichtiger Schwellenwerte zu erkennen geben. Und wie in alten Tagen wird der Financier von einer ganzen Herde von Trittbrettfahrern begleitet.

Insbesondere mit den Aktien Temenos liess sich in den vergangenen Monaten viel Geld verdienen. Die Softwareschmiede aus Genf meldete gleich mehrere prestigeträchtige neue Schlüsselaufträge und will sich nun den amerikanischen Markt erschliessen (siehe Kolumnen vom 29. November und vom 9. Dezember).

Wie eine Offenlegungsmeldung an die SIX nun verrät, hat sich Ebner in den ersten Januartagen jedoch völlig unerwartet von Titeln getrennt. Neu halten er und seine Frau Rosmarie über die Beteiligungsgesellschaft Patinex noch 14,99 (bisher: 15,03) Prozent der Stimmen.

Beeindruckender Höhenflug der Temenos-Aktien seit Sommer 2012; Quelle: www.cash.ch

Verübeln kann man das dem Ehepaar Ebner nicht, hat sich der Börsenwert von Temenos innerhalb von gerademal vier Jahren doch mehr als versechsfacht. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 30 auf Basis der diesjährigen Markterwartungen sind diese Aktien schon eine ganze Weile kein Schnäppchen mehr.

Meldepflichtig wird der Financier erst wieder mit dem Unterschreiten des nächstgelegenen Schwellenwerts. Dieser liegt bei 10 Prozent. Mit anderen Worten: Ebner kann sich jederzeit von weiteren Aktien trennen, ohne dass er sich gleich outen muss.

Was der Financier bei Temenos genau im Schilde führt, darüber lässt sich aus heutiger Sicht allerdings bloss spekulieren. Reduziert er seine Beteiligung weiter, wäre das als Signalwirkung für die Börse nicht zu unterschätzen...

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Das Handelsgeschehen am Schweizer Aktienmarkt gestaltet sich so selektiv wie nie zuvor. Die Kluft zwischen den beliebtesten und den unbeliebtesten Aktien nimmt immer extremere Züge an.

Mut beweisen nun die für die Credit Suisse tätigen Nebenwerteanalysten. Mit den Aktien des Sensorenherstellers AMS (Kursziel 44 Franken) und jenen des Weltmarktführers Sonova (Kursziel 160 Franken) setzen sie zwei weitere als im Kurs zurückgeblieben geltende Valoren auf die Liste ihrer Schlüsselkaufempfehlungen. Mit EFG International (Kursziel 7,50 Franken) und OC Oerlikon (Kursziel 12,50 Franken) sind zwei weitere Vertreter aus just diesem Titelsegment auf der Liste zu finden.

Die Aktien von AMS (rot) und Sonova (grün) im Vergleich mit dem SPI (violett); Quelle: www.cash.ch

Für Gesprächsstoff sorgt vor allem die Unternehmensstudie zu AMS. Denn wie der Autor darin schreibt, rechnet er damit, dass deutlich mehr Komponenten des an der Schweizer Börse SIX kotierten Sensorenherstellers ins neue iPhone 8 von Apple verbaut werden. Seines Erachtens könnten so schätzungsweise bis zu 2,70 Dollar je verkauftes Gerät an AMS fliessen. Zum Vergleich: Beim iPhone 7 dürften es gerademal 0,39 Dollar sein.

Die Prognosen der Schweizer Grossbank für das nächste Jahr liegen folglich um 20 Prozent über den Konsensschätzungen – sogar auf Stufe Umsatz und nicht nur beim Gewinn wohlverstanden.

Bleibt zu hoffen, dass die Analysten der Credit Suisse auch in Zukunft eine so feine Nase für im Kurs zurückgebliebene Aktien beweisen wie in den letzten Jahren.

 

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