Verwirrspiel von Goldman Sachs bei Aktien

Goldman Sachs, die wohl mächtigste Investmentbank der Welt, gibt ihre negative Haltung für Aktien nach gerademal zwei Monaten wieder auf - Und: Credit Suisse sieht bei den Aktien der UBS kein Kurspotenzial.
19.09.2016 12:30
cash Insider
Verwirrspiel von Goldman Sachs bei Aktien
Bild: fotolia.com

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Was Goldman Sachs sagt, hat durchaus Gewicht. Doch selbst die wohl mächtigste Investmentbank der Welt liegt zwischendurch mal so richtig daneben.

Als ihre Strategen Anfang August eine taktische Verkaufsempfehlung für Aktien aussprachen, ging ein Raunen durch die Finanzwelt. Das nicht zuletzt auch deshalb, weil die Experten dem amerikanischen S&P-500-Index damals auf einen Anlagehorizont von 12 Monaten einen Rückschlag um 10 Prozent nachsagten. Den Stoxx Europe 600 Index sahen sie sogar um 11 Prozent tauchen. Ihre ebenso simple wie auch einleuchtende Begründung: Weltweit stünden die Aktienindizes am oberen Ende ihres mehrmonatigen Handelbandes.

Gerademal sechs Wochen später stufen dieselben Strategen die Aktien als Anlageklasse wieder von "Underweight" auf "Neutral" herauf. Gleichzeitig - und das überrascht nicht minder - senken sie den S&P-500-Index aber sowohl auf 3 wie auch auf 12 Monaten von "Neutral" auf "Underweight". Dasselbe Schicksal ereilt den Stoxx Europe 600 Index, allerdings nur auf einen Horizont von 3 Monaten.

Beide Börsenbarometer sehen die Experten bis in 3 Monaten in etwa auf dem aktuellen Stand liegen. Auf eine Sicht von 12 Monaten trauen sie dem S&P-500-Index einen Anstieg um knapp 5 Prozent und dem Stoxx Europe 600 Index einen Anstieg um rund 10 Prozent zu. Mit anderen Worten: Man ist bei Goldman Sachs zwar nicht mehr negativ für Aktien an und für sich, setzt aber kurzfristig weder auf solche aus der Heimat noch aus Europa. Statt dessen setzt die amerikanische Investmentbank auf Schwellenländeraktien.

Die Kombination aus steigenden Renditen bei Obligationsanleihen mit langen Laufzeiten und etwas stabileren wirtschaftlichen Wachstumsaussichten würde zumindest bis Ende Jahr gegen rückläufige Aktienkurse sprechen, so begründen die Strategen ihre nicht mehr ganz so pessimistische Haltung. Interessant ist auch, dass die Strategen darüber hinaus die Möglichkeit von fiskalpolitischen Lockerungsmassnahmen sehen.

Die "Kapitulation" von Goldman Sachs bei den Aktien kann als eine "Kapitulation auf Raten" bezeichnet werden. Noch Ende August hielten die für die amerikanische Grossbank tätigen Experten sowohl an der empfohlenen Untergewichtung für Aktien als auch am 12 Prozent unter dem damaligen Stand liegenden Ziel für den Stoxx Europe 600 Index fest. Gleichzeitig legten sie ihrer Anlagekundschaft jedoch den Kauf kurzfristiger Kauf-Optionen auf den EuroStoxx 50 Index oder Umschichtungen aus konjunkturunabhängigen in konjunkturabhängige Aktien sowie in die Finanzwerte nahe (siehe Kolumne vom 24. August).

In den letzten Wochen berichtete ich zuerst von einer "Kapitulation" ausländischer Leerverkäufer (siehe Kolumne vom 28. Juli), dann von jener amerikanischer Hedgefonds (siehe Kolumne vom 24. August) und zuletzt warfen auch noch pessimistisch gestimmte Analysten das Handtuch (siehe Kolumne vom 14. September). Da reiht sich das Zurückkrebsen von Barclays Capital (siehe Kolumne vom 13. September) und Goldman Sachs nahtlos in diese Abfolge ein.

Bleibt bloss zu hoffen, dass an den Aktienmärkten nicht plötzlich alles ganz anders kommt, wenn alle diese Marktkräfte am selben Strang ziehen.

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Seit dem letzten Freitag deckt die Credit Suisse die Aktien der UBS wieder ab. Zwar räumt der für die grössere der beiden Schweizer Grossbanken zuständige Analyst ein, dass diese eine höhere Rentabilität sowie eine solidere Bilanz als andere nicht namentlich genannte Rivalen aufweist. Vermutlich auch deshalb, weil das seinen Arbeitgeber miteinschliesst. Allerdings stuft der Experte die Valoren der UBS dennoch nur mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 15 Franken ein.

Er sieht die Schweizer Grossbank nämlich mit den Rivalen im selben Boot sitzen, wenn es um den Druck auf die Bruttomarge oder die von den Regulatoren vorgeschriebene Stärkung der Eigenkapitalbasis geht.

Bei der Credit Suisse gibt man den Aktien der beiden amerikanischen Investmentbanken J.P. Morgan und Goldman Sachs den Vorzug gegenüber jenen der UBS. Die simple Begründung: Den beiden ersteren falle es sehr viel einfacher, hohe risikobereinigte Erträge zu generieren.

Interessantes Zahlenmaterial liefert der Analyst übrigens zu den möglichen Kosten für die Vergangenheitsbewältigung. Er geht davon aus, dass die Einigung bei der Beihilfe zur Steuerhinterziehung, der Verbriefung von Ramsch-Hypotheken und dem Devisenmanipulationsskandal bis zu 5 Milliarden Franken kosten könnte. Davon sind seines Erachtens 2,2 Milliarden Franken durch Rückstellungen gedeckt.

Die von ihm genannte Summe von 5 Milliarden Franken wäre womöglich höher, hätte der Experte die Wiederabdeckung der Aktien der UBS nicht am Freitag sondern erst heute aufgenommen.

 

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