«Warnung vor Nasdaq-Blase ignorieren»

Der cash Insider sagt, weshalb die Charttechnikexperten von Julius Bär der US-Technologiebörse Nasdaq noch so einiges zutrauen - Und: Meyer Burger und die lieben Spekulationen um einen Grossauftrag von Apple.
03.08.2015 12:30
cash Insider
«Warnung vor Nasdaq-Blase ignorieren»

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Auf dem Höhepunkt der Technologieblase galt der Nasdaq-100-Index 4816 Punkte. Es sollte ganze 15 Jahre dauern, bis das Börsenbarometer auch nur ansatzweise in die Nähe dieser Rekordmarke zurückfand. Viele der Modeaktien von damals sind nur noch ein Schatten ihrer selbst, sofern die Unternehmen heute überhaupt noch existieren.

Allerdings musste sich der Nasdaq-100-Index in den letzten fünf Jahren zuerst mehr als vervierfachen, um an die alten Höchststände aufschliessen zu können. Einige der grosskapitalisierten Wachstumsaktien entwickelten sich sogar noch besser und erwiesen sich denn auch als die treibende Kraft hinter dem Höhenflug des Technologiebarometers. Schon seit Tagen, wenn nicht gar seit Wochen überbieten sich Analysten gegenseitig mit immer aufsehenerregenderen Kaufempfehlungen und Kurszielen für besagte Aktien. Es überrascht deshalb nicht, dass zumindest bei alteingesessenen Börsenfüchsen unschöne Erinnerungen an die Technologieblase von vor 15 Jahren wach werden.

Sowieso wird die späte Phase einer Aktien-Hausse meist von grossen Emotionen begleitet, angetrieben auch durch spektakuläre Börsengänge und Grossübernahmen. Wer sich in diesen Tagen in New York ein bisschen umhört, weiss wovon ich spreche.

Ich selber bediene mich in solchen Phasen gerne der Chartanalyse, gilt diese doch als sehr emotionsarm. Davon ist in einem mir zugespielten Kommentar aus dem Hause Julius Bär jedoch nicht viel zu spüren. Die Autoren machen kein Geheimnis daraus, dass sie dem Nasdaq-100-Index noch einiges zutrauen. Der eigenen Anlagekundschaft raten sie dazu, die Warnung vor einer erneuten Blase zu ignorieren.

Die eigenen Emotionen seien des Anlegers grösster Feind, so schreiben die Charttechnikexperten der Zürcher Traditionsbank. Als Anschauungsbeispiel muss die in Gold gemessene relative Entwicklung des Börsenbarometers herhalten. Obschon das Verhältnis zwischen den beiden Anlageklassen in den letzten Jahren kräftig gestiegen ist, hat es den Autoren des Kommentars zufolge noch nicht einmal einen Viertel der in den vorangegangenen zehn Jahren erlittenen Verluste wettgemacht.

Für die Experten steht deshalb fest: Die im Nasdaq-100-Index berücksichtigten Aktien werden gegenüber dem eigens zusammengestellten Korb bestehend aus Gold, Schwellenländeraktien und Rohstoffen auch in Zukunft Boden gutmachen.

Julius Bär muss sich bei diesem Vergleich allerdings den Vorwurf der Effekthascherei gefallen lassen. Ich halte die relative Entwicklung zweier nicht korrelierender Anlageklassen jedenfalls für wenig aussagekräftig und würde mich beim amerikanischen Börsenbarometer vielmehr auf mögliche Trendumkehrformationen konzentrieren.

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Am Freitagnachmittag schossen die Namenaktien von Meyer Burger steil nach oben. Auslöser war ein Kommentar aus dem Hause Helvea, in dem der Verfasser auf einen Patentantrag von Apple für ein neues Verfahren zur Herstellung von Saphirsubstrat für den Laserschneidevorgang aufmerksam machte. Der Patentantrag lasse vermuten, dass das amerikanische Kultunternehmen noch immer an Methoden zur Herstellung von Bildschirmen aus Saphirglas arbeite, so der Experte.

In den letzten Jahren wurden immer wieder Spekulationen wach, wonach die Schneidetechnologie von Meyer Burger dem im bernischen Gwatt beheimateten Solarzulieferunternehmen eines Tages einen Grossauftrag bescheren könnte.

Mit der finanziellen Kapitulation der Partnerfirma GT Advanced Technologies verstummten diese Spekulationen allerdings - bis letzten Freitag.

Der Höhenflug der Aktien von Meyer Burger überrascht. Schliesslich kündigte das Unternehmen erst vor wenigen Tagen eine weitere Kürzung der Produktionskapazitäten im amerikanischen Colorado Springs sowie einen umfassenden Stellenabbau an. Diese Restrukturierungsmassnahmen lassen vermuten, dass Meyer Burger selber nicht mehr mit einem Grossauftrag von Apple rechnet. Ansonsten hätte das Unternehmen die Kapazitäten ziemlich sicher beibehalten.

Mitte August wird Meyer Burger den Zahlenkranz für die erste Jahreshälfte vorlegen. Spätestens dieser dürfte die am Freitag hochgejubelten Aktien wieder auf den harten Boden der Realität zurückholen.

 

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