Was Anleger von diesen Aktien wissen müssen

Investorenkonferenz offenbart kursrelevante Informationen zu Actelion, Galenica sowie Meyer Burger - Und: Die beiden Schweizer Grossbanken stacheln gezielt zum Kauf bereits gut gelaufener Nebenwerte an.
10.06.2016 12:30
cash Insider
Was Anleger von diesen Aktien wissen müssen
Bild: fotolia.com

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Diese Woche lud die Bank Vontobel wieder zur alljährlichen "Sommer-Konferenz" nach Interlaken. Und auch wenn das Wetter im schönen Berner Oberland alles andere als sommerlich anmutete, so gab sich am Dienstag und Mittwoch dennoch das "Wer ist wer" der hiesigen Finanz- und Unternehmenswelt die Ehre.

Insgesamt präsentierten sich den Anwesenden nicht weniger als 22 Publikumsgesellschaften aus der Schweiz, unter anderem der Börsendebütant VAT Group.

Wie die Zürcher Traditionsbank Vontobel zu berichten weiss, entwickelt sich das Tagesgeschäft beim führenden Unternehmen auf dem Gebiet von Vakuumventilen in den zwei Monaten seit der Publikumsöffnung wie gehabt. Mit anderen Worten: Die beiden Firmenvertreter wähnen ihren Arbeitgeber auf Kurs, was das diesjährige Ziel eines im hohen einstelligen Prozentbereich liegenden Umsatzwachstums anbetrifft. In Anbetracht des von Herausforderungen geprägten Branchenumfelds sind keine Neuigkeiten eigentlich gute Neuigkeiten.

Mit Spannung wurde der Auftritt des Finanzchefs von Actelion erwartet, rankten sich in den vergangenen Wochen doch Übernahmespekulationen um den Biotechnologiekonzern aus Allschwil (siehe Kolumne vom 2. Juni). Dieser nutzte seine Präsentation, um den Spekulationen den Nährboden zu entziehen. Bislang sei das Unternehmen von keinem Interessenten angegangen worden. Und sowieso werde man jeglichen Übernahmeversuchen entschieden entgegentreten, so liess der Firmenvertreter die Anwesenden wissen.

In den letzten Jahren bissen sich schon Branchengrössen wie Amgen oder Shire die Zähne an Actelion aus. Für den Mitgründer Jean-Paul Clozel und seine in der Forschung tätigen Ehefrau steht die Entwicklung neuer Wirkstoffe zur Behandlung seltener Krankheiten und nicht das liebe Geld im Vordergrund. Dies müsste mittlerweile eigentlich auch den jüngst als angebliche Käufer genannten Pharmaherstellern wie Johnson & Johnson, Bristol-Myers Squibb und Sanofi bewusst sein.

Der Firmenvertreter von Galenica verteidigte hingegen einmal mehr den wenig populären Entscheid, die ursprünglich für Ende Jahr geplante Unternehmensaufspaltung zu vertagen. Nach dem Rücktritt des bisherigen Bereichsleiters von Vifor Pharma wäre eine Aufspaltung nach Plan nicht weise gewesen, so habe der Finanzchef gemäss Vontobel durchblicken lassen.

Dass der in Bern beheimatete Gesundheitskonzern bei Vifor Pharma Vertriebsvereinbarungen für weitere Medikamente verhandelt, dürfte an der Börse indes gut ankommen. Schliesslich wurden die Aktien von Galenica am Tag des Bekanntwerdens von Verzögerungen bei der Unternehmensaufspaltung vorübergehend mit einem Minus von mehr als 10 Prozent "abgewatscht".

Ermutigendes wusste für einmal auch Meyer Burger zu berichten. Im Anschluss an eine Handelsmesse in China gingen beim Solarzulieferer aus dem bernischen Gwatt innerhalb von zwei Tagen zwei millionenschwere Aufträge ein. Mit fünf weiteren potenziellen Auftraggebern steht das Unternehmen noch in Verhandlungen.

Der Finanzchef signalisierte an der Investorenkonferenz Zuversicht, was die Erreichbarkeit der diesjährigen Zielsetzungen anbetrifft. Meyer Burger strebt einen Jahresumsatz von 400 Millionen Franken sowie auf Stufe EBITDA ein ausgeglichenes Ergebnis an.

Noch immer nicht gelöst scheint das Finanzierungsproblem im Hinblick auf die Fälligkeit einer Obligationsanleihe im kommenden Frühling. Die ausländischen Leerverkäufer sind allerdings gewarnt: Es könnten über die nächsten Wochen weitere Bestellungen eingehen. Panikartige Deckungskäufe könnten jederzeit ein Kursfeuerwerk zünden.

Insgesamt bot die zweitägige Investorenkonferenz so manche weitere kursrelevante Aussage - auch wenn die Marktakteure aufgrund des hektischen Börsentreibens nicht gerade sehr empfänglich für solche sind.

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Wenn ein mittelgrosses Unternehmen aus der Schweiz in den letzten Jahren alles richtig gemacht hat, dann ist das Straumann. Während andere Dentalimplantatehersteller vor sich hin darben, wächst das einstige Sorgenkind aus Basel kräftig.

Solche Erfolgsgeschichten lieben die Märkte bekanntlich. So überrascht es denn auch nicht, dass sich die Aktien schon seit Wochen von einem Rekordhoch zum nächsten hangeln. Alleine seit Jahresbeginn errechnet sich mittlerweile ein Plus von rund 25 Prozent. Innerhalb weniger Jahre hat sich der Börsenwert von Straumann sogar vervierfacht.

Das hält die Credit Suisse jedoch nicht davon ab, den beliebten Papieren heute noch einmal so kräftig einzuheizen. Nach einer Präsentationsreihe mit Konzernchef Marco Gadola bekräftigt die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken ihre aggressive Kaufempfehlung, neu mit einem Kursziel von 430 (385) Franken.

Was die Konkurrenz kann, können wir auch, dürfte man sich bei der UBS gesagt haben. Nur so lässt sich die heute bekräftigte Kaufempfehlung für die Valoren der Partners Group erklären. Auch das Private Equity Unternehmen gilt als einer der Überflieger am Schweizer Aktienmarkt. Obschon sich der Börsenwert der Partners Group über die letzten Jahre sogar verachtfacht hat, traut die Schweizer Grossbank diesen Aktien auf Jahresfrist neu einen Anstieg auf 448 (389) Franken zu. Sie bekräftigt deshalb wenig überraschend ihre Kaufempfehlung.

Man kann den beiden Grossbanken nur bedingt einen Vorwurf machen, dass sie gezielt Nebenwerte treiben. Die Musik spielt nun mal schon seit Wochen, wenn nicht gar seit Monaten in diesem Marktsegment. Die Anlagekundschaft nach dem Höhenflug der letzten Wochen jetzt noch zum Kauf dieser äusserst gut gelaufenen Aktien anzustacheln, erachte ich allerdings als - die beiden Schweizer Grossbanken mögen mir den Ausdruck verzeihen - grobfahrlässig (siehe die gestrige Kolumne).

 

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