Was ein Analyst bei Swatch alles anders machen würde

Vorlauter Analyst von BNP Paribas sagt, was er als Konzernchef der Swatch Group alles besser machen würde - Und: Bei Galenica stehen angeblich kursrelevante Neuigkeiten an.
25.08.2016 12:30
cash Insider
Was ein Analyst bei Swatch alles anders machen würde
Bild: fotolia.com

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Es gab eine Zeit, da liess sich mit den Aktien der Swatch Group so richtig viel Geld verdienen. Alleine zwischen März 2009 und November 2013 verfünffachte sich ihr Kurs.

Gerade in den Schwellenländern schienen dem Wachstum kaum Grenzen gesetzt, weshalb der Westschweizer Luxusgüterkonzern und seine Valoren bei Anlegern und Analysten gleichermassen hoch in der Gunst standen.

Allerdings sollte alles ganz anders kommen: Nach wachstumsträchtigen Jahren ist der hohe Ergebnisbeitrag aus den Schwellenländern zu einem Bumerang für das Unternehmen geworden.

Folglich kennt der Aktienkurs schon seit Jahren nur eine Richtung: Jene nach unten. Und wie es an der Börse halt so ist - mit dem nicht enden wollenden Kurszerfall wird auch Kritik an den Entscheidungsträgern am Hauptsitz in Biel laut.

Nicht mit Kritik geizt derzeit vor allem der für BNP Paribas tätige Analyst. In einem mir aus London zugespielten Kommentar bekräftigt er das optisch tiefe Kursziel von 219 Franken für die von ihm zum Verkauf empfohlenen Inhaberaktien.

Darüber hinaus schreibt er, was er bei der Swatch Group alles anders machen würde, wäre er Konzernchef. Der Experte wähnt den Hauptgrund für den Margeneinbruch bei Überkapazitäten in der Uhrwerksproduktion. Was er nicht schreibt: Diese sind zumindest teilweise auf eine Vereinbarung mit der Schweizerischen Wettbewerbskommission zurückzuführen. In den Ohren von Konzernchef Nick Hayek dürfte die Aufforderung zu kostenseitigen Anpassungen deshalb womöglich wie Hohn klingen. Schuster bleib' bei Deinem Leisten, möchte man dem Autor des Kommentars am liebsten entgegnen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Rat des Analysten, gemeinsam mit einem starken Partner innovative Smart Watches zu entwickeln. Als zukunftsträchtig erachtet er insbesondere solche, die auf dem Betriebssystem Android laufen.

Im dritten und letzten Punkt muss ich dem für BNP Paribas tätigen Experten hingegen Recht geben. Bei der Kommunikation und der Aktionärsfreundlichkeit besteht bei der Swatch Group durchaus noch Verbesserungsbedarf.

Auch sein Berufskollege von der Société Générale findet keine wohlwollenderen Worte und stuft die Inhaberaktien des Luxusgüterkonzerns aus Biel von "Hold" auf "Sell" herunter. Er sieht die Valoren über die nächsten 12 Monate auf 250 (290) Franken fallen.

Die Kritik aus Frankreich kann Konzernchef Nick Hayek und seiner Schwester aber ziemlich egal sein. Schliesslich befinden sich doch schon seit Jahren gut 40 Prozent der Stimmen fest in Familienbesitz. Ich warte nur darauf, dass die Hayeks eines Tages ihre Drohung wahrmachen und die Swatch Group von der Börse nehmen. Die zahlreichen ausländischen Leerverkäufer hätten dann nämlich ein ernsthaftes Problem...

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Bei Galenica wird mir gerüchteweise berichtet, dass kursrelevante Neuigkeiten anstehen.

Womöglich hat der in Bern beheimatete Gesundheitskonzern einen Nachfolger für den im Mai überraschend zurückgetretenen Chef von Vifor Pharma gefunden, so hätte ich spontan gesagt. Aufgrund dieses personellen Aderlasses war das Mutterhaus damals gezwungen, die Aufteilung in zwei voneinander unabhängige Unternehmen zu vertagen.

Dass die Aktien von Galenica heute bei 1142 Franken auf den tiefsten Stand in diesem Jahr fallen, lässt jedoch nichts Gutes erahnen - auch wenn sich der Verkaufsdruck mit der wiedererwachten Diskussion rund um zu hohe Medikamentenpreise in den USA erklären lässt.

Deshalb scheint mir eine weitere Platzierung des von Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Stefano Pessina gehaltenen Aktienpakets oder zumindest von Teilen davon wahrscheinlicher (siehe Kolumne vom 5. August).

Trennt sich die Aktionärsgruppe in den nächsten Tagen von den gesamten 20 Prozent dann bieten sich bei den Valoren von Galenica in die anschliessende Kursschwäche hinein kurzfristige Kaufgelegenheiten. Ich werde dann im Rahmen meiner Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 ein solches Titelengagement eingehen.

 

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