Was ist bloss mit den Swisscom-Aktien los?

Der cash Insider auf der Suche nach den Gründen für die jüngste Formschwäche der Aktien von Swisscom - Und: In diese Schweizer Aktien könnte schon bald Bewegung kommen.
04.07.2014 12:30
cash Insider
Was ist bloss mit den Swisscom-Aktien los?

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In eigener Sache: Ich bin vom 5. Bis 26. Juli 2014 mit meiner Familie im Urlaub. In dieser Zeit schreibe ich keine Kolumne. Die nächste Ausgabe erscheint am Montag, 28. Juli 2014 um 12:30 Uhr.

Ich wünsche Ihnen jetzt schon eine gute Sommerzeit und freundliche Finanzmärkte.

Ihr cash Insider

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Von wegen langweilig und träge: Obschon die Namenaktien von Swisscom seit ihrem Rekordhoch von Mitte Mai bei 550 Franken zurückgefallen ist, gelten sie noch immer gut einen Drittel mehr als vor einem Jahr. Rechnet man die im April ausgeschüttete Dividende mit ein, gestaltet sich die Bilanz sogar noch besser.

Dennoch wirft die Formschwäche der vergangenen zwei Wochen Fragen auf, ist das im bernischen Ittigen beheimatete Telekommunikationsunternehmen doch bei bester Gesundheit. Dank den Investitionen der letzten Jahre zählt das Mobilfunknetz zu den führenden in ganz Europa. Morgan Stanley wähnt die Swisscom diesbezüglich in einem Vorsprung auf die Konkurrenz von ein bis zwei Jahren. Und mit der anfänglich arg kritisierten Einführung neuer Mobilfunktarife feiert das Unternehmen einen Erfolg nach dem nächsten. Vermutlich lassen sich diese Erfolge schon bald mit einem mobilen Breitbandangebot wiederholen.

Entgegen anders lautenden Spekulationen wartete man bislang vergeblich auf einen strategischen Befreiungsschlag bei Fastweb. Die italienische Tochter gilt weiterhin als das Sorgenkind des einstigen Monopolisten. In der Vergangenheit wurde dem britischen Rivalen Vodafone allerdings mehr als einmal ein Interesse an Fastweb nachgesagt. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge sollen dem Berner Mutterhaus mittlerweile zwei Offerten der Briten vorliegen.

Ich habe mich deshalb in den letzten Tagen auf Erklärungssuche gemacht und bin zumindest teilweise fündig geworden. Zum einen hat der europäische Telekommunikationssektor genau Mitte Juni seinen vorläufigen Höhepunkt durchschritten – zeitgleich mit den Aktien von Swisscom. Zum anderen brechen die Roaming-Gebühren immer schneller weg. Erhebungen der Berenberg Bank zufolge sind diese Gebühren noch immer für durchschnittlich 5 bis 6 Prozent der Mobilfunkerträge und aufgrund ihres hochmargigen Charakters für bis zu 10 Prozent des EBITDA verantwortlich. Ihrer unbedeutenden Grösse wegen dürfte die Übernahme von PubliGroupe hingegen nicht oder nur geringfügig zu Buche geschlagen haben.

Günstig sind die Aktien von Swisscom auch nach der jüngsten Formschwäche nicht. Noch immer errechnet sich auf Basis der nächstjährigen Konsensschätzungen ein EV/EBITDA-Verhältnis von 8 und einer Free-Cashflow-Rendite von 5 Prozent. Gemäss Morgan Stanley entspricht dies einem Bewertungsaufschlag von rund 30 Prozent zum europäischen Telekommunikationssektor.

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Die Aktien von Swisscom sind in den letzten Wochen nicht als einzige in Lethargie verfallen. Interessant ist deshalb eine Strategiestudie von Jefferies International. Darin nennen die Verfasser Aktien von 15 europäischen Unternehmen, bei welchem in der zweiten Jahreshälfte positive Ereignisse unterschiedlichster Natur anstehen. Darunter auch drei prominente Vertreter aus der Schweiz.

Bei AMS rechnen die Experten am 28. Juli mit einem soliden Quartalsergebnis und konkreten Aussagen zur zweiten Jahreshälfte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt werde sich der Nebel rund um die zukünftige Nachfrageentwicklung lichten. Den Aktien sei dann ein weiteres Kursfeuerwerk so gut wie sicher. Ausserdem befinde sich der Halbleiterhersteller noch immer in Fusionsverhandlungen mit dem Mitbewerber Dialog Semiconductor. Diesbezüglich sei schon bis zum 24. Juli mit Neuigkeiten zu rechnen. Offiziell werden die Papiere mit einem optisch zurückgebliebenen Kursziel von 146 Franken zum Kauf empfohlen.

Auch bei Cosmo Pharmaceuticals machen die Studienverfasser im Vorfeld der Veröffentlichung des Semesterausweises von 30. Juli Kaufgelegenheiten aus. Die jüngste Kursschwäche biete sich geradezu für einen Einstieg an, so schreiben sie. Denn der Zahlenkranz werde den Markt einmal mehr auf die attraktive Investmentthese aufmerksam werden lassen. Auch wenn das Partnerunternehmen Valeant die Option auf die Rechte für den Wirkstoffkandidaten CB-03-01 nicht ausübe, gestalte sich die Zukunft des Spezialitätenpharmaunternehmens gut. Die Aktien werden weiterhin mit einem Kursziel von 175 Franken zum Kauf empfohlen.

Bei Roche erwarten die Experten an einer Branchenkonferenz von Mitte Juli ermutigende Studienergebnisse zum Alzheimermedikament Crenezumab. Es sei zwar nicht falsch, im Vorfeld der Veröffentlichung dieser Ergebnisse eine vorsichtige Haltung einzunehmen. Schliesslich sei noch keinem anderen Mitbewerber mit einem Präparat derselben Wirkstoffklasse der Durchbruch gelungen. Aufgrund der geringen Markterwartungen an Crenezumab bestehe allerdings ein asymmetrisches Aufwärtspotenzial, sollten die Studienergebnisse vielversprechend ausfallen. Alzheimer sei eines der letzten nahezu unangetasteten lukrativen Therapiegebiete, so die Studienverfasser. Sie empfehlen die Bons des Basler Pharmakonzerns wie bis anhin mit einem Kursziel von 305 Franken zum Kauf.

Die übrigen von Jefferies International genannten europäischen Unternehmen will ich meinen Leserinnen und Lesern an dieser Stelle selbstverständlich nicht vorenthalten. Bei Barclays, Lloyds Banking Group, Next und Capita rechnen die Amerikaner mit positiven Ergebnisüberraschungen und höheren Kursen. Anders bei Hennes & Mauritz, Royal Mail und Aberdeen Asset Management. Bei diesen Unternehmen werden Enttäuschungen befürchtet. Telenor, BSkyB und KPN dürften hingegen beweisen, dass sie dem Wettbewerbsdruck besser standhalten können als befürchtet. Und auch bei Cairn Energy und IMI rechnen die Experten aufgrund tiefer Markterwartungen mit positiven Neuigkeiten in der zweiten Jahreshälfte.