Was ist bloss mit der Actelion-Aktie los?

Der cash Insider geht den Gründen für den Kursrückschlag bei den Aktien von Actelion nach - Dorma+Kaba vor der nächsten Grossübernahme - Und: Ein Schuss vor den Bug der Anleger bei Nebenwerten aus der Schweiz.
21.10.2016 12:30
cash Insider
Was ist bloss mit der Actelion-Aktie los?
Bild: fotolia.com

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Nicht selten wird den Erwartungen an den Aktienmärkten ein grösseres Gewicht beigemessen als den harten Fakten. Das mussten gestern auch die erfolgsverwöhnten Aktionäre von Actelion schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Denn obwohl der Biotechnologiekonzern aus Allschwil mit einem soliden Zahlenkranz aufwartete und zur Überraschung der Analysten zum dritten Mal in diesem Jahr den Ausblick anhob, gerieten die Aktien im späten Handel unter starken Verkaufsdruck.

Der Grund: An der Analystenkonferenz schworen die Firmenvertreter die Teilnehmenden auf einen in Zukunft sehr viel intensiveren Wettbewerb beim Hauptumsatzträger Tracleer ein. Man erwarte eine sehr aggressive Preisgestaltung, wenn die Hersteller von Nachahmerpräparaten im kommenden Frühjahr mit ihren eigenen Versionen des Medikaments gegen Lungenbluthochdruck auf den amerikanischen Markt drängen, so liess man durchblicken.

Seit Opsumit in den Vereinigten Staaten zugelassen ist, setzt Actelion alles daran, mit Tracleer behandelte Patienten auf Opsumit wechseln zu lassen - mit Erfolg. Mit einem Umsatzbeitrag von 790 Millionen Franken ist Tracleer im laufenden Jahr nach neun Monaten allerdings noch immer das beste Pferd im Reitstall der Allschwiler.

Dass die Aktien von Actelion an der Börse derart abgewatscht werden, scheint mir nach der dritten aufeinanderfolgenden Erhöhung der Jahresprognosen von gestern doch etwas gar übertrieben - zumal das Unternehmen mit Opsumit und Uptravi gleich zwei Pfeile im Köcher hat.

Wenn angelsächsische Grossinvestoren - wie mir berichtet wird treten seit gestern vorwiegend solche als Verkäufer in Erscheinung - den Abzug betätigen und erst dann Fragen stellen, ist das nicht selten eine günstige Gelegenheit einzusteigen.

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Der Zusammenschluss zu Dorma+Kaba ist noch nicht verdaut, da zeichnet sich beim Sicherheitstechnikanbieter aus Rümlang die nächste grosse Firmentransaktion ab.

Auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters abgestützt, bringt der für die Credit Suisse tätige Analyst Dorma+Kaba als möglicher Interessent für die ähnlich gelagerten Geschäftsaktivitäten von Black&Decker ins Spiel. Angeblich haben die Amerikaner die Investmentbank Goldman Sachs mit dem Verkauf des Bereichs Sicherheitstechnik beauftragt.

Sollte der Experte mit seinen Annahmen richtig liegen und Dorma+Kaba bei rund 800 Millionen Franken den Zuschlag erhalten, würde das ab dem zweiten Jahre zu einer Gewinnverdichtung von gut 6 Prozent führen - Kostensynergien noch nicht mit eingerechnet. Der Credit Suisse zufolge liesse die Bilanz die Aufnahme von Fremdkapital im Umfang von bis zu einer Milliarde Franken zu. Damit stünde einer solchen Grossübernahme zumindest aus finanzieller Sicht wohl nichts im Weg.

Vielleicht plaudern die Firmenvertreter ja dann an der Swiss Midcap Conference vom 17. und 18. November diesbezüglich aus dem Nähkästchen.

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Mit den Aktien von u-blox liess sich in den letzten Jahren viel Geld verdienen. Das hat seine Gründe, ist der in Thalwil beheimatete Halbleiterhersteller doch einer der wenigen reinen Vertreter der "Internet-of-things"-Industrie aus der Schweiz.

Seit das Vorzeigeunternehmen Ende August mit einem enttäuschenden Zahlenkranz aufwarten und beim Ausblick zurückkrebsen musste, bietet sich den Aktionären allerdings ein ungewohntes Bild: Der Aktienkurs bröckelt unaufhaltsam.

Öl ins Feuer goss vor wenigen Tagen die UBS. Die grössere der beiden Schweizer Grossbanken nahm die Abdeckung der Aktien von u-blox mit einer Verkaufsempfehlung und einem 12-Monats-Kursziel von gerade einmal 182 Franken auf. Die Markterwartungen für die nächsten Jahre seien der effektiven Geschäftsentwicklung weit vorausgeeilt, so lässt man bei der UBS durchblicken.

Seit dem Rekordhoch von Anfang August bei 246,40 Franken errechnet sich mittlerweile ein sattes Minus von 22 Prozent.

u-blox ist ein weiteres prominentes Beispiel dafür, wie rasch ein an der Börse hochgejubeltes Unternehmen bei den Anlegern in Ungnade fallen kann. Die Aktionäre von AMS oder Leonteq wissen ein Lied davon zu singen...

 

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