Was ist bloss mit der CS-Aktie los?

Der cash Insider auf der Suche nach den Gründen für den jüngsten Kursrückschlag bei den Aktien der Credit Suisse - Und: Auf diese Nebenwerte setzt die Schweizer Grossbank.
12.01.2015 12:30
cash Insider
Was ist bloss mit der CS-Aktie los?

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Nein, die Aktionäre der Credit Suisse sind nicht zu beneiden. Während sich der breit gefasste Swiss Performance Index in den vergangenen zwölf Monaten von einem Rekord zum nächsten hangelte, büssten die Namenaktien in dieser Zeit gute 15 Prozent ein. In den letzten Tagen beschleunigte sich die Talfahrt noch einmal. Seither brodelt die Gerüchteküche.

Dass die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken im Hinblick auf die in Zukunft strengeren Eigenmittelvorschriften nicht gerade auf Rosen gebettet ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Seit hierzulande neben den bereits bekannten Mindestanforderungen an die Kernkapitalquote auch solche an das sogenannte Leverage Ratio im Gespräch sind, sprechen einige Analysten sogar von einem zusätzlichen Kapitalbedarf in zweistelliger Milliardenhöhe. Und das nicht nur im kapitalintensiven Investment Banking, sondern auch im Wealth Management.

Zwar treten solche Vorschriften nicht einfach so über Nacht in Kraft. Allerdings mahnte die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Credit Suisse im Sommer 2012 schon einmal ab. Damals reagierte die Chefetage der in Zürich beheimateten Grossbank prompt und gab umfangreiche Massnahmen zur Stärkung des Kernkapitals bekannt.

Heute, nur drei Jahre später, schliessen erste Analysten eine weitere Kapitalerhöhung nicht mehr länger kategorisch aus. Nach dem Experten der Berenberg Bank baut neu auch sein viel beachteter Berufskollege von Merrill Lynch die Möglichkeit einer solchen in sein Bewertungsmodell ein. Gleichzeitig stellt er die Dividendenpolitik in Frage.

Um eine Stärkung der Eigenkapitalbasis in Form einer Kapitalerhöhung oder einer grundlegenden Kürzung der Dividende umgehen zu können, ist der Société Générale zufolge eine Reduktion der risikogewichteten Aktiven von bis zu 175 Milliarden Franken notwendig. In Zukunft könnte eine strengere Definition für solche Aktiven jene der Credit Suisse sogar noch weiter aufblähen.

Die Lösung wäre eine Aufspaltung der Grossbank in Einzelbereiche, wie sie gewisse Analysten fordern. Eine weitere wäre ein Rückzug aus dem kapitalintensiven Investment Banking nach dem Vorbild der Erzrivalin UBS.

Neu sind hingegen Spekulationen rund um negative Folgen des Ölpreiszerfalls und der wirtschaftlichen Probleme Russlands. Nährboden bilden zum einen die langjährigen Geschäftsaktivitäten der Credit Suisse im ehemaligen Zarenreich und zum anderen das Geschäft mit Konsortialkrediten in der Öl- und Gasindustrie. Dass die Grossbank an der Jahresergebnispräsentation von Mitte Februar in diesem Zusammenhang Sonderbelastungen einräumen muss, wird im Berufshandel für wahrscheinlich gehalten.

Eine weitere Unbekannte sind die Kosten zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass italienische Ermittler die Büroräumlichkeiten der Credit Suisse in Mailand durchsucht hätten. Ausserdem erteilte ein Obergericht des Staates New York einen von der Grossbank gestellten Antrag auf Abweisung einer milliardenschweren Klage im Zusammenhang mit verbrieften Hypothekarforderungen eine Abfuhr. Die Vergangenheitsbewältigung könnte für die Credit Suisse deshalb noch einmal teuer werden - und das erst noch zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt.

Den nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionären droht im günstigsten Fall eine Dividendenkürzung, wenn nicht gar eine gewinnverwässernde Kapitalerhöhung. Die alles entscheidende Frage bleibt: Reagieren die Aktien wie im Sommer 2012, als die Grossbank mit ihren Massnahmen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis ein Kursfeuerwerk zündete?

Anders als damals laufen in diesen Tagen allerdings kaum Wetten gegen die Papiere der Credit Suisse. Statistiken zufolge liegen die Baisseengagements derzeit gerademal bei 2 Prozent aller ausstehenden Aktien.

***

Quartalsweise geben die Aktienanalysten der Credit Suisse ihre Schlüsselempfehlungen für das Schweizer Nebenwertesegment bekannt. Um es vorwegzunehmen: So viele Anpassungen auf der Favoritenliste gab es selten.

Bei den Kaufempfehlungen ersetzen die Experten die Aktien von Logitech, SFS Group, Nobel Biocare und Vontobel durch jene von Evolva, Leonteq, Straumann sowie den erst heute mit einem Kursziel von 730 Franken von "Neutral" auf "Outperform" hochgesuchten Papieren von Georg Fischer.

Nach den am Freitag bekannt gewordenen ausserordentlichen Wertberichtigungen in Milliardenhöhe werden die Valoren des Stromherstellers Alpiq von der Liste der Verkaufsempfehlungen gestrichen. Für sie rücken jene von Meyer Burger nach. Die Experten schliessen beim im Gwatt beheimateten Solarzulieferunternehmen einen weiteren Kapitalbedarf nicht aus - ganz anders als die Firmenverantwortlichen selber. Weiterhin auf der Liste bleiben die mit "Underperform" und einem neu 89 (98) Franken einstuften Aktien von Sulzer.

Obschon die Credit Suisse keine konkreten Ergebnisse der quartalsweise kommunizierten Schlüsselempfehlungen für Schweizer Nebenwerte nennt, scheint die Grossbank mit dieser Liste sehr erfolgreich zu sein. Nicht zuletzt deshalb ziehen die Anpassungen heute bei den betroffenen Aktien grössere Kursverschiebungen nach sich.