Was ist bloss mit der «Zürich»-Aktie los?

Haltlose Spekulationen belasten die Aktien der Zurich Insurance Group - Und: Auffällige Derivatkäufe bei den tief gefallenen Aktien von Leonteq.
15.06.2016 12:30
cash Insider
Was ist bloss mit der «Zürich»-Aktie los?
Bild: fotolia.com

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Die renditestarken Aktien der Zurich Insurance Group mussten in den letzten Tagen Federn lassen. Stünde die Aktienkursentwicklung stellvertretend für die Gesundheit des Versicherungskonzerns, man würde diesen mit einer schweren Grippe im Spital liegend vermuten.

Erst Ende Mai ging die Meldung über den tragischen Freitod des früheren Konzernchefs Martin Senn wie ein Lauffeuer durch die Medien - was unweigerlich Erinnerungen an das freiwillige Ableben seines einstigen Finanzchefs Pierre Wauthier vom August 2013 wachwerden liess.

Seit dem Tod von Martin Senn kennen die zuvor gefragten Aktien seines ehemaligen Arbeitgebers nur eine Richtung: nämlich die nach unten. Mittlerweile türmen sich Kursverluste von mindestens 10 Prozent auf.

Gerade im Berufshandel will man nicht so recht an einen reinen Zufall glauben. Die Angst, dass beim traditionsreichen Versicherungskonzern nachträglich Altlasten zum Vorschein kommen, ist allgegenwärtig.

Womöglich schüren gewisse Marktkräfte diese Ängste noch, erwischte die Zurich Insurance Group die negativ gestimmten Aktienanalysten, insbesondere jenen von Bernstein Research, anlässlich der Quartalsergebnispräsentation doch eiskalt auf dem falschen Fuss. Unbeirrt hält dieser auch heute noch an seiner "Underperform" lautenden Verkaufsempfehlung sowie am optisch tiefen Kursziel von 200 Franken fest.

Nur dank diesen haltlosen Spekulationen hat der Leidensdruck der ausländischen Leerverkäufer zuletzt nachgelassen. Haltlos deshalb, weil die Aktien der ZIG den Vergleich mit jenen anderer Rivalen wie Bâloise oder Swiss Life nicht zu scheuen brauchen. Letztere beiden notieren nämlich sogar um rund 12 Prozent unter dem Stand von Ende Mai.

So tragisch der kürzliche Freitod des ehemaligen Konzernchefs Martin Senn auch ist – einen direkten Zusammenhang mit der Geschäftsentwicklung seines ehemaligen Arbeitgebers gibt es zumindest aus heutiger Sicht nicht. Ansonsten hätte sein Nachfolger Mario Greco vermutlich umfassende Bilanzbereinigungen ins erste Quartal gepackt.

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An der Börse gehandelte Unternehmen trennt nicht selten ein schmaler Grat zwischen Erfolg und Misserfolg. Wie schnell ein gefeierter Überflieger bei den Anlegern in Ungnade fallen kann, zeigt hierzulande vor allem Leonteq.

Nachdem sich der Börsenwert des Anbieters strukturierter Produkte innerhalb von gerademal drei Jahren verzehnfachte, folgte der Absturz. Vom Rekordhoch vom vergangenen August bei 233 Franken bis zu den gestrigen Mehrjahrestiefstständen bei 48 Franken dauerte es nur wenige Monate. Diese einst sehr beliebten Aktien hätten einige prominente Marktakteure viel Geld gekostet, so lasse ich mir sagen.

Während sich Haussiers und Baissiers in den Basiswerten schon seit Wochen einen erbitterten Schlagabtausch liefern, herrschte bei den Derivaten Flaute. Damit scheint nun aber Schluss: In den letzten Tagen kaufte jemand in mehreren Tranchen 1,6 Millionen Call-Warrants LEOGJB. Zuvor war schon am Donnerstag und Freitag im ebenfalls von Julius Bär emittierten Call-Warrant LEOQJB Interesse auszumachen. An diesen beiden Tagen wechselten 680000 Stück die Hand, heute nun weitere 100000 Stück.

Wer hinter diesen mutigen Derivatkäufen steckt, darüber lässt sich bloss spekulieren. Alteingesessene Börsenbeobachter vermuten Stützungskäufe hinter diesen augenfälligen Transaktionen. Das macht durchaus Sinn, liegen den besagten Call-Warrants doch mehr als 62000 Aktien zugrunde.

Der tiefe Fall von Leonteq sollte den Anlegern eine Lehre sein. Denn gerade die beliebtesten Schweizer Nebenwerte kennen schier kein Halten (siehe Kolumne vom 25. Mai).

Wie mir berichtet wird, raten mittlerweile sogar kleinere Regionalbanken ihrer Anlagekundschaft, auf diesen Zug aufzuspringen. Diese Kunden mögen mir verzeihen, wenn ich an dieser Stelle schreibe, dass das bei einigen Aktien den Anfang vom Ende ihres beispiellosen Höhenflugs bedeuten könnte. Denn wie im wahren Leben gilt eben auch an der Börse: Den Letzten beissen bekanntlich die Hunde.
 

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