Was ist nur mit den Nestlé-Aktien los?

Der cash Insider auf der Suche nach Gründen für den jüngsten Ausverkauf bei den Aktien von Nestlé - Erneute Margenängste bei Givaudan - Und: Nun formiert sich sogar in China Widerstand gegen die Syngenta-Übernahme.
11.11.2016 12:30
cash Insider
Was ist nur mit den Nestlé-Aktien los?
Bild: fotolia.com

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Kaum ein Analyst, der die Aktien von Nestlé nicht zum Kauf empfiehlt. Gerade Berufsvertretern aus dem angelsächsischen Raum haben es die Valoren des traditionsreichen Nahrungsmittelherstellers aus Vevey sichtlich angetan. Der Grund: Wenn der langjährige Konzernchef Paul Bulcke Ende Jahr an die Spitze des Verwaltungsrats wechselt, übernimmt mit Ulf Mark Schneider ein profunder Kenner der Gesundheitsindustrie. Das wiederum lässt bei Nestlé in Zukunft grössere Veränderungen im Firmenportfolio erahnen.

Seit gestern Nachmittag stehen die Aktien dennoch unter starkem Abgabedruck. Dass Händlern zufolge ausgerechnet angelsächsische Grossinvestoren als Verkäufer in Erscheinung treten, überrascht gelinde gesagt. Schliesslich waren sie es, die den Aktienkurs bei Nestlé im Frühsommer dieses Jahres auf 80 Franken hochtrieben.

Kursentwicklung der Aktien von Nestlé (rot) mit jenen von Givaudan (grün), Quelle: www.cash.ch

Neue unternehmensspezifische Erkenntnisse gibt es nicht. Es macht viel eher den Anschein, als hätten diese Grossinvestoren in den vergangenen Wochen im "sicheren Hafen" des Nahrungsmittelherstellers Zuflucht vor der rauhen Wahlkampf-See gesucht. Jetzt, da die See ruhiger ist und sich der Nebel der Unsicherheit lichtet, zieht es sie wieder weiter. Das lassen zumindest Berichte über grossangelegte Umschichtungstransaktionen in die Finanzwerte vermuten.

Interessantes entnehme ich übrigens einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank. Angeblich laufen nur gerade Wetten im Umfang von 0,6 Prozent aller ausstehenden Aktien gegen Nestlé. Im Hinblick auf die personelle Rochade an der Konzernspitze von Ende Dezember kann man den ausländischen Leerverkäufern die Zurückhaltung denn auch nicht übelnehmen.

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Im Schatten des Schwergewichts Nestlé fielen gestern auch die Aktien von Givaudan grösseren Gewinnmitnahmen zum Opfer. Kräftig Öl ins Feuer goss dabei der für die Citigroup tätige Analyst. Er stufte die Papiere des Aromen- und Riechstoffherstellers aus Genf kurzum von "Neutral" auf "Sell" herunter und strich das Kursziel auf 1560 (1850) Franken zusammen.

Nach mehreren von rückläufigen Rohmaterialkosten geprägten Jahren warnt man bei der mächtigen amerikanischen Investmentbank vor einer für die zukünftige Margenentwicklung geradezu katastrophalen Trendwende. Doch damit nicht genug: Weil die Investitionsausgaben der Wertschöpfungskette entlang zusammengestrichen wurden, rechnet der Analyst gleichzeitig mit einer Wachstumsverlangsamung.

Die solide Bilanz lasse es bei Givaudan allerdings zu, diese Kräfte durch Aktienrückkäufe oder ergänzende Firmenübernahmen abzuschwächen, so räumt er ein. Dennoch sieht der Experte den Aktienkurs im ungünstigsten Fall sogar in die Region von 870 Franken fallen.

Obschon das Vorzeigeunternehmen aus Genf seit Mitte Juli mehr als 15 Prozent seines Börsenwerts eingebüsst hat, drängen sich seine Aktien meines Erachtens noch immer nicht auf. Mich jetzt noch aktiv von diesen trennen würde ich jedoch auch nicht.

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"There ain’t no such thing as a free lunch", pflegen gerade die Amerikaner gerne zu sagen. Sinngemäss ins Deutsche übersetzt heisst das in etwa soviel wie: Da draussen in der Welt gibt es nichts umsonst.

Diese schmerzhafte Erfahrung müssen in diesen Tagen einmal mehr auch die Aktionäre von Syngenta machen. Gestern tauchten die Papiere des Agrarchemiekonzerns aus Basel vorübergehend in die Nähe von 371 Franken und damit auf den Stand von Mitte August. Mittlerweile liegt der Abschlag zum Barangebot von 465 Dollar und der in Aussicht gestellten Sonderdividende von 5 Franken je Aktie wieder bei rund 20 Prozent, was tief blicken lässt.

Kursentwicklung der Aktie von Syngenta im Vergleich zum SMI, Quelle: www.cash.ch

Donald Trump die alleinige Schuld für den jüngsten Kurszerfall zu geben, wäre etwas zu einfach. Es mag zwar stimmen, dass der zukünftige Präsident der USA kein Geheimnis aus seiner Abneigung gegenüber China macht. Auf seiner politischen Agenda steht die Stärkung der heimischen Wirtschaft - und das um jeden Preis. Dazu könnte eben auch gehören, strategische Firmenübernahmen wie jene von Syngenta durch Chem China zu unterbinden.

Es gibt aber einen weiteren triftigen Grund, weshalb die Aktien des Basler Agrarchemiekonzerns mit einem prozentual zweistelligen Abschlag zum Barangebot gehandelt werden: Denn wie aus China zu hören ist, formiert sich mittlerweile auch dort Widerstand gegen die milliardenschwere Übernahme. Wie dortige Medien berichten, unterzieht die Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen (SASAC) das Vorhaben einer vertieften Überprüfung.

Bisweilen reagierte nur Bernstein Research. Die amerikanische Investmentbank beziffert die Wahrscheinlichkeit eines Zustandekommens der Übernahme nur noch auf 75 Prozent. Das wiederum hat Folgen für das Kursziel für die mit "Market Perform" eingestuften Aktien von Syngenta, das dadurch auf 418 (456) Franken fällt.

Bleibt für die wenig erfolgsverwöhnten Aktionäre genauso wie für die Arbitrageure (siehe Kolumne vom 31. Oktober) zu hoffen, dass sich die Regierung in Peking der strategischen Bedeutung der Firmentransaktion bewusst ist und Chem China nicht auch noch Hürden in den Weg legt.
 

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