Was spielt sich bei Syngenta ab?

Weshalb an den Spekulationen rund um Syngenta etwas Wahres sein dürfte - JP Morgan rät zum Verkauf amerikanischer Aktien - Und: Analyst übt bei Sulzer Kritik am Metco-Verkauf.
18.11.2014 12:30
cash Insider
Was spielt sich bei Syngenta ab?

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Um Syngenta ranken sich schon seit Wochen die wildesten Spekulationen. Von wichtigen unmittelbar bevorstehenden Produktneuigkeiten oder einer Aufspaltung in Einzelteile war genauso die Rede, wie von einem angeblichen Interesse grosser amerikanischer und europäischer Rivalen. Die Spekulationen versetzten die zahlreichen Baissiers in Angst und Schrecken. Es erstaunt denn auch nicht, dass sich zuletzt panikartige Deckungskäufe als treibende Kraft hinter der Erholung dieser Aktien erwiesen haben.

Denn tatsächlich verdichten sich beim Basler Agrarchemiehersteller die Hinweise auf einen bevorstehenden Befreiungsschlag. Vermutlich erweist sich die Hoffnung auf ein lukratives Übernahmeangebot aus dem Ausland allerdings als voreilig, auch wenn im Frühjahr Sondierungsgespräche mit dem Rivalen Monsanto stattfanden. Dieses substanzielle Steuereinsparungen versprechende Vorhaben sei von den Amerikanern dann allerdings aufgrund wettbewerbsrechtlicher Bedenken abgebrochen worden, heisst es. Gegen eine Aufspaltung des Unternehmens in einen Saatguthersteller und einen Anbieter von Pflanzenschutzmitteln spricht das seit wenigen Jahren integrierte Geschäftsmodell.

Für einen strategischen Befreiungsschlag bleiben Syngenta glücklicherweise weitere Alternativen. So machte der Chemiegigant Dow Chemical in der jüngeren Vergangenheit kein Geheimnis daraus, dass das Agrarchemiegeschäft zum Verkauf kommen könnte. Im letzten Jahr steuerte dieser Bereich bei den Amerikanern 7,1 Milliarden Dollar oder gut 12 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Anknüpfungspunkte gibt es auch beim Partnerunternehmen DuPont. Die beiden Firmen arbeiten schon seit Jahren in der Forschung und Entwicklung zusammen und haben diese Zusammenarbeit über die Jahre kontinuierlich ausgebaut. Mit einem Umsatz von 11,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr ist die Agrarchemiesparte von DuPont um einiges grösser und erst noch rentabler als die von Dow Chemical.

Anders als Syngenta mit einem Umsatzanteil von drei Vierteln aus dem Pflanzenschutzgeschäft, erzielt DuPont rund 70 Prozent des Spartenumsatzes mit Saatgut. Mit einem Zusammenschluss könnte das Basler Unternehmen die Abhängigkeit vom hart umkämpften Geschäft mit Fungiziden, Herbiziden und Insektiziden reduzieren. Denn gerade in den Schwellenländern wird der Wettbewerb immer intensiver.

Unter meinen im vergangenen Dezember kommunizierten Schweizer Aktienfavoriten für 2014 sind jene von Syngenta das Sorgenkind. Obschon sich die enttäuschende Geschäftsentwicklung der ersten sechs Monate zumindest teilweise mit Sonderfaktoren erklären lässt, hat der Unmut im Aktionariat zugenommen. Nicht nur aus Sicht der Aktionäre sondern auch im Sinne aller anderer Anspruchsgruppen bleibt zu hoffen, dass sich die Firmenverantwortlichen den Problemen annehmen und schon bald mit positiven Neuigkeiten aufwarten können.

Dass bei den Baslern Bewegung in die Sache kommt, lassen übrigens auch die seit Freitag zu beobachtenden Handelsaktivitäten in den bis Mitte März laufenden Call-Warrants SYNJA, SYNZY und SYNKG vermuten.

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Der amerikanische Aktienmarkt macht seinem Ruf als Leitbörse weiterhin alle Ehre. Der viel beachtete S&P-500-Index hangelt sich eindrucksvoll von einem Rekord zum nächsten. Und selbst den Nasdaq Composite Index trennen nur noch wenige Prozentpunkte vom Höchststand unmittelbar vor dem Platzen der Technologieblase im Frühjahr 2000.

Es sind vor allem amerikanische Aktienstrategen, die auf den Heimmarkt setzen und diesem noch auf Jahre hinaus steigende Kurse vorhersagen.

Keine Regel ohne die berühmt-berüchtigte Ausnahme: Ausgerechnet die Experten von J.P. Morgan kündigten dem heimischen Aktienmarkt die Liebe und stuften diesen von "Overweight" auf "Underweight" zurück. Im Gegenzug erhöhten sie das Anlageurteil für europäische Aktien von "Underweight" auf "Overweight".

Die für die Grossbank tätigen Strategen nennen denn auch nicht weniger als fünf gute Gründe für ihren Sinneswandel: 1. In Dollar betrachtet haben sich die europäischen Aktienmärkte seit Jahresbeginn um 22 Prozent schlechter als die amerikanische Leitbörse entwickelt. 2. Die relative Bewertung auf einen Horizont von zwölf Monaten ist substanziell attraktiver als noch vor wenigen Monaten. 3. Die Unternehmensgewinne waren im Vergleich mit jenen in Übersee seltener so stark gedrückt. 4. Die Geldmenge M3 steigt seit April. 5. Nicht zuletzt dank dem schwächeren Euro hat der Gegenwind für exportorientierte europäische Unternehmen nachgelassen.

Schon die UBS Investmentbank kam im Ausblick auf das Börsenjahr 2015 von vergangener Woche zum Schluss, dass die Gewinnentwicklung genauso wie die Aktienkurse europäischer Unternehmen im transatlantischen Vergleich substanziell zurückgeblieben seien. Die für Anleger entscheidende Frage bleibt allerdings: Gelingt es den europäischen Börsen sich abzukoppeln, sollte es in New York zu einem Rückschlag kommen? Ich befürchte: nein.

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Schon seit Monaten wird OC Oerlikon frenetisch als Gewinner der Übernahme von Sulzer Metco gefeiert. Die Namenaktien des ehemaligen Mutterhauses Sulzer haben hingegen einen sehr schweren Stand.

Öl ins Feuer giesst der für die MainFirst Bank tätige Experte. In einem Kommentar bezeichnet er den Zeitpunkt des Verkaufs von Sulzer Metco aus Sicht der Aktionäre des Winterthurer Industriekonzerns als unglücklich. Durch den Abverkauf des Geschäftsbereichs habe die Abhängigkeit des Unternehmens von der Öl- und Gasindustrie weiter zugenommen. Aufgrund des jüngsten Ölpreiszerfalls erwartet der Experte in diesen Absatzmärkten eine klare Verschlechterung der Investitionsbereitschaft.

Das Anlageurteil der MainFirst Bank lässt denn auch keinen Interpretationsspielraum, werden die Aktien von Sulzer doch mit "Underperform" und einem Kursziel von 100 Franken zum Verkauf empfohlen.

Auf kurze Sicht ist dem jüngsten Kurszerfall nur mit einem gewinnverdichtenden Aktienrückkaufprogramm zu begegnen. In diese Richtung gehende Anstalten macht die Geschäftsleitung um CEO Klaus Stahlmann allem Anschein nach jedoch nicht. Den Sulzer-Aktionären bleibt daher nichts anderes übrig, als sich weiterhin in Geduld zu üben.