Weltwirtschaft: Zuversichtliche Fondsmanager

Fondsmanager geben sich in aktueller Umfrage so zuversichtlich wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr – Und: Analyst verteidigt die Aktien von Weatherford vehement.
18.12.2012 14:00
cash Insider
Weltwirtschaft: Zuversichtliche Fondsmanager
Bild: cash

Die Strategen von Merrill Lynch führen monatlich eine Umfrage bei Vermögensverwaltern und Fondsmanagern durch. Für den Monat Dezember wurden weltweit 193 Personen mit der Aufsicht über verwaltete Vermögen im Umfang von 503 Milliarden Dollar befragt.

Um es vorweg zu nehmen: Die heute veröffentlichten Umfrageergebnisse sind von Zuversicht geprägt. Die lockere Zins- und Geldpolitik der Zentralbanken scheint die Gemüter beruhigt zu haben.

Überraschend sind vor allem die Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft. Letztere haben sich von den Frühindikatoren für die OECD-Länder abgekoppelt und liegen auf den höchsten Stand in nahezu zwei Jahren. Ähnlich gestaltet sich die Situation bei der zukünftigen Entwicklung der Unternehmensgewinne.

Was die chinesische Wirtschaft anbetrifft rechnen gut zwei Drittel der Befragten über die kommenden 12 Monate mit einer Wachstumsbeschleunigung.

Die von der fiskalpolitischen Klippe in den USA und der Schuldenkrise in Europa ausgehenden Gefahren werden von den Umfrageteilnehmern als geringere Gefahrenquellen als noch im Vormonat beurteilt. Im Gegenzug haben die Bewertungsblase im chinesischen Immobilienmarkt und die politische Lage im Mittleren Osten an Bedeutung gewonnen.

Die optimistischere Einschätzung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat auch Auswirkungen auf die Risikobereitschaft der Umfrageteilnehmer. Bei den der Hedge Fonds Industrie zuzuordnenden Managern ist die Nettoaktienquote (Long-Positionen abzüglich von Short-Positionen) auf 45 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2006 gestiegen. Gleichzeitig gehen die Befragten eigenen Angaben zufolge deutlich mehr Risiken ein als noch vor einigen Monaten, was sich auch in Form stark rückläufiger Barmittelquoten bemerkbar macht.

Interessant ist auch, dass seit wenigen Monaten eine Rotation aus Anleihen in Aktien zu beobachten ist. Immer mehr Befragte zeigen sich bereit, einen Teil ihrer Unternehmensanleihen in Aktien umzuschichten.

Regional betrachtet wird der amerikanische Aktienmarkt vorsichtiger beurteilt als in der Vergangenheit. Erstmals seit dem Spätherbst 2010 ziehen die Umfrageteilnehmer europäische den amerikanischen Aktien vor. Noch immer stark übergewichtet werden hingegen die Aktien aus den Schwellenländern.

Die Sektoren Pharma, Technologie und zyklische Konsumgüter gehören zu den beliebtesten Marktsegmenten, die Sektoren Versorger, Telekommunikation und Banken hingegen zu den unbeliebtesten.

Für gewöhnlich eignen sich extreme Umfragewerte um eine Trendumkehr vorherzusehen. Die Strategen von Merrill Lynch empfehlen ihrer Anlagekundschaft im Rahmen sogenannter «Contrarian-Ideen» deshalb zu Hausseengagements im Energie- und im Versorgersektor sowie in japanischen Aktien. Im Gegenzug raten sie zu Baisseengagements im zyklischen Konsumgütersektor, im amerikanischen Pharmasektor und bei den Banken.

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Wenn ich ein Unternehmen in diesem Jahr völlig falsch beurteilt habe, dann ist das wohl Weatherford International. Irgendwie kommt das in der Schweiz niedergelassene Ölserviceunternehmen nicht so recht aus den Negativschlagzeilen heraus.

Erst gestern Nachmittag reichte das Unternehmen in letzter Minute seinen Abschluss für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2012 nach. Aufgrund ausserordentlicher Goodwill-Abschreibungen, Wertberichtigungen auf Kapitalbeteiligungen und Steuerrückstellungen resultierte ein Verlust von 843 Millionen Dollar.

Zumindest hierzulande lagen gestern keine Konsensschätzungen zum Vergleich vor. In amerikanischen Analystenkreisen ging man auf das zweite Quartal bezogen von einem Gewinn von 0,23 Dollar je Aktie aus. Nach Minderheiten meldete Weatherford International allerdings einen Verlust von nicht weniger als 1,01 Dollar pro Titel.

In einem mir vorliegenden Kommentar schlägt der für Barclays Capital tätige Verfasser nun allerdings vehement verteidigende Töne an. Mit dem nachträglich eingereichten Quartalsbericht sei die Gefahr einer Handelseinstellung durch die Börsenbetreiber gebannt, weshalb ein zentraler Unsicherheitsfaktor wegfalle. Der Experte hält die mit «Overweight» und einem Kursziel von 18 Dollar empfohlenen Aktien deshalb wieder für investitionswürdig.

Schon seit Jahren hat Weatherford International mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Letztere konzentrieren sich auf die Buchführung und die Abführung von Steuern. Mit der gestrigen Veröffentlichung der überarbeiteten Abschlüsse für die Jahre 2009 bis 2011 und für die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres hat das Unternehmen einen wichtigen Meilenstein erreicht. Um das in der Vergangenheit verlorene Vertrauen zurück zu gewinnen müssen sich die Firmenverantwortlichen allerdings ins Zeug legen. Noch bin ich mir nicht sicher, ob die für das kommende Jahr abgegebenen Prognosen auch wirklich erfüllt werden.

Das ist schade, verfügt Weatherford International grundsätzlich doch über eine gute Ausgangslage, um über die kommenden Jahre von der sich abzeichnenden Verbesserung der Auftragslage profitieren zu können. Bis sich der Staub rund um die hausgemachten Probleme gelegt hat rate ich dennoch von einem Einstieg ab.