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Werden die Eigenmittelvorschriften für Schweizer Banken gelockert?

Gerüchteweise sollen die strengen Eigenmittelvorschriften für Schweizer Banken aufgeweicht werden - Und: Die Strategen der Deutschen Bank krebsen nach wenigen Wochen bei ihren Indexprognosen zurück.
09.01.2017 12:30
cash Insider
Werden die Eigenmittelvorschriften für Schweizer Banken gelockert?
Bild: fotolia.com

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Als unsere Schweizerische Nationalbank (SNB) im Herbst 2008 die im Zuge verbriefter Ramschhypotheken ins Schlingern geratene UBS in einer Nacht-und-Nebel-Aktion retten musste, ging ein Aufschrei durch unser kleines Land. Lautstark forderten Wirtschaft und Politik strengere Eigenmittelvorschriften für die hiesigen Banken – damit sich ein solches Debakel auch ja nicht wiederhole.

In den vergangenen Jahren wurde bei uns in der Schweiz der Grundstein für eine deutliche Verschärfung der Eigenmittelvorschriften gelegt. Weil die als systemrelevant geltenden Banken im Krisenfall zu gross für unser Land sind, gehen die zukünftigen Mindestanforderungen für die Kernkapitalquote (Tier 1) und die ungewichtete Kapitalquote, im angelsächsischen Sprachraum Leverage Ratio genannt, weit über die internationalen Vorgaben nach Basel III hinaus. Diese deutlich strengere Auslegung wird in Fachkreisen als "Swiss Finish" bezeichnet.

Zwar gehen die Erwartungen über die letztendlich notwendige Kapitalausstattung noch immer auseinander. Bei der Kernkapitalquote erreichen sie allerdings Werte von bis zu 19 Prozent und beim „Leverage Ratio“ von bis zu 5 Prozent.

Zum Vergleich: Bei der deutlich besser kapitalisierten UBS dürften die Kernkapitalquote (Tier 1) Ende Dezember bei 13,5 Prozent und das Leverage Ratio 3,5 Prozent betragen haben. Anders die Credit Suisse, bei welcher nach dem milliardenschweren Vergleich mit dem amerikanischen Justizministerium mit Stichtag von Ende Dezember von einer Kernkapitalquote (Tier 1) von 11,2 Prozent und einer ungewichteten Kapitalquote von 3,2 Prozent ausgegangen wird.

Kursentwicklung der Aktien von Credit Suisse (rot) und UBS (grün) über die letzten 12 Monate; Quelle: www.cash.ch

Wie mir aus Frankfurt berichtet wird, spekuliert dort ein bekannter Börsenbrief auf eine Aufweichung der unter dem "Swiss Finish" geplanten Eigenmittelvorschriften. Dabei ist von einer Annäherung an die europäischen Normen nach „Basel III“ zu hören. Im gleichen Atemzug heisst es allerdings, dass der Börsenbrief der Leserschaft schon seit einer ganzen Weile die Aktien der beiden Schweizer Grossbanken schmackhaft mache.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die zukünftigen Eigenmittelvorschriften in der Schweiz aufgeweicht werden - zu sehr ist sich die hiesige Politik der Problematik rund um die für unser kleines Land zu grossen systemrelevanten Banken bewusst.

So bleibt hinter den aus Frankfurt eintreffenden Spekulationen denn auch nichts anderes als Positionsgehabe eines bekannten Börsenbriefs zu vermuten - so gerne die Aktionäre von UBS und Credit Suisse diesen auch Glauben schenken möchten...

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Na, das ging aber schnell: Das Jahr 2017 ist nur wenige Tage alt, da sehen sich die Strategen der Deutschen Bank bereits zu einer Erhöhung ihrer im Dezember kommunizierten Jahresendziele für europäische Aktienindizes gezwungen (siehe Artikel vom 9. Dezember).

Anders als viele ihrer Berufskollegen sahen die Experten den breit gefassten Stoxx Europe 600 Index damals innerhalb von etwas mehr als 12 Monaten auf 345 Punkte fallen. Neben der Wachstumsflaute bei den Unternehmensgewinnen argumentierte man bei der deutschen Grossbank auch mit den politischen Unsicherheiten rund um die anstehenden Wahlen in Frankreich und den Niederlanden sowie mit nachlassenden geldpolitischen Impulsen.

Höhenflug des Stoxx Europe 600 Index der letzten Wochen; Quelle: www.cash.ch

Neuerdings sehen die Strategen das gerade bei institutionellen Investoren viel beachtete Börsenbarometer bis Ende Jahr auf 375 Punkte klettern, was einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von immerhin knapp 3 Prozent entspricht.

Begründet wird die Erhöhung mit den besseren weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, den gestiegenen Rohstoffpreisen sowie mit dem zuletzt schwächeren Euro. An den Branchenpräferenzen der Experten ändert sich indes wenig: Anlegern wird weiterhin zu defensiven Qualitätsaktien, insbesondere zu Pharmawerten geraten. Aus Schweizer Sicht ist das zu begrüssen, ist dieses Titelsegment bei den im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Unternehmen doch für zwei Drittel der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

 

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