Wie angeschlagen ist der SMI wirklich?

Weshalb Anleger beim SMI trotz verletztem Aufwärtstrend die Flinte noch nicht ins Korn werfen sollten - Fondsmanager halten den Dollar für stark unterbewertet – Und: Steigt die Migros bei Kuoni aus?
18.12.2013 12:30
cash Insider
Wie angeschlagen ist der SMI wirklich?

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Der Swiss Market Index hat diese Woche charttechnisch betrachtet gleich in zweifacher Hinsicht Porzellan zerschlagen. Das Börsenbarometer fiel bei 7920 Punkten nicht nur aus dem seit August 2011 entstandenen Aufwärtstrend, es verletzte auch gleich noch den gleitenden Durchschnitt auf 200 Tage.

Damit rückt die zwischen 7740 und 7750 Zählern verlaufende Unterstützungszone in den Mittelpunkt des Handelsgeschehens. In den letzten Tagen ritten die Baissiers einen ersten Angriff auf diese Zone, allerdings ohne einen Sieg davonzutragen. Zuvor scheiterten die Baissiers schon Ende August und Mitte Oktober an der besagten Unterstützungszone.

Kapitulieren die Haussiers an der Schlüsselunterstützung bei 7740 Punkten, droht dem Swiss Market Index in einem ersten Schritt ein Rückschlag in die Region von 7250 bis 7500 Zählern. Dort dürfte sich dann entscheiden, ob das Börsenbarometer zu einer Erholung ansetzen kann oder weiter zurückfällt.

Obschon der Swiss Market Index seinen langfristigen Aufwärtstrend verletzt hat, rate ich vorerst entschieden davon ab, die Flinte voreilig ins Korn zu werfen. Denn schon seit Tagen haben sich die Handelsaktivitäten hierzulande kontinuierlich ausgedünnt. Und die kommenden zwei Wochen werden diesbezüglich wohl auch nicht besser. In einem dünnen Handel sind charttechnische Fehlsignale nichts Ungewöhnliches und zuverlässige Anhaltspunkte deshalb wohl erst im neuen Jahr wieder zu erwarten.

Um neues Momentum aufzubauen, bedarf es beim Börsenbarometer in den ersten Januar-Wochen allerdings eines Anstiegs über die bisherigen Jahreshöchststände bei 8411 Punkten. Erst ab dann ist eine Fortsetzung der mehrjährigen Hausse wahrscheinlich.

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Einmal im Monat führt Merrill Lynch eine Umfrage bei Fondsmanagern und Vermögensverwaltern durch. So auch in der Zeit vom 6. bis zum 12. Dezember. Befragt wurden 188 Entscheidungsträger mit verwalteten Vermögen im Umfang von 530 Milliarden Dollar.

Nur gerade 10 Prozent aller Umfrageteilnehmer rechnen damit, dass die US-Notenbank schon heute eine Drosselung des Rückkaufprogramms für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken ankündigen wird. 32 Prozent erwarten solche Neuigkeiten für Januar, 42 Prozent der Befragten für März nächsten Jahres. Noch im Vormonat gingen nur halb so viele Umfrageteilnehmer von einer Drosselung des Rückkaufprogramms im Dezember oder Januar aus.

Möglicherweise wird der Dollar gerade deshalb als stark unterbewertet bezeichnet. Merrill Lynch berichtet in diesem Zusammenhang vom zweithöchsten je erzielten Umfragewert. Der höchste Wert geht in den August 2008 zurück. Er stand damals am Anfang einer mehrmonatigen Aufwärtsbewegung des handelsgewichteten Dollars.

Die Ausgangslage für den Dollar hat sich meines Erachtens deutlich aufgehellt. Zum einen scheint endlich Bewegung in die Geldpolitik der US-Notenbank zu kommen. Auch wenn eine diesbezügliche Kehrtwende noch immer Zukunftsmusik ist, sollte dies dem Greenback zusehends helfen. Mich würde nicht erstaunen, wenn der Dollar die Talsohle gegen den Franken mittlerweile durchschritten hat.

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Wider meinen anders lautenden Erwartungen hat die Beteiligungsreduktion der Migros bei Kuoni keine hohen Wellen geworfen. Vermutlich ist die Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börsenbetreiberin SIX verantwortlich dafür. Der Meldung zufolge ist die Beteiligung nach der Ausübung von Finanzinstrumenten unter den meldepflichtigen Schwellenwert von 5 Prozent gefallen.

Über die Aussagekraft der Offenlegungsmeldung lässt sich durchaus streiten. Allerdings sollte nicht vergessen gehen, dass die Migros und ihre Tochter Globus bis vor wenigen Jahren direkt und indirekt 8,5 Prozent aller Stimmen auf sich vereinten. In der Zeit bis Anfang Oktober dieses Jahres schmolz der Stimmenanteil auf 5,15 Prozent.

Nachdem der meldepflichtige Schwellenwert von 5 Prozent unterschritten ist, kann die Grossaktionärin ihre am rivalisierenden Reiseanbieter gehaltene Beteiligung weiter reduzieren, ohne Schlagzeilen befürchten zu müssen. Vor dem Hintergrund der Neubeurteilung und Bewertung dieser Aktien wäre dies dem orangen Detailhandelsriesen nicht zu verübeln.

Umstimmen liesse sich die Migros vermutlich durch die MainFirst Bank. Letztere empfiehlt die Aktien offiziell zwar nur mit «Outperform» und einem Kursziel von 500 Franken zum Kauf. Inoffiziell heisst es aus der Handelsabteilung des Bankinstituts, dass sich die Papiere über die kommenden 24 Monate im Kurs verdoppeln könnten.

Der Verfasser des Kommentars sieht insbesondere im Geschäftskundenbereich Raum für einen in Zukunft grösseren Gewinnbeitrag. Doch auch im Visageschäft und bei den Gruppenreisen seien im kommenden Jahr Ergebnisverbesserungen zu erwarten. Sollte Kuoni den EBIT von heute 180 auf 250 Millionen Franken steigern können, sei ein Aktienkurs von rund 650 Franken angemessen. Im Kommentar wird allerdings darauf hingewiesen, dass es sich hierbei nicht um die Meinung des verantwortlichen Experten bei der MainFirst handelt.