Wie angeschlagen ist der SMI wirklich?

In Marktkreisen sorgt der jüngste Rücksetzer des Swiss Market Index für Gesprächsstoff. Der cash Insider geht deshalb der Frage nach, wie angeschlagen das Börsenbarometer tatsächlich ist.
19.06.2015 12:30
cash Insider
Wie angeschlagen ist der SMI wirklich?

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Ins Deutsche übersetzt heisst "Sell in May and go away" soviel wie "Verkaufe im Mai und laufe davon". Diese alte und zugegebenermassen etwas gar abgegriffene Börsenweisheit liess sich bis heute nie statistisch erhärten. Was nicht ist, kann aber noch werden. Denn für viele Marktakteure überraschend, befindet sich der Swiss Market Index (SMI) seit gut drei Wochen auf Talfahrt.

Rückblickend ist man immer schlauer. Das geht auch mir so. Ansonsten wäre mir vermutlich früher ins Auge gestochen, dass die Namenaktien von Nestlé, Roche und Novartis sogar schon seit Mitte April angeschlagen sind. Das ist an Brisanz nicht zu überbieten, sind die Valoren der drei Vorzeigeunternehmen beim viel beachteten Börsenbarometer doch für gut die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung verantwortlich. Mit anderen Worten: Beginnen diese Indexschwergewichte zu fiebern, verschlägt es den SMI mit einer Grippe ins Bett.

Erwiesen sich bis vor wenigen Tagen noch Umschichtungen aus dem als defensiv verschrienen Pharma- sowie dem Nahrungsmittelsektor in konjunkturabhängige Aktien als belastend, so sorgen immer öfter auch Absicherungstransaktionen über die Index-Futures für Verkaufsdruck.

Charttechnisch betrachtet sind die Aktien von Nestlé am stärksten angeschlagen. Seit ihrem Rekordhoch von Mitte April bei 77 Franken haben sie knapp 12 Prozent an Wert eingebüsst und dabei den trendbestimmenden gleitenden Durchschnitt bei 71,70 Franken schon vor Wochen verletzt. Nun nähert sich zu allem Unglück auch noch der gleitende Durchschnitt auf 50 Tage jenem auf 200 Tage von oben. Schneiden sich die beiden gleitenden Durchschnitte, kommt es zum gefürchteten "Kreuz des Todes".

Ein ähnliches Schicksal erwartet auch die Genussscheine von Roche. Nur noch wenige Prozentpunkte trennen die Valoren des Basler Pharmakonzerns von der Schlüsselunterstützung bei 250 Franken. Bei einem Bruch droht ein Rückschlag in die Region der bisherigen Jahrestiefstkurse von Mitte Januar bei 240 Franken, was den SMI rund 115 Punkte kosten würde.

Da stehen die Aktien von Novartis vergleichsweise noch gut da. Zwar fiel der Kurs gestern bei 92,50 Franken vorübergehend unter den gleitenden Durchschnitt auf 200 Tage. Solange die Papiere nicht wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 90 Franken fallen, sollte sich der Verkaufsdruck nicht intensivieren.

Der SMI selber gibt vorerst noch Rätsel auf. Seit das Börsenbarometer am vergangenen Freitag unter die psychologisch wichtige Marke von 9000 Punkten tauchte, hat es einen eher schweren Stand. Wie mir berichtet wird, treffen seit dem späten Mittwochnachmittag erstmals grössere Verkaufsaufträge aus dem Lager ausländischer Institutioneller ein. Händlern zufolge erstrecken sich diese bislang auf die drei Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis, was die teilweise riesigen ausserbörslichen Blocktransaktionen der letzten Tage erklären würde.

Dass der SMI nach dem jüngsten Rückschlag eine negative Jahresperformance von knapp 2 Prozent aufweist, ist alles andere als hilfreich. Relativieren lässt sich dieses Minus nicht nur mit den im Laufe des Frühlings abgegangenen Dividenden, sondern auch mit den Folgen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses von Mitte Januar.

Gestern fiel das Börsenbarometer vorübergehend in die Nähe der Schlüsselunterstützung bei 8729 Zählern. Dort wusste es sich schon Anfang Mai nach einer mehrwöchigen Schwächephase wieder zu fangen. Nicht auszudenken, was wäre, wenn diese Unterstützung kommende Woche in eine Schlusslesung hinein unterschritten würde. Einem Rückschlag in die Region von 8200 bis 8500 Punkten stünde dann vermutlich nichts mehr im Wege.

In der Annahme, dass es sich beim Rückschlag von Anfang Mai um einen blossen Ausrutscher handelte, lässt sich mit etwas Fantasie eine mehrmonatige Schulter-Kopf-Schulter-Formation erkennen. Von der bereits verletzten Nackenlinie bei 9000 Zählern aus betrachtet, führt auch diese gemäss Lehrbuch in die Region von 8500 Punkten.

Noch will ich an dieser Stelle nicht den Teufel an die Wand malen. Es ist schlichtweg zu früh, um aus Anlegersicht die "Reissleine" zu ziehen. Mein Bauchgefühl sagt mir allerdings, dass die nächsten zwei Wochen beim SMI über den weiteren Jahresverlauf entscheiden könnten. Anhaltspunkte erhoffe ich mir dabei von den Valoren von UBS und Credit Suisse. Die beiden Grossbankaktien haben sich in der Vergangenheit schon mehrfach als zuverlässiger Frühindikator für unseren Schweizer Aktienmarkt verdient gemacht.

 

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