Wie angeschlagen sind SMI und SPI wirklich?

Der cash Insider sagt, wie stark der Schweizer Aktienmarkt nach dem jüngsten Rückschlag wirklich ist - Verschiebungen im Aktionariat von Meyer Burger - Und: Erhöht Temenos die firmeneigenen Jahresprognosen?
16.10.2014 12:30
cash Insider
Wie angeschlagen sind SMI und SPI wirklich?

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Auch am Schweizer Aktienmarkt hat der jüngste Rückschlag viele Marktakteure überrascht und "contre pieds" erwischt. Die schleichende Korrektur bei den konjunkturabhängigen Papieren hat mittlerweile auch die Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis erreicht. Schon seit Tagen erweisen sich aggressive Absicherungstransaktionen in den SMI-Futures als Hypothek für diese Valoren.

Diese Absicherungstransaktionen kommen nicht von ungefähr, sind die hiesigen Aktienindizes doch angeschlagen. Erst vergangene Woche verletzte der breit gefasste Swiss Performance Index bei 8280 Punkten seinen seit dem Rückschlag vom Sommer 2011 entstandenen Aufwärtstrend, genauso wie unter den ebenfalls in dieser Region verlaufenden gleitenden Durchschnitt auf 200 Tage. In der Folge fiel das Börsenbarometer nicht nur auf, nein sogar unter das im August erlittene Zwischentief von 8100 Punkten.

Mit dem Rückschlag unter diese Schlüsselunterstützung droht der Deich auch hierzulande zu brechen. Denn findet der Swiss Performance Index nicht rasch wieder auf über 8100 Zähler zurück, könnte seine charttechnische Ausgangslage irreparablen Schaden nehmen. Eine Fortsetzung der Korrektur in Richtung von 7200 Punkten wäre dann nicht mehr länger zu vermeiden. Mit einer weiteren Abgabewelle ist vor allem dann zu rechnen, wenn das Börsenbarometer unter den Schlussstand von Ende letzten Jahres bei 7838 Zählern fällt.

Was mir Sorgen bereitet, sind auch die charttechnisch angeschlagenen Indexschwergewichte. Noch bis vor gut zwei Wochen waren diese ein wichtiges Rückgrat für unseren Heimmarkt. Doch auf die Hilfe der Aktien von Nestlé können die Haussiers nach den ernüchternden Neunmonatsumsatzzahlen von heute vermutlich nicht mehr zählen. Und auch die Bons von Roche und die Aktien von Novartis kommen als Zugpferde für den Schweizer Aktienmarkt immer weniger in Frage.

Letztere scheinen mir kurzfristig zwar stark überverkauft und reif für eine technisch bedingte Gegenbewegung zu sein. Vermutlich erweist sich eine solche allerdings als ein Strohfeuer. Auch hierzulande lautet der Tenor noch immer: In Rückschläge hinein Aktien kaufen. Wie mir aus dem Berufshandel berichtet wird, geht den mutigen Käufern immer mehr der Atem aus.

Meines Erachtens hat der Schweizer Aktienmarkt charttechnisch betrachtet erheblichen Schaden erlitten. Obschon der Swiss Performance Index von seinem Rekordstand von Mitte September um knapp 10 Prozent zurückgefallen ist, scheint mir die Korrektur noch nicht ausgestanden. Noch angeschlagener ist der Swiss Market Index, obschon dieser als Preisindex nur bedingt aussagekräftig ist. Ich bleibe deshalb bei meiner seit dem Bruch des mehrjährigen Aufwärtstrends durch den Swiss Performance Index vorsichtigen Haltung (siehe Kolumne vom 9.10.2014).

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Schon seit Tagen hangeln sich die Namenaktien von Meyer Burger unbemerkt von einem Jahrestiefst zum nächsten. Unbemerkt deshalb, weil die Talfahrt bislang von eher dünnen Handelsaktivitäten begleitet wurde.

Gestern Nachmittag waren allerdings erstmals grössere ausserbörsliche Blocktransaktionen zu beobachten. Mittels mehrerer solcher Transaktionen wechselten insgesamt 1,82 Millionen Titel im Gegenwert von knapp 15 Millionen Franken die Hand, was ziemlich genau zwei Prozent der ausstehenden Aktien entspricht.

Zum Verkäufer lassen sich genauso wie über seine Gegenpartei nur Vermutungen anstellen. Fakt ist, dass mit dem Einstieg der Capital Group wieder Bewegung ins Aktionariat von Meyer Burger kommt. Mich würde nicht erstaunen, gingen auch die ausserbörslichen Transaktionen von gestern auf das Konto der Amerikaner.

Mit der kürzlich ausgegebenen Wandelanleihe hat sich das im bernischen Gwatt beheimatete Solarzulieferunternehmen wieder etwas Luft verschafft. Doch obschon es in den vergangenen Wochen den einen oder anderen nicht genauer bezifferten Auftrag vermelden konnte, will die Auftragsflaute nicht nachlassen.

Es ist nicht auszuschliessen, dass der eine oder andere Aktienanalyst noch einmal mit dem dicken Rotstift über seine diesjährigen Schätzungen gehen muss. Anpassungsbedarf sehe ich insbesondere beim für die UBS Investmentbank tätigen Experten und seiner Kaufempfehlung mit einem 12-Monats-Kursziel von 15 Franken.

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Obschon die Namenaktien von Temenos schon seit Tagen einen schweren Stand haben, haftet dem in Genf niedergelassenen Hersteller von Bankensoftware noch immer der Ruf des Börsenlieblings an.

Darf man dem für die MainFirst Bank tätigen Experten glauben, dann wird sich daran so schnell nichts ändern. Im Hinblick auf die Quartalsergebnispräsentation vom kommenden Dienstag sagt er dem Unternehmen nicht nur einen soliden Zahlenkranz, sondern auch eine Erhöhung der Jahresprognosen vorher.

Bisher stellt Temenos den Aktionären ein Wachstum bei den Lizenzeinnahmen von 10 bis 15 Prozent zu konstanten Wechselkursen sowie eine im Jahresvergleich um 100 Basispunkte höhere operative Marge in Aussicht.

Der Experte sieht zumindest Raum für eine Prognoseerhöhung ans obere Ende der für die Lizenzeinnahmen kommunizierten Bandbreite. Mit dieser Erwartung steht er allerdings nicht alleine da, nehmen die stolz bewerteten Aktien des Bankensoftwareherstellers eine solche doch mehr als vorweg.