Wie BlackRock & Co. mit den Schweizern spielen

Der cash Insider weiss von interessanten Beteiligungsveränderungen von BlackRock und anderen mächtigen Grossinvestoren zu berichten - Und: Die Aktien der Credit Suisse gibt es jetzt zum Preis der Universalbank Schweiz.
29.06.2016 12:30
cash Insider
Wie BlackRock & Co. mit den Schweizern spielen
Bild: fotolia.com

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Das Ganze scheint System zu haben: Schon seit Monaten nehmen ausländische Grossinvestoren bei uns am Schweizer Aktienmarkt jeweils unmittelbar vor Kursrückschlägen ihr "Smart Money" vom Tisch. Das war erstmals in der zweiten Dezemberhälfte (siehe Artikel vom 8. Januar) zu beobachten, genauso wie Mitte März (siehe Kolumne vom 9. März) und zuletzt vor gut einer Woche wieder.

Es ist, als hätten diese mächtigen Marktakteure den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union (EU) und die darauffolgenden Börsenturbulenzen rechtzeitig antizipiert - während ihre hiesigen Gegenspieler bis zuletzt blauäugig mit einem Verbleib des Inselreichs im Länderverbund rechneten.

Nur so lässt sich nämlich erklären, weshalb die Wellington Management Group ihre an Julius Bär gehaltene Beteiligung in den Wochen bis zum 22. Juni von 4,89 auf 2,96 Prozent reduziert hat. Damals standen die Aktien der Traditionsbank aus Zürich noch um knapp 17 Prozent höher bei 43,75 Franken. Die dazugehörende Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX flimmerte übrigens erst gestern über den Ticker.

Ähnlich verhält es sich bei Temenos, der bekannten Softwareschmiede aus Genf. In böser Vorahnung warf BlackRock, der grösste Vermögensverwalter der Welt, Titel auf den Markt. Dabei unterschritt er am 20. Juni den Schwellenwert von 3 Prozent, womit auch er meldepflichtig wurde. Seither haben die Aktien im Zuge des Ausverkaufs bei den Finanzwerten knapp 20 Prozent eingebüsst.

Die Capital Group, ein grosser amerikanischer Fondsanbieter, nahm hingegen eine Halbierung seines an Meyer Burger gehaltenen Beteiligungspakets vor. Er wurde ebenfalls am 20. Juni meldepflichtig, als der Schwellenwert von 5 Prozent unterschritten wurde. Vermutlich hat sich der Grossaktionär seither von weiteren Aktien getrennt. Händler vermuten einen rund 5 Prozent über dem aktuellen Kurs liegender Verkaufserlös je Aktie. Mit Platinum Asset Management, dem Hedgefonds des australischen Milliardärs Kerr Neilson trennte sich ein zweiter Grossinvestor unmittelbar vor dem Börsenrücksetzer von Aktien des Solarzulieferunternehmens aus dem bernischen Gwatt. Dabei verringerte sich der Stimmenanteil auf 2,98 (4,96) Prozent.

Ebenfalls auffällig: In den vergangenen 10 Tagen gingen bei der Schweizer Börse SIX keine Beteiligungserhöhungen ausländischer Grossinvestoren ein. Spätestens nächste Woche wird sich zeigen, ob BlackRock & Co. die Gunst der Stunde genutzt und ihre Schweizer Aktienbestände nach dem jüngsten Kursrückschlag wieder aufgestockt haben.

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Der Credit Suisse wird im laufenden Jahr die wenig ruhmreiche Rolle des Schlusslichts unter den im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Unternehmen zuteil. Das mag ebenso mit den turbulenten Finanzmärkten wie mit dem lustlosen Verhalten der Anlagekunden zu tun haben - aber eben nicht nur.

Was die Eigenkapitaldecke anbetrifft, ist die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken schon eine ganze Weile keine Musterschülerin mehr. Und das, obschon sie in den vergangenen Jahren gleich zweimal die Aktionäre um zusätzliches Geld bitten musste. Letztmals erst im Oktober.

Innerhalb nur weniger Monate hat sich der Börsenwert der Credit Suisse auf 20 Milliarden Franken halbiert. Das Fenster für eine weitere Kapitalerhöhung hat sich damit erst einmal geschlossen. Was bleibt, ist der jüngsten Forderung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Folge zu leisten und weitere nachrangige Schuldverschreibungen zu platzieren. Gerade die Grossaktionäre aus dem Nahen Osten haben allerdings schon eine ganze Menge solcher in den Büchern. Darüber hinaus sind diese Schuldverschreibungen überaus gut verzinst, was die zukünftigen Gewinne der Bank schmälert.

Der Kurszerfall der letzten Tage nimmt ein immer beängstigerendes Ausmass an. Mittlerweile bekommt man als Anleger den gesamten Konzern zum Preis der Universalbank Schweiz. Teile davon will die Credit Suisse im Laufe des nächsten Jahres an die Schweizer Börse SIX bringen. Wie mit den nachrangingen Schuldverschreibungen lässt sich auch damit bloss die Eigenkapitaldecke stärken - man ahnt es schon - zu Lasten künftiger Gewinne.

Der Aktienkurs der Credit Suisse werde alleine schon der Universalbank Schweiz wegen die vielfach beschworene nächste magische Kursgrenze von 10 Franken nicht verletzen, so schrieb die Zürcher Kantonalbank erst vor gut einer Woche in einer Unternehmensstudie. Zu dem Zeitpunkt bezifferte der Studienverfasser den Wert dieser Geschäftseinheit mit rund 20 Milliarden Franken.

Noch sind die Aktien der Schweizer Grossbank nicht in den einstelligen Kursbereich gefallen. Laut daran gekratzt haben sie gestern allerdings schon mal. Dieses Kratzen dürfte womöglich bis in die Chefetage zu hören gewesen sein...
 

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