Wie sicher sind die Dividenden bei «Zurich» & Co?

Gleich zwei Analysten äussern sich zu den Dividendenaussichten von Zurich Insurance und anderen Versicherungsunternehmen - Und: ABB beauftragt ausgerechnet Goldman Sachs mit Abwehrmassnahmen.
20.09.2016 12:30
cash Insider
Wie sicher sind die Dividenden bei «Zurich» & Co?
Bild: fotolia.com

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Der Versicherungsmarkt Schweiz zählt zu den rentabelsten der Welt. Nirgendwo sonst sind die Margen so hoch wie bei uns. Davon bekommen auch die Aktionäre etwas ab: Bei den im Swiss Market Index (SMI) berücksichtigten Grossunternehmen zahlen Zurich Insurance Group und Swiss Re die mit Abstand grosszügigsten Dividenden - und das schon seit Jahren.

Trotzdem liess sich mit Versicherungsaktien aus der Schweiz über die letzten 12 Monate kein Geld verdienen. Die üppigen Ausschüttungen vom Frühjahr mit einbezogen lässt sich bestenfalls von einem Nullsummenspiel sprechen.

Der Grund: Im Zuge der Politik des billigen Geldes sind die Anleihenrenditen noch einmal kräftig gefallen. Das trifft auch die Versicherungsgesellschaften, lassen sich die vor sich her geschobenen Prämieneinnahmen doch kaum noch rentabel anlegen. Alleine das reisst bei einigen Unternehmen schon ein Loch in die Kasse. Dazu kommen Zweifel an der Reservepolitik, welche sich damit erklären lassen, dass Branchengrössen wie die Zurich Insurance Group oder Bâloise in den vergangenen Jahren zu schmerzhaften Nachreservierungen gezwungen waren.

In einer Studie zum europäischen Versicherungssektor setzen sich die Autoren von Barclays Capital heute mit genau dieser Thematik auseinander. Und um es vorweg zu nehmen: Die Experten wähnen die attraktiv hohen Dividenden bis auf weiteres in trockenen Tüchern. Das allerdings nur, solange es an den Finanzmärkten nicht zu stärkeren Turbulenzen kommt.

Was die Dividendenaussichten bei der Zurich Insurance Group anbetrifft, geben die Studienverfasser Entwarnung. Die Gefahr von Nachreservierungen sei mittlerweile verschwindend klein und die in der Vergangenheit eingeleiteten Restrukturierungen würden erste Früchte tragen, so heisst es. Deshalb erachten die Experten die heutige Dividendenpolitik zusehends als nachhaltig, was die mit "Overweight" und einem Kursziel von 279 Franken empfohlenen Aktien zu einem von drei Favoriten der britischen Grossbank macht.

Der für das Bankhaus Lampe tätige Versicherungsanalyst kommt in einer ebenfalls heute veröffentlichten Branchenstudie zu einem sehr ähnlichen Urteil. Er geht bei den durch ihn abgedeckten Versicherungsunternehmen auf Jahre hinaus von einer stabilen Gewinn- und Dividendenentwicklung aus. Dank der soliden Eigenkapitaldecke hält der Experte sogar moderate Dividendenerhöhungen für möglich.

Für die Aktien der Zurich Insurance Group findet er dennoch keine guten Worte. Obschon er das Kursziel neu auf 240 (220) Franken erhöht, stuft er erstere in der Studie von "Hold" auf "Sell" herunter. Mit einer Dividendenkürzung rechnet man zwar auch beim Bankhaus Lampe nicht. Doch anders als bei anderen europäischen Versicherungsunternehmen schätzt der Studienverfasser den finanziellen Spielraum für Erhöhungen ebenfalls als sehr gering ein.

Meines Erachtens kommen an attraktiv hohen Ausschüttungen interessierte Anleger nicht um die Versicherungsaktien aus der Schweiz herum - auch als sinnvolle Alternative zu den Aktien der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

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Es brodelt im Aktionariat von ABB, so lasse ich mir sagen. Denn seit dem Wochenende wissen wir, weshalb Cevian Capital und andere Grossaktionäre im Vorfeld des diesjährigen Investorentages die Öffentlichkeit suchen: Der Industriekonzern aus Zürich will am Stromübertragungsgeschäft festhalten.

Die Grossaktionäre argumentieren allerdings, dass die einzelnen Geschäftsbereiche von ABB an der Börse womöglich sehr viel mehr wert sein könnten als der Industriekonzern es heute ist. Deshalb fordern sie schon seit Wochen lauthals einen Börsengang des Stromübertragungsgeschäfts. Cevian Capital hausiert in diesem Zusammenhang sogar mit einem fairen Wert von 35 Franken je Aktie.

ABB habe Goldman Sachs mit der Errichtung eines Abwehrdispositivs gegen die abtrünnigen Aktionäre beauftragt, so heisst es heute in der schwedischen Presse.

Ausgerechnet Goldman Sachs, dürften viele meiner Leserinnen und Leser jetzt denken. Schliesslich empfiehlt die amerikanische Investmentbank die Aktien des Industriekonzerns hartnäckig mit einem 12-Monats-Kursziel von 17 Franken zum Verkauf.

Doch gerade das macht Goldman Sachs zum richtigen Ansprechpartner. Denn ABB braucht Argumente, weshalb sich mit einer Unternehmensaufspaltung eben gerade keine Aktionärswerte schaffen lassen.

Obwohl Cevian Capital die Beteiligung zuletzt auf 6,2 Prozent ausgebaut hat und auf die prominente Unterstützung von Trittbrettfahrern wie Nordea oder Artisan Partners zählen kann, wird der Grossaktionär seiner Forderung womöglich nicht genügend Nachdruck verleihen. Ein kleines Trostpflaster könnte das gerüchteweise herumgereichte Aktienrückkaufprogramm von bis zu 4 Milliarden Dollar sein, mit welchem ABB die Aktionäre angeblich versöhnlich stimmen will.

 

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