Wilde Spekulationen - Erhöht die SNB die Jahresdividende?

Ein bekannter deutscher Börsenbrief schürt bei den Aktien der Schweizerischen Nationalbank Dividendenfantasien - Und: Berüchtigter Hedgefonds macht Temenos das Leben schwer.
23.02.2018 12:30
cash Insider
Erhöht die SNB die Jahresdividende?
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Die Aktien der Schweizerische Nationalbank (SNB) sind ein Spielball der Spekulanten - und das schon seit Sommer des letzten Jahres.

Stein des Anstosses war eine aggressive Kaufempfehlung in einem geläufigen deutschen Börsenbrief. Diese heizte den schlecht handelbaren Valoren über die Sommermonate letzten Jahres kräftig ein. Innerhalb kürzester Zeit schossen die Kurse damals von 2000 auf über 4700 Franken hoch (siehe "Geheimnis um Höhenflug der SNB-Aktie gelüftet" vom 21. August).

Spekulationsgetriebener Höhenflug der SNB-Aktien der letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Vor wenigen Wochen sprach derselbe Börsenbrief erneut eine Kaufempfehlung aus, nachdem die SNB kurz zuvor einen Rekordgewinn von 54 Milliarden Franken verkündet hatte. Und wieder stiessen die vom Autor verbreiteten Halbwahrheiten auf offene (Anleger-)Ohren. Im Zuge aggressiver Käufe aus unserem nördlichen Nachbarland stiegen die Aktien bei 6800 Franken auf den höchsten Stand in der traditionsreichen Unternehmensgeschichte (siehe "Steigt die SNB-Aktie auf 6000 Franken" vom 12. Januar).

Davon sind die Valoren mehr als 1200 Franken zurückgefallen, was der bekannte Börsenbriefautor heute zum Anlass nimmt, mit einer ausführlichen Kaufempfehlung nachzulegen.

Er räumt mittlerweile zwar ein, dass die Rechte der Aktionäre durch das Nationalbankengesetz stark eingeschränkt seien. Allerdings sei die Dividendenpolitik nicht in Stein gemeisselt und werde alle fünf Jahre zwischen der SNB und dem Eidgenössischen Finanzdepartement neu ausgehandelt, so lässt der Autor seine Leserschaft wissen.

Seines Erachtens wecken die Milliardengewinne der letzten Jahre seitens der Politik Begehrlichkeiten, weshalb er die SNB unter Druck sieht, die Dividende neu zu diskutieren.

Dabei werden einmal mehr Äpfel mit Birnen verglichen. Die von Gesetzes wegen auf höchstens 6 Prozent des Aktienkapitals begrenzte Dividende an die Aktionäre ist das eine, die jährlich bis zu 2 Milliarden Franken an Bund und Kantone das andere.

Den Vergleich der Aktien der SNB mit einer Anleihe der Schweizerischen Eidgenossenschaft kann ich mittlerweile nicht mehr hören. Alleine schon der hohen Kursschwankungen wegen hinkt dieser Vergleich. Das einzige, was beide verbindet ist, dass sie aus Anlegersicht kaum einen Ertrag abwerfen.

Die zuletzt stark rückläufigen Tagesvolumen lassen darauf schliessen, dass es dem Börsenbrief zusehends schwer fällt, neue Käufer mobilisieren zu können. Womöglich kommen wir dem Platzen dieser wenn auch kleinen Spekulationsblase damit einen entscheidenden Schritt näher.

+++

Auf das milliardenschwere Angebot von Temenos für die britische Fidessa reagiert die Börse, wie sie es immer tut: mit Vorbehalten.

Die Übernahme sei teuer und verwässere auf kurze Sicht sowohl die Wachstumsaussichten als auch die Margen, so verlautet aus den unterschiedlichsten Ecken. Mit anderen Worten: Man hätte die erfolgsverwöhnte Bankensoftwareschmiede aus Genf viel lieber aus eigener Kraft wachsen sehen.

Temenos will die Vorbehalte nicht gelten lassen und stellt bereits ab diesem Jahr eine Gewinnverdichtung in Aussicht. Nicht zuletzt aus Eigennutz - lässt sich der Kaufpreis für Fidessa doch nur über die Ausgabe neuer Aktien oder einer Wandelanleihe stemmen. Die noch ungelöste Refinanzierungsfrage im Hinterkopf, kommt der Kursrückgang der letzten Tage höchst ungelegen.

Nun meldet sich auch noch der für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen berüchtigte Hedgefonds Elliott zu Wort. Die Amerikaner - sie sind eigenen Angaben zufolge Herr über knapp 5 Prozent der Stimmen - lassen keine Zweifel offen, dass sich Fidessa unter Wert verkauft.

Schon seit Wochen haben die Aktien von Temenos einen schweren Stand (Quelle: www.cash.ch)

Elliott lehnt das Angebot zwar nicht ab, verlangt von den Briten jedoch, eventuelle Gegenangebote zu prüfen. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Hedgefonds eine Nachbesserung des ursprünglichen Angebots erringen würde.

Die Entscheidungsträger von Temenos finden sich in einem Dilemma wieder: Erhöhen sie auf Druck der Amerikaner hin die Offerte oder lassen sie sich gar in einen Bieterstreit hineinziehen, nehmen sie vorübergehend einen Wachstumsdämpfer und eine Gewinnverwässerung in Kauf. Beides käme an der Börse vermutlich nicht gut an...

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.