«Wir befinden uns in einer schleichenden Baisse»

Der cash Insider über den ominösen Käufer amerikanischer Aktien, die Situation am Schweizer Aktienmarkt und die Entwicklung seiner Schweizer Aktienfavoriten im Juli.
08.08.2016 12:30
cash Insider
«Wir befinden uns in einer schleichenden Baisse»
Bild: fotolia.com

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Jeweils einmal die Woche bietet der Chefstratege von Merrill Lynch Einblick in die Handelstätigkeit seiner Grosskunden. Diese werden im Fachjargon gerne auch als "Smart Money" bezeichnet, sind sie allen anderen Marktakteuren doch häufig einen entscheidenden Schritt voraus.

Schon seit Monaten weiss der Stratege Woche für Woche von  milliardenschweren Nettoverkäufen in den amerikanischen Aktien zu berichten. Das geht mittlerweile seit 25 aufeinanderfolgenden Wochen so. Erhebungen der amerikanischen Investmentbank zufolge haben sich die Grosskunden in dieser Zeit von Aktien im Gesamtwert von 75 Milliarden Dollar getrennt. Und dennoch hangelt sich der breit gefasste S&P-500-Index von einem Rekordhoch zum nächsten.

"Das Smart Money flüchtet aus Aktien", schrieb ich Ende April (siehe Kolumne vom 27. April) und vermutete die amerikanischen Unternehmen über ihre Aktienrückkaufprogramme selber als Gegenpartei der Grosskunden von Merrill Lynch.

Seit wenigen Tagen wissen wir nun: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) zählt nicht zu den Grosskunden der amerikanischen Investmentbank. Denn wie sich einer Offenlegungsmeldung an die mächtige amerikanische Börsenaufsicht SEC entnehmen lässt, handelt es sich beim ominösen Käufer um niemanden geringeren als unsere SNB. Alleine in der ersten Jahreshälfte stockte sie ihre Wetten in New York um 50 Prozent oder gut 20 Milliarden Dollar auf.

Das ist an Ironie kaum zu überbieten, wird neben der Hoffnung auf ein neues Kapitel in der "Politik des billigen Geldes" doch auch die Rekordjagd der amerikanischen Leitbörse als Grund für die jüngste Kurserholung am Schweizer Aktienmarkt genannt.

Mittlerweile trennen den breit gefassten Swiss Performance Index (SPI) nur noch knapp 3 Prozent vom Stand von Anfang Jahr. Allerdings darf dieses moderate Minus nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns gerade bei den grosskapitalisierten Standardwerten in einer schleichenden Baisse befinden. Gemäss Lehrbuch spricht man nämlich dann von einer solchen, wenn der Kurs einer Aktie von den Höchstkursen aus betrachtet um mindestens 20 Prozent gefallen ist. Das wiederum trifft auf den einen oder anderen Vertreter aus dem Swiss Market Index (SMI) zu.

Das Börsenbarometer scheint mir derzeit in einem engen Handelsband zwischen 7850 Punkten unten und 8260 Punkten oben gefangen zu sein. Erst ein Sprung über den charttechnischen Schlüsselwiderstand bei 8310 Zählern käme einem Befreiungsschlag gleich und würde die Basis für einen raschen Vorstoss in die Region von 8800 Punkten schaffen.

Ich sehe für unseren heimischen Aktienmarkt weiterhin Gefahren aus Übersee lauern. Einmal mehr wird die Rekordjagd an der amerikanischen Leitbörse nur von ein paar wenigen Indexschwergewichten getragen. Sollte es in New York zu einem Rücksetzer kommen, bliebe das auch bei uns nicht ohne Folgen für die Kursnotierungen.

Was meine Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 anbetrifft, fällt die Zwischenbilanz einmal mehr recht enttäuschend aus. Per Ende Juli errechnet sich zwar ein geringeres Minus als noch im Vormonat. Mit 7,55 Prozent liegt dieses allerdings weiterhin deutlich über jenem des Vergleichsindex.

Bilanz der letzten Jahre:

Jahr

Aktienfavoriten

SPI

2013

+40,1 Prozent

+23,9 Prozent

2014

+11,4 Prozent

+15,2 Prozent

2015

+4,1 Prozent

+2,4 Prozent

2016*

-7,6 Prozent

-2,9 Prozent

* = bis und mit 31. Juli

Negativ schlagen insbesondere die Aktien der UBS zu Buche. Sie litten einerseits unter dem allgemein schwachen europäischen Bankensektor und andererseits unter dem durchwachsenen Zahlenkranz für das zurückliegende zweite Quartal. Man kann der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken durchaus vorwerfen, sich zu wenig mit der Kostenseite auseinanderzusetzen (siehe Kolumne vom 3. August).

Aktuelle Titelpositionen:

LafargeHolcim N (VN1221405)

-7,8 Prozent

Zurich N (VN 1107539)

-9,4 Prozent

Basilea N (VN 1143244)

-25,9 Prozent

OC Oerlikon N (VN 0081682)

+0,7 Prozent

Roche GS (VN 1203204)

-3,9 Prozent

Syngenta N (VN 1103746)

+0,3 Prozent

GAM N (VN 10265962)

+9,9 Prozent

UBS Group N (VN 24476758)

-5,3 Prozent

Anders der Fondsanbieter GAM. Ihm sind in der ersten Jahreshälfte diesbezüglich Fortschritte gelungen. Allerdings machen der ehemaligen Tochter von Julius Bär Mittelabflüsse in Milliardenhöhe das Leben schwer. Im Kursplus von 9,9 Prozent spiegelt sich der Rücksetzer von Anfang August noch nicht wider.

Dasselbe gilt allerdings auch für die positive Kursreaktion der Aktien von LafargeHolcim auf das besser als erwartet ausgefallene Quartalsergebnis vom Freitag. Endlich kann der Weltmarktführer unter den Zementherstellern von den erhofften Synergien aus dem Zusammenschluss von Holcim und Lafarge profitieren (siehe Artikel vom Freitag).

Getätigte Transaktionen:

Verkauf

Logitech N (VN 2575132)

-2,3 Prozent

Kauf

Roche GS (VN 1203204)

 

Kauf

Syngenta N (VN 1103746)

 

Verkauf

Nestlé N (VN 3886335)

-2,8 Prozent

Verkauf

Credit Suisse N (VN 1213853)

-38,3 Prozent

Kauf

UBS Group N (VN 24476758)

 

Verkauf

Put-Warrant WLHA0V

-59,4 Prozent

Kauf

Leonteq N (VN 19089118)

 

Verkauf

Leonteq N (VN 19089118)

-8,1 Prozent

Kauf

Call SCMAIZ (VN 2952588)

 

Kauf

Put SCMCJB (VN 30338753)

 

Verkauf

Call SCMAIZ (VN 2952588)

+85,7 Prozent

Verkauf

Put SCMCJB (VN 30338753)

-70,8 Prozent

Verkauf

Syngenta N (VN 1103746)

-3,5 Prozent

Kauf

GAM N (VN 10265962)

 

Kauf

Syngenta N (VN 1103746)

 

Sehr viel erfreulicher ist die Entwicklung der Mitte Januar kommunizierten Dogs of the SMI. Dank den prozentual zweistelligen Kursavancen bei den Aktien des Genfer Warenprüfkonzerns SGS resultiert ein Plus von 4,05 Prozent. Nicht weniger gut liefen die im vergangenen Monat erkorenen Kandidaten für panikartige Deckungskäufe. Sie schossen innerhalb von gerademal zwei Wochen um 4,47 Prozent nach oben. Am stärksten entwickelten sich die Valoren von Logitech und AMS. Sie beide konnten um etwas mehr als 20 Prozent zulegen.

 

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