Wird die Renditeperle Sunrise noch viel attraktiver?

Mit dem Börsengang von Sunrise betraute Grossbank hält eine Dividendenverdoppelung für möglich – Und: Nestlé bei Analysten aus dem angelsächsischen Raum in der Favoritenrolle.
19.12.2016 12:30
cash Insider
Wird die Renditeperle Sunrise noch viel attraktiver?
Bild: fotolia.com

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Noch bevor sich Sunrise Communications im Februar vor zwei Jahren dem Publikum öffnete, priesen Firmenvertreter die eigene Aktie gegenüber interessierten Anlegern als Renditeperle an.

Und obschon die Geschäftsentwicklung nach dem erfolgreichen Börsendebüt den ursprünglichen Planwerten während Monaten hinterher hinkte, liess der Telekommunikationskonzern aus Zürich auf Worte auch Taten folgen: Im vergangenen April entrichtete er den Anteilseignern erstmals eine Dividende von 3 Franken je Aktie.

Allerdings hielt das die langjährige Eigentümerin CVC Capital Partners nicht davon ab, sich noch vor dem Dividendenabgang von ihrem Aktienpaket zu trennen. So kam die deutsche Freenet als neue Ankeraktionärin in den Genuss des Geldsegens.

Geht es nach den Vertretern von Sunrise Communications, dürfen die Anteilseigner im Frühling nächsten Jahres auf eine zwischen 3,24 und 3,36 Franken je Aktie liegende Ausschüttung hoffen. Selbst am unteren Ende dieser Zielbandbreite errechnet sich eine satte Rendite von 5 Prozent.

Sobald die Nettoverschuldung im Verhältnis zum operativen Gewinn (EBITDA) den Wert von 2,5 erreicht, will das Unternehmen die 65 Prozent des sogenannten Equity Free Cash Flow übersteigenden liquiden Mittel über Dividenden oder Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückführen.

Die Sunrise-Aktien (rot) haben gegenüber dem SPI (grün) seit Jahresbeginn die Nase vorn; Quelle: www.cash.ch

Hohe Wellen wirft in diesem Zusammenhang eine 54-seitige Studie von Morgan Stanley zum europäischen Telekommunikationssektor. Darin schreiben die Autoren auf Seite fünf in einem kaum ins Auge stechenden Abschnitt, dass sie Sunrise Communications über die kommenden fünf Jahre eine Verdoppelung der Dividende auf 6,60 Franken je Aktie zutrauen. Wohl verstanden: Wir sprechen hier aus heutiger Sicht von einer Rendite von mehr als 10 Prozent. Wenig überraschend werden die Aktien mit "Overweight" und einem Kursziel von 88 Franken zum Kauf empfohlen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Morgan Stanley zu den Banken zählt, welche die Nummer zwei im Mobilfunkmarkt Schweiz im letzten Jahr an die Börse brachten.

Auch die mit der Publikumsöffnung betrauten UBS, Deutsche Bank und Berenberg Bank empfehlen die Valoren ihres einstigen Auftraggebers übrigens mit Kurszielen zwischen 78 und 80 Franken zum Kauf. Zweckoptimismus kann man den drei Banken bei diesen Dividendenaussichten jedenfalls nicht unterstellen.

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Kaum eine Bank, welche sich in den letzten Wochen nicht zur Aktienmarktentwicklung im kommenden Jahr geäussert hat. In Anbetracht der Fülle und der Widersprüchlichkeit der Prognosen bleibt es schwer, den Überblick zu behalten.

Nicht selten schafft nur ein Blick auf die vergangenen knapp 12 Monate Klarheit, verrät er doch einiges über den Leistungsausweis der jeweiligen Bank oder besser gesagt ihrer jeweiligen Anlagestrategen.

Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die "Top 30 Global Ideas" von RBC Capital Markets. In einem schwierigen und sehr selektiven Börsenumfeld liess sich der um 5,9 Prozent höhere MSCI Developed World Index mit den diesjährigen Schlüsselkaufempfehlungen der kanadischen Grossbank klar schlagen. Letztere legten um durchschnittlich 11,4 Prozent zu.

Aus Schweizer Sicht sind die "Top 30 Global Ideas"“ für 2017 allerdings eine magere Ausbeute. Nur gerade die mit "Outperform" und einem Kursziel von 82 Franken eingestuften Aktien von Nestlé schaffen es auf die Schlüsselkaufempfehlungen.

Die Vorschusslorbeeren für den neuen Konzernchef sind den Nestlé-Aktien wieder abhanden gekommen; Quelle: www.cash.ch

Im Zusammenhang mit dem Wechsel an der Spitze des Nahrungsmittelkonzerns verspricht man sich einerseits eine aktionärsfreundlichere Kommunikationspolitik, andererseits aber auch eine Neuausrichtung des Firmenportfolios. Sowohl die verbleibende Beteiligung am Kosmetikhersteller L'Oréal als auch das Süsswarengeschäft könnten zum Verkauf kommen, so die Begründung.

Die Experten von RBC Capital Markets sind übrigens nicht die einzigen aus dem angelsächsischen Raum, welche sich für die Aktien von Nestlé begeistern können. Erst am Freitag berichtete ich von einer Strategiestudie aus dem Hause Morgan Stanley. Darin zählten die Autoren den Nahrungsmittelkonzern zu den Unternehmen mit den weltweit besten Geschäftsmodellen (siehe Kolumne vom 16. Dezember). Doch auch bei anderen mächtigen Investmentbanken wie J.P. Morgan, Goldman Sachs oder Merrill Lynch steht das Indexschwergewicht hoch in der Gunst. Die nächsten Wochen und Monate werden verraten, ob das nun Fluch oder Segen ist...

 

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