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Wird die SNB beim Franken doch noch überrannt?

Trotz milliardenschwerer Interventionen kann die SNB die Frankenstärke nicht eindämmen. Was die Barofferte für Actelion damit zu tun hat. - Und: Eine Genfer Privatbank spricht eine Verkaufsempfehlung für den SMI aus.
31.01.2017 12:30
cash Insider
Wird die SNB beim Franken doch noch überrannt?
Bild: fotolia.com

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Weder der sich abzeichnende Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union, noch das Scheitern des Verfassungsreferendums in Italien gingen mit einem dauerhaft stärkeren Franken einher. An den Devisenmärkten erwiesen sich beide Ereignisse erst einmal nur als ein Sturm im Wasserglas.

Nicht so für unsere Schweizerische Nationalbank (SNB). Sie war auch im vergangenen Jahr wieder über weite Strecken zu Fremdwährungskäufen gezwungen. Schätzungsweise 70 Milliarden Franken musste sie hierfür in die Hand nehmen. Ein Ende ist nicht abzusehen...

Erst gestern Nachmittag fiel der Euro vorübergehend auf unter 1,0640 Franken und auf den tiefsten Stand seit dem überraschenden Ausgang des EU-Referendums in Grossbritannien vom letzten Juni. Angeblich ist es nur dem entschiedenen Eingreifen unserer SNB zu verdanken, dass die europäische Einheitswährung nicht gar unter die damals bezahlten 1,0625 Franken tauchte.

Schon seit Wochen zeigt der EUR/CHF-Wechselkurs nach unten; Quelle: www.cash.ch

Man muss schon in den August 2015 zurückgehen, um auf einen ähnlich tiefen Stand zu stossen. Da auch der Dollar wieder weniger als einen Franken kostet, muss von einer Frankenstärke gesprochen werden.

Es macht ganz den Anschein, als ob die SNB diese trotz milliardenschweren Interventionen nicht einzudämmen vermag. Folglich werden die Befürchtungen im hiesigen Devisenhandel lauter, wonach unsere Währungshüter regelrecht von ausländischen Spekulanten überrannt werden könnte.

Das lassen heute auch die Strategen von J.P. Morgan durchblicken. In Erwartung vorgezogener Wahlen in Italien raten sie über den Franken zu Wetten gegen den Euro.

Und die amerikanische Investmentbank lag schon einmal richtig: Wochen vor der in einer Nacht-und-Nebel-Aktion beschlossenen Aufgabe des Mindestkurses gegenüber dem Euro vom Januar 2015 warnte sie davor, dass die SNB das Handtuch werfen könnte. Nicht wenige ihrer Kunden sicherten sich rechtzeitig gegen dieses damals als sehr unwahrscheinlich geltende Risiko ab.

Nächsten Dienstag wird die SNB über die Entwicklung ihrer Devisenreserven im Januar informieren. Spätestens dann wird sich zeigen, ob und in welchem Ausmass sie in den vergangenen Tagen gegen den Franken intervenieren musste. Ende Dezember hielt die SNB Reserven im Gegenwert von nicht weniger als 645 Milliarden Franken in den Büchern - Tendenz ganz klar steigend.

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Schon seit Wochen treten ausländische Grossinvestoren bei Nestlé, Roche und Novartis vorwiegend als Verkäufer in Erscheinung. Zu langweilig und zu unspektakulär sind ihnen die hiesigen Indexschwergewichte.

Das schlägt sich auch in der Entwicklung des Swiss Market Index (SMI) nieder, sind die drei Unternehmen bei uns doch für knapp die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

In einer mir von einem geschätzten Freund aus Basel zugehaltenen Strategiestudie spricht die Genfer Privatbank Pictet & Cie eine kurzfristige Verkaufsempfehlung für den SMI bei einem Indexstand von 8325 Punkten oder höher aus.

Die Studienautoren rechnen kurzfristig mit einem stärkeren Franken, was dem exportorientierten Schweizer Aktienmarkt zusetzen könnte. Interessant ist vor allem die Erklärung für die jüngste Frankenstärke. Denn die Experten führen diese nicht zuletzt auch auf die Barofferte von Johnson & Johnson für Actelion zurück. Ihres Erachtens muss die SNB ihre Fremdwährungskäufe um bis zu 25 Prozent steigern, um die in diesem Zusammenhang zu erwartende Nachfrage nach Franken stillen zu können.

Doch damit nicht genug: Auch sonst schneidet der SMI in der Ländermatrix von Pictet & Cie eher schwach ab. Schuld ist nicht zuletzt eine sich charttechnisch abzeichnende Trendumkehr-Formation, solange das Börsenbarometer nicht auf über 8475 Punkte steigt.

Als kurzfristiges Ziel nennen die Experten die Region von 8175 Zählern. Zu einer Stop-Loss-Limite raten sie der Kundschaft hingegen bei 8525 Punkten. Die negativen Vorgaben aus Übersee dürften der traditionsreichen Genfer Privatbank dabei gerade gelegen kommen.

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