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Wird Nestlé unter dem neuen Konzernchef aufgespaltet?

Der neue Nestlé-Chef soll aus einem Unternehmen deren zwei machen, fordert ein bekannter Nahrungsmittelanalyst - Und: Eine Bank wirft mit Verkaufsempfehlungen um sich.
16.01.2017 12:30
cash Insider
Wird Nestlé unter dem neuen Konzernchef aufgespaltet?
Bild: fotolia.com

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Die Aktionäre von Nestlé müssen sich noch bis zum 16. Februar in Geduld üben. Erst dann wird der traditionsreiche Nahrungsmittelkonzern aus dem waadtländischen Vevey sein Jahresergebnis vorlegen.

An besagtem Morgen wird erstmals Ulf Mark Schneider durch die Analystenkonferenz führen. Dementsprechend gross dürfte das öffentliche Interesse sein.

Der erste von Ausserhalb des Unternehmens kommende Konzernchef seit fast einem Jahrhundert tritt bei seinem neuen Arbeitgeber kein einfaches Erbe an. Vorbei sind die Tage, als das Unternehmen seiner schieren Grösse noch trotzte und den Umsatz aus eigener Kraft Jahr für Jahr um 5 bis 6 Prozent steigern konnte. Stolz war man damals auf das sogenannte "Nestlé Modell".

Doch unter Paul Bulcke - dieser löste kürzlich Peter Brabeck an der Spitze des Verwaltungsrats ab - verlor das Wachstum in den letzten Jahren an Schwung. Längst ist aus dem "Nestlé Modell" Wunschdenken geworden.

Die Nestlé-Aktien (rot) hinken dem SPI (grün) etwas hinterher; Quelle: www.cash.ch

Mittlerweile wird Nestlé gerne mit einem trägen weil schweren Öltanker verglichen. Das mag auch damit zu tun haben, dass der Nahrungsmittelkonzern zu aktuellen Kursen einen Börsenwert von 230 Milliarden Franken auf die Waage bringt.

Will Ulf Mark Schneider das Unternehmen wieder in altem Glanz erstrahlen lassen, muss er kreativ sein. Mit einem Verkauf des verbleibenden Aktienpakets am französischen Kosmetikhersteller L'Oréal ist es genausowenig getan wie mit einer Beschleunigung der schon vor Monaten eingeleiteten Sparmassnahmen.

Mit einem interessanten Vorschlag sucht der für BNP Paribas tätige Analyst die Öffentlichkeit. Er rät dem neuen Konzernchef, den traditionsreichen Nahrungsmittelkonzern in zwei voneinander unabhängige Unternehmen aufzuspalten.

Im einen würde der profunde Branchenkenner sämtliche stark wachsenden Geschäftsfelder wie Gesundheitsnahrung, Dermatologie, Wasser oder Tiernahrung und im anderen die strukturell bedrohten Produktkategorien wie Fertiggerichte oder Süsswaren zusammenfassen.

Interessant ist, dass die Nestlé-Aktien bei der französischen Grossbank nur mit "Neutral" und einem Kursziel von 78 Franken eingestuft werden. Einmal in zwei Unternehmen ausgespaltet, hält der Analyst allerdings einen rechnerischen Aktienkurs von 100 Franken oder mehr für möglich.

Mit der Wahl eines Nachfolgers von Ausserhalb für Paul Bulcke signalisierte der Verwaltungsrat im letzten Frühsommer, dass er die Notwendigkeit grösserer Veränderungen erkannt hat. Meines Erachtens hat Ulf Mark Schneider gleich mehrere Pfeile im Köcher, um an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen zu können. Den von BNP Paribas ins Spiel gebrachte Vorschlag sollte er sich zumindest einmal im Detail anschauen.

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Wenn sich eine Berufsgruppe schon seit Jahren immer wieder Kritik gefallen lassen muss, dann jene der Aktienanalysten. Und tatsächlich wagen sich nur die wenigsten von ihnen mit ihren Empfehlungen auf die Äste hinaus. Weshalb sollten sie auch - schliesslich lässt sich sorgenfrei im Strom der Konsensschätzungen treiben.

Nicht so die Experten der MainFirst Bank. Während viele Banken ihre Aktienanalyse in den letzten Jahren einer Kostenkur unterzogen haben, baute die MainFirst Bank diesen Bereich kontinuierlich aus.

Allem Anschein nach sind sich einige der angeheuerten Analysten nicht zu schade, auch mal eine Verkaufsempfehlung auszusprechen. Jedenfalls haben das zuletzt gleich zwei von ihnen getan:

Der für die Chemieindustrie verantwortliche Experte nahm erst vor wenigen Tagen die Erstabdeckung der Aktien der Ems-Chemie mit "Underperform" und einem Kursziel von 450 Franken auf. Er räumt zwar ein, dass der Bündner Spezialitätenchemiehersteller auf erfolgreiche Jahre zurückblicken kann. Allerdings sagt er diesem einen ölpreisbedingten Gewinnrückgang voraus. Mit einem solchen rechnen nur die allerwenigsten seiner Kollegen. Und wir wissen alle, dass die Börse keine Gnade kennt, wenn ein stolz bewertetes weil beliebtes Unternehmen die Erwartungen verfehlt.

Die Aktien von GAM (rot) im 12-Monats-Vergleich mit jenen des Überfliegers Ems-Chemie (grün); Quelle: www.cash.ch

Eine weitere Enttäuschung hält einer seiner Arbeitskollegen übrigens auch beim Vermögensverwalter GAM für möglich. Obschon die Fonds der ehemaligen Julius-Bär-Tochter in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas besser abgeschnitten haben, bezeichnet er die Entwicklung bestenfalls als durchschnittlich. Auch jene des im vierten Quartal aufgebauten Bereichs "systematisches Investieren" reisst den Experten alles andere als vom Hocker.

Folglich stuft er die Aktien von "Neutral" auf "Underperform" herunter. Das weiterhin mit 9,20 Franken angegebene Kursziel lässt einen Rückschlag um rund 25 Prozent erahnen.

Ich wünsche mir schon, dass sich Analysten öfter mal gegen die gängige Meinung stemmen. Selbstverständlich immer unter der Voraussetzung, dass es sich dabei nicht - wie gerade im angelsächsischen Raum beliebt - um blosse Effekthascherei handelt.

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