Wo Grossaktionäre als nächstes Kasse machen könnten

Bei Straumann und dem Börsendebütanten VAT Group haben sich bedeutende Aktionäre gestern und heute von Aktien getrennt. Der cash Insider verrät, wo Grossaktionäre sonst noch Geld vom Tisch nehmen könnten.
01.09.2016 15:30
cash Insider
Wo Grossaktionäre als nächstes Kasse machen könnten
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Erst gestern trennte sich der Grossaktionär GIC bei Straumann überraschend von 1,4 Millionen Aktien. Etwas weniger als die Hälfte davon landeten gleich in den eigenen Büchern des in Basel beheimateten Dentalimplantateherstellers. Die übrigen Aktien des Staatsfonds von Singapur wurden zu je 380 Franken bei Investoren platziert.

Die Tatsache, dass ein Grossteil dieser Titel aus dem Besitz von Thomas Straumann stammen, ist an Ironie kaum zu überbieten. Wenn ich mich recht erinnere, trennte sich dieser im November vor vier Jahren in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nämlich von 1,52 Millionen Aktien zu je 98,45 Franken. Der Käufer damals: der Staatsfonds von Singapur.

Mit einem Stimmenanteil von 17,3 Prozent ist Thomas Straumann bis heute der grösste Aktionär des gleichnamigen Unternehmens, gefolgt vom ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Rudolf Maag mit 12,2 Prozent. Dass sich diese beiden Grossaktionäre ebenfalls von Aktien trennen, gilt als unwahrscheinlich.

Neben Straumann hält Maag auch an Implenia, Actelion und Mikron namhafte Beteiligungen, die kaum zur Disposition stehen dürften.

Beim Börsendebütanten VAT Group müssen die Publikumsaktionäre heute tapfer sein. Denn noch vor Ablauf der Sperrfrist nutzt der langjährige Anteilseigner Capvis nach dem jüngsten Höhenflug die Gunst der Stunde und platziert 2,5 Millionen Aktien zu je 70,50 Franken. Dadurch erfährt die Beteiligung eine Halbierung von 16,5 auf 8,3 Prozent.

Wenn sich Capvis schon vor Ablauf der Sperrfrist von Mitte Oktober von Aktien trennt, könnten andere Altaktionäre wie Partners Group diesem Beispiel durchaus folgen.

Es gibt übrigens weitere noch relativ frisch an der Börse gehandelte Unternehmen, bei welchen Finanzinvestoren im Aktionariat sitzen - beispielsweise SFS Group oder Wisekey.

Am wahrscheinlichsten ist aber, dass sich Kohlberg Kravis Roberts (KKR) bei Galenica von weiteren Teilen des 20-Prozent-Pakets trennt oder dieses gleich vollständig bei institutionellen Investoren platziert. Seit heute gilt die nicht unumstrittene milliardenschwere Übernahme der amerikanischen Relypsa nämlich als zustandegekommen. Da der in Bern beheimatete Gesundheitskonzern diese nur mit zusätzlichem Geld stemmen kann, fällt er als Käufer eigener Aktien wohl weg.

Bei Novartis tut sich ebenfalls etwas hinter der Kulisse. Wie gerüchteweise zu hören ist, sucht der Gesundheitskonzern aus Basel schon seit Wochen Käufer für sein Roche-Paket. Und das scheint gar nicht so einfach, hält der Grossaktionär doch für 13 Milliarden Franken von den schlecht handelbaren Inhaberaktien und nicht von den bei Ausländern beliebten Genussscheinen. Weshalb Novartis nicht einfach eine Wandelanleihe auflegt, wandelbar in die Inhaberaktien auf Roche, ist mir allerdings schleierhaft.

Ein bisschen in Vergessenheit geraten ist die Beteiligung von Harris Associates bei LafargeHolcim. Der bekannte amerikanische Substanzinvestor bewies im Februar eine glückliche Hand, als er seine Beteiligung in der Nähe der Mehrjahrestiefststände auf 6,4 Prozent verdoppelte. Weil die Aktien des Weltmarktführers unter den Zementherstellern seither um 50 Prozent gestiegen sind, drängen sich Gewinnmitnahmen geradezu auf.

Mir kommen spontan weitere Unternehmen mit einem stark gestiegenen Aktienkurs und Grossaktionären in den Sinn: So sitzt beispielsweise der bekannte Financier Martin Ebner beim Genfer Bankensoftwarehersteller Temenos auf hohen aufgelaufenen Kursgewinnen. Auch die Industriellen Peter Spuhler und Michael Pieper haben für ihre an Rieter und Autoneum erworbenen Beteiligungen deutlich weniger bezahlt. Pieper ist zudem mit 31 Prozent an Forbo, mit 21,4 Prozent an Adval Tech, mit 50,3 Prozent an Feintool sowie mit 11,5 Prozent an Arbonia beteiligt. Viele dieser Aktien sind ebenfalls gut gelaufen - nicht zu vergessen jene von Ypsomed. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich die Familienaktionäre rund um den Firmengründer Willy Michel von Aktien des Medizinaltechnikkonzerns trennen.

Allerdings stellt sich für diese Grossaktionäre immer auch die Frage: Was tun mit dem Verkaufserlös - sind die Zinsen doch im Keller. Es bedarf folglich gewissen Alternativen und die sind nicht einfach zu finden.

Eines steht allerdings fest: Wenn sich bekannte Finanzinvestoren wie im Fall von Capvis bei der VAT Group oder Staatsfonds wie jener von Singapur bei Straumann von gut gelaufenen Aktien trennen, kommt das nicht von ungefähr. Dass hierzulande weitere Grossaktionäre Kasse machen werden ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und bekanntlich werden die zum Verkauf kommenden Aktien nicht immer so gut absorbiert wie beim Basler Dentailimplantatehersteller - die Aktionäre von Galenica können seit Mai diesen Jahres ein Lied davon singen (siehe Kolumne vom 5. August).

 

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