Wollte Swisscom einst Google kaufen?

Der cash Insider weiss von abenteuerlich anmutenden Gerüchten rund um die Swisscom zu berichten - Und: Dieser Grossinvestor dürfte sich grün und blau ärgern.
27.06.2016 12:30
cash Insider
Wollte Swisscom einst Google kaufen?
Bild: fotolia.com

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Ab und an werden ziemlich abenteuerliche, wenn nicht gar abstruse Gerüchte an mich herangetragen. Einige lassen sich gleich von Beginn weg ins Reich der Fabeln verbannen, andere bedürfen Nachforschungen.

In die zweite Kategorie fällt ein Gerücht, welches mir in den vergangenen Tagen zu Ohren kam. Dieses besagt, dass die Swisscom einst Google übernehmen wollte. Die Verträge seien schon aufgesetzt gewesen, als die Transaktion quasi in letzter Minute abgesagt worden sei. Wann genau das gewesen sein soll und welche der beiden Parteien damals einen Rückzieher machte, darüber liegen mir keine Informationen vor.

Fakt ist allerdings: Google ging 2001 an die New Yorker Börse und brachte schon damals eine Marktkapitalisierung von 30 Milliarden Dollar auf die Waage. Sollten die besagten Gerüchte tatsächlich der Wahrheit entsprechen, müssten diese Verhandlungen womöglich zwischen 1996 und 1998 stattgefunden haben, als Google noch eine reine Suchmaschine war.

Heute - rund 15 Jahre nach der Publikumsöffnung - wird das amerikanische Kultunternehmen von der Börse mit umgerechnet 460 Milliarden Franken bewertet. Damit verglichen ist unsere Swisscom mit ihren 23 Milliarden Franken geradezu ein Fliegengewicht.

Auf Anfrage heisst es beim Telekommunikationskonzern aus Ittigen, dass es nach heutigem Wissen nie ein konkretes Projekt für die Übernahme von Google gegeben habe. Das heisst meines Erachtens aber nicht, dass nicht doch etwas an den mir zugetragenen Gerüchten sein könnte. Schliesslich liegen die Verhandlungen - sollte es tatsächlich solche gegeben haben - ja auch fast 20 Jahre zurück.

Ich kann nicht abschliessend sagen, ob diese abenteuerlich anmutenden Informationen der Wahrheit entsprechen oder ob es sich bloss um eine unternehmensinterne Legende handelt. Weil die Spekulationen allerdings weit in die Vergangenheit zurückreichen und aus heutiger Sicht keine Kursrelevanz aufweisen, habe ich mich dennoch dazu entschieden, darüber zu schreiben.

Allerdings lassen sich mit diesen sehr bruchstückhaften Informationen durchaus Gedankenspiele machen. Es wäre interessant zu wissen, wie die Swisscom mittlerweile aussehen würde, wäre Google unter ihrem Dach. Womöglich hätte die Suchmaschine nie dieselbe Transformation zum Technologiekonzern durchlaufen. Nichtsdestotrotz wäre die Swisscom heute ein völlig anderes, sehr viel Internet-orientierteres und bestimmt auch wertvolleres Unternehmen.

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Der schwarze Schwan, das Wappentier des Unheils, war für die Finanzmarktakteure bisweilen nur ein Fabelwesen aus der Welt der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Am Freitag wurde er nun gesichtet: Entgegen den Erwartungen sprachen sich die Britinnen und Briten knapp für einen Austritt aus der Europäischen Union (EU) aus.

David Cameron muss sich selber bei der Nase nehmen. Der britische Premier warb in den vergangenen Wochen nicht für Europa, sondern warnte bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor den verheerenden Folgen, sollte das Volksreferendum angenommen werden. Mit seiner Angstmacherei konnte Cameron rückblickend nur 48 Prozent der Wähler hinter sich scharen. Die übrigen 52 Prozent stimmten für den Bruch mit den anderen europäischen Staaten. Die Wahlbeteiligung lag immerhin bei 72 Prozent.

An den Finanzmärkten sorgte diese Absage des Vereinigten Königreichs an ein vereinigtes Europa für Verwerfungen. Vorbörslich tauchte der Swiss Market Index (SMI) vorübergehend um mehr als 8 Prozent in die Tiefe. Die Finanzwerte hatten sogar ausnahmslos prozentual zweistellige Kursverluste zu beklagen.

Ein hiesiger Grossinvestor habe die Nerven verloren, so lasse ich mir sagen. Das würde zumindest die am Freitag beobachteten ausserbörslichen Blocktransaktionen erklären.

Denn tatsächlich trennten sich ein oder mehrere Marktakteure rund eine Viertelstunde vor Aufnahme des regulären Handels von 120000 Roche-Genussscheinen zu je 220,75 Franken, von 231000 Novartis-Aktien zu durchschnittlich 68,88 Franken, von 418000 ABB-Aktien zu je 18,50 Franken, von 78300 Swiss Re-Aktien zu durchschnittlich 76 Franken sowie von 27500 Aktien der Zurich Insurance Group zu je 215 Franken.

Allerdings fanden die Genussscheine von Roche noch in der ersten Handelsstunde bei 230 Franken Boden und gingen am Abend dann sogar bei 241 Franken ins Wochenende. Auch die Aktien von Novartis gingen mit 75,75 Franken weit über den Tagestiefstkursen von 71,10 Franken aus dem Handel. Deutlichere Abgaben mussten die Valoren von ABB, Swiss Re und Zurich Insurance Group über sich ergehen lassen. Doch auch sie tauchten nie auch nur in die Nähe der vorbörslich bezahlten Kurse.

Alteingesessene Börsenfüchse wissen: Panik ist nie ein guter Ratgeber. Während sich der hiesige Grossinvestor rückblickend grün und blau ärgern wird, dürften sich die Gegenparteien womöglich freuen. Nicht umsonst sagt man schliesslich: Dem Mutigen gehört die Welt. Bleibt zu hoffen, dass dieser Mut in den nächsten Tagen auch belohnt wird.
 

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