Zahlt Nestlé eine Jubiläumsdividende?

Anhaltspunkte für ein Geldgeschenk zum Firmenjubiläum verdichten sich bei Nestlé - Und: Kepler Cheuvreux nennt vier Gründe, die gegen eine drohende Börsenbaisse sprechen.
13.01.2016 12:30
cash Insider
Zahlt Nestlé eine Jubiläumsdividende?

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Die kleine Schweiz geht auf der Weltkarte beinahe unter. Dennoch hat kaum ein anderes Land derart viele international führende Grosskonzerne hervorgebracht. Einer davon feiert in diesem Jahr das 150-jährige Bestehen: Der in Vevey beheimatete Nahrungsmittelhersteller Nestlé.

Feiert eine Publikumsgesellschaft ein Jubiläum, kommen nicht selten auch die Aktionäre in den Genuss einer Bescherung. Im Hinblick auf die Jahresergebnispräsentation von Mitte Februar wird deshalb jetzt schon kräftig darüber spekuliert, ob und wie eine solche bei Nestlé aussehen könnte.

Während die einen Analysten über die reguläre Ausschüttung hinaus mit einer Jubiläumsdividende rechnen, erhoffen sich andere milliardenschwere Aktienrückkäufe. Zu letzterer Fraktion zählt auch der für Kepler Cheuvreux tätige Jon Cox. Er geht davon aus, dass das Traditionsunternehmen am 18. Februar ein 15 Milliarden Franken schweres und über zwei Jahre laufendes Aktienrückkaufprogramm bekanntgeben wird. Der Experte empfiehlt die Aktien von Nestlé weiterhin mit einem Kursziel von 80 Franken zum Kauf, dies aber vor allem in Erwartung grösserer Veränderungen beim Unternehmen.

Noch einen Schritt weiter geht der für Nomura tätige Verfasser einer Branchenstudie. Denn darin bekräftigt dieser nicht nur die bisherige Kaufempfehlung, er erhöht auch das Kursziel auf 91 (80) Franken. Damit setzt sich der Experte an die Spitze seiner Berufskollegen.

Nicht nur der Möglichkeit einer Jubiläumsdividende oder eines milliardenschweren Nachfolgeprogramms für das im Dezember abgeschlossene Aktienrückkaufprogramm wegen bleiben die Aktien von Nestlé selbst bei stürmischer See ein "Fels in der Brandung".

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Noch bis vor wenigen Wochen waren sich die Banken und ihre Anlagestrategen einig: Die Aktienkurse werden weiter steigen.

Spätestens als das Jahresend-Rallye doch noch einsetzte, war den wenigen abtrünnigen Experten der Hohn ihrer Berufskollegen sicher. Allerdings heisst es nicht ohne Grund: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Nach dem verlustreichsten Jahresauftakt in der Geschichte der Börse sind die Anlagestrategen kleinlaut geworden. Übrig bleibt eine Mischung aus Verunsicherung und Ratlosigkeit. Einmal mehr zeigt sich: Die Börse ist keine Einbahnstrasse.

Das muss mittlerweile auch der für das Cross Asset Research von Kepler Cheuvreux tätige Aktienstratege in seinem jüngsten Kommentar einräumen. Er sieht Parallelen zur Ausverkaufswelle vom Spätsommer letzten Jahres. Mit einem Unterschied: Die Anleger sind diesmal um einiges pessimistischer und mit ihren Aktiendepots deutlich vorsichtiger aufgestellt.

Der Aktienstratege schliesst beim amerikanischen S&P-500-Index einen weiteren Taucher zwar nicht kategorisch aus und hält auch beim EuroStoxx-50-Index noch einmal tiefere Kurse für möglich. Dennoch nennt er nicht weniger als vier gute Gründe, die gegen eine drohende Börsenbaisse sprechen:

  • Die Bewertung der amerikanischen Leitbörse ist gut gegen unten abgestützt, gelten die Vorbehalte der Anleger neben dem Ausverkauf bei den Rohstoffen doch vor allem dem erstarkten Dollar.
     
  • Die Binnennachfrage in China ist ungebrochen und die Kaufkraft dortiger Haushalte noch immer im Steigen begriffen. Deshalb ist in diesem Schlüsselmarkt keine tiefgreifende Krise zu erwarten.
     
  • Das von den stark fallenden Rohstoffpreisen ausgehende Ungemach für die Weltwirtschaft sollte von der steigenden Kaufkraft der Haushalte aufgefangen werden. Kommt dazu, dass der Kollaps an den Rohstoffmärkten in die letzte Phase übergangen und schon bald ausgestanden ist.
     
  • Weder in den Jahren 1979 bis 1987 noch 1992 bis 2000 waren die jeweils gegen Ende der Börsenhausse stark gefallenen Rohstoffpreise für deren Ende verantwortlich. Gefährlich wird es erst dann, wenn die Anleihenzinsen steigen.
     

Ausserdem seien von Panik geprägte Verkäufe bisweilen ausgeblieben, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich viele "unsichere Hände" noch im alten Jahr aus Aktien zurückgezogen hätten, so schreibt der Experte. Dass die Volatilität in den letzten Tagen nicht dramatisch gestiegen ist, hält er ebenfalls für ermutigend. Der Stratege glaubt deshalb, der Verkaufsdruck werde innerhalb weniger Wochen ausgestanden sein.

Ich selber erwarte weiterhin schwierige Märkte, welche den Anlegern einiges abverlangen werden. An dieser Stelle möchte ich auf meine Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 sowie auf die dividendenstarken "Dogs of the SMI" aus meiner gestrigen Kolumne verweisen.
 

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