Ziemlicher Tabubruch - Grossbank wettet gegen Apple und Co.

Die französische Grossbank Société Générale beweist Mut und ruft gezielt zu Wetten gegen gefeierte Schwergewichte aus dem Technologiesektor auf - Und: Sind die Zielvorgaben bei U-blox überhaupt noch realistisch?
14.08.2019 12:30
cash Insider
Grossbank wettet gegen Apple und Co.
Bild: fotolia.com

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Genauso wie der amerikanische Aktienmarkt für Anleger seit Jahren ein zuverlässiger Erfolgsgarant ist, so sind es auch die Technologieschwergewichte wie Facebook, Apple, Alphabet, Amazon oder Netflix.

Es findet sich kaum ein Analyst, der diese Aktien nicht wärmstens zum Kauf empfiehlt. Weshalb auch mit einem Rezept brechen, mit dem sich in den letzten Jahren viel Geld verdienen liess.

Ähnlich sehen das die jüngst von der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch befragten Vermögensverwalter und Fondsmanager. Wie ein Blick auf die Umfrageergebnisse zeigt, stehen amerikanische Aktien weiterhin sehr hoch in der Gunst. Dasselbe liesse sich von den in New York gehandelten Technologieschwergewichten sagen.

Es braucht schon sehr viel Mut gegen diesen reissenden Meinungsstrom - den sogenannten Mainstream - zu schwimmen. Doch genau das machen die beiden Autoren einer 29-seitigen Strategiestudie der französischen Société Générale. Denn darin rufen sie gezielt zu Wetten gegen die Aktien von Facebook, Apple, Amazon, Netflix oder die Google-Mutter Alphabet auf und begehen damit einen groben Tabubruch.

Kursentwicklung der Aktien von Netflix (rot), Apple (grün) und Amazon (gelb) über die letzten zwölf Monate (Quelle: cash.ch)

Ihre Argumente sind genauso simpel wie einleuchtend: Bisweilen waren diesen Grosskonzernen seitens des Gesetzgebers kaum Schranken gesetzt. So konnten sie mehr oder weniger tun und lassen, was sie wollten.

Doch damit dürfte nun vorbei sein. Verstösse gegen das Wettbewerbsrecht werden vermehrt geahndet und dank neuen Ideen zur Besteuerung verschliessen sich weltweit Steuerschlupflöcher. Deshalb gehören wohl auch die Jahre des geradezu exzessiven Gewinnwachstums der Vergangenheit an, so prognostizieren die für Société Générale tätigen Strategen. Und selbst vor den Folgen des Handelsstreits zwischen Washington und Peking bieten amerikanische Technologieschwergewichte aus Anlegersicht wohl nicht mehr länger Schutz.

Interessant ist, dass restlos alle diese Aktien trotz ihrer Beliebtheit von ihrem Rekordhoch zurückgefallen sind. Die Direktive in New York lautet den auch: Buy the Dip - in der Hoffnung, dass das Erfolgsrezept der letzten Jahre noch immer aufgeht.

Was an der New Yorker Börse die Technologieschwergewichte, sind in der Schweiz übrigens die Valoren von Nestlé, Roche und Novartis. In den vergangenen 12 bis 18 Monaten floss sehr viel Geld in die drei Schwergewichte aus dem Swiss Market Index (SMI).

Sollten die Forderungen nach einer Gesundheitsreform und einer Deckelung der Medikamentenpreise im Hinblick auf die US-Präsidentschaftswahlen vom kommenden Jahr wieder lauter werden, könnten zumindest zwei der drei Schwergewichte im Kurs zurückgestutzt werden.

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Noch bis vor wenigen Jahren wurde U-blox gross als Spezialität gefeiert. Schliesslich gilt der in Thalwil beheimatete Hersteller von Positionierungsmodulen als der einzige reine Schweizer Vertreter des vielversprechenden "Internets der Dinge".

Da das Unternehmen den Wachstumserwartungen in den letzten Jahren jedoch Vieles schuldig blieb, sind seine Aktien so günstig zu haben wie seit fast fünf Jahren nicht mehr.

Als der Hersteller von Positionierungsmodulen der Öffentlichkeit Mitte März das letztjährige Jahresergebnis vorlegte, wartete er auch gleich mit Zielvorgaben für das neue Jahr auf. Mit einem Umsatz von 460 bis 490 Millionen Franken und einem operativen Gewinn (EBITDA) in einer Grössenordnung von 70 bis 90 Millionen Franken bewegten sich diese Vorgaben in etwa innerhalb der Erwartungsbandbreite der Analysten.

Heute - ein knappes halbes Jahr später und fast 20 Kursfranken tiefer - kommen Zweifel an der Erreichbarkeit der Zielvorgaben auf. Noch im März hiess es seitens des Unternehmens, dass man keinen negativen Einfluss des Handelsstreits zwischen Washington und Peking mehr verspüre.

Aufstieg und Fall der U-blox-Aktien während den letzten sechs Jahren. (Quelle: cash.ch)

Spätestens als der deutsche Branchennachbar Siltronic im Juni dieses Jahres explizit dem Handelsstreit Schuld am schleppend laufenden Tagesgeschäft gab, hätte das die Aktionäre eigentlich stutzig machen müssen. Schätzungen zufolge erzielt U-blox nämlich ein knappes Drittel des Umsatzes in China.

Wie sich der Hersteller von Positionierungsmodulen in der ersten Jahreshälfte geschlagen hat und ob die diesjährigen Zielvorgaben überhaupt noch realistisch sind, dürfte die Ergebnisveröffentlichung am Morgen des 23. Augusts zeigen.

Zumindest wenn es nach den Leerverkäufern geht, wartet dann eine weitere unliebsame Überraschung auf die Aktionäre. Denn nur so lässt sich erklären, weshalb die Leerverkäufer mit mehr als 14 Prozent der ausstehenden Aktien auf tiefere Kurse spekulieren.
 

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