Zwei SMI-Schwergewichte im Zentrum von Spekulationen

Mit Roche und Nestlé rücken gleich zwei Schwergewichte aus dem Swiss Market Index ins Zentrum von Börsenspekulationen - Und: Kepler Cheuvreux kürt Clariant zum Gewinner des Wachstumswettbewerbs.
16.08.2016 12:30
cash Insider
Zwei SMI-Schwergewichte im Zentrum von Spekulationen
Bild: fotolia.com

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Wer in Europa auf Aktien mit einem weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängigen Eigenleben setzen will, kommt nicht am Schweizer Aktienmarkt vorbei. Schliesslich sind mit Nestlé, Roche und Novartis gleich drei Vertreter aus dieser Titelkategorie für drei von fünf Punkten verantwortlich, für die sich unser Swiss Market Index (SMI) bewegt.

Den Nerv mächtiger Grossinvestoren aus dem Ausland treffen diese Attribute aber schon eine ganze Weile nicht mehr. Schon seit Wochen schichten diese in Europa kräftig in konjunkturabhängige Aktien und Sektoren um. Es überrascht deshalb nicht, dass gerade die Valoren von Roche und Novartis einen schweren Stand haben. Als trendverstärkend erweist sich eine Herunterstufung europäischer Pharmawerte von "Overweight" auf "Neutral" durch den Strategen von Kepler Cheuvreux. Rückblickend zeigt sich der Experte sogar reumütig, in den vergangenen Wochen überhaupt auf solche gesetzt zu haben.

Der Stratege wähnt die europäischen Pharmahersteller vor grösseren und womöglich sehr kostspieligen Firmenübernahmen. Und auch wenn er es nicht explizit schreibt, so lässt er zumindest durchblicken, dass die Börse nicht gerade erfreut auf solche reagieren dürfte.

Aus London eintreffende Spekulationen, wonach man bei Roche die Pläne für eine Übernahme des amerikanischen Diagnostikkonzerns Illumina wieder aus der Schublade genommen habe, scheinen die Annahmen des Strategen bestätigen zu wollen.

Die beiden Unternehmen standen schon vor knapp vier Jahren in Verhandlungen. Diese scheiterten damals an den zu hohen Preisvorstellungen der Amerikaner. Angeblich verlangten die Vertreter von Illumina zuerst 68 Dollar je Aktie, im Laufe der Verhandlungen dann plötzlich sogar 75 Dollar. Roche - bekannt für die hohe Preisdisziplin - wollte aber bloss 8,2 Milliarden Dollar respektive 66 Dollar je Aktie bezahlen.

Ein Klacks verglichen damit, was ein solcher Aufstieg in den "Olymp der personalisierten Krebsbehandlung" heute kosten würde. Schliesslich wird Illumina an der Börse mittlerweile mit 25 Milliarden Dollar bewertet.

Die Angst vor einer kostspieligen Grossübernahme setzt den Genussscheinen von Roche heute denn auch sichtlich zu. Vermutlich auch deshalb, weil ein Kauf des von Novartis gehaltenen Roche-Pakets damit wohl vom Tisch wäre (siehe Kolumne vom 9. August). Einen Trost gibt es jedoch: Die Quelle aus London gilt nicht gerade als zuverlässig, was Spekulationen rund um Unternehmen aus der Schweiz anbetrifft (siehe Kolumnen vom 18. Mai und 2. Juni).

Ins Zentrum von Spekulationen ganz anderer Art rücken hingegen die Aktien von Nestlé. Fantasie geht hier auch weiterhin vom sich abzeichnenden Wechsel an der Spitze des Nahrungsmittelkonzerns aus.

Für die Analysten von BNP Paribas steht fest: Nestlé wird sich unter dem neuen Konzernchef von der verbleibenden L'Oréal-Beteiligung trennen.

Sie schliessen nicht aus, dass der französische Kosmetikhersteller selber das Aktienpaket übernimmt. Dazu müsste sich L’Oréal aber zuerst der an Sanofi gehaltenen Beteiligung entledigen.

Die Hoffnung auf grössere Veränderungen im Beteiligungsportfolio unter dem zukünftigen Konzernchef liess die Aktien von Nestlé in den vergangenen Tagen auf den höchsten Stand in der traditionsreichen Firmengeschichte steigen (siehe auch Kolumne vom 11. August). Ulf Mark Schneider, der Nachfolger von Paul Bulcke, wird sich mächtig ins Zeug legen müssen, will er den mittlerweile ambitionierten Markterwartungen gerecht werden.

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Unter Hariolf Kottmann kann Clariant auf einen Turnaround zurückblicken, der hierzulande seinesgleichen sucht. Als ein Wachstumswunder geht der Spezialitätenchemiehersteller aus Basel an der Börse allerdings noch immer nicht durch.

Das versucht der für Kepler Cheuvreux tätige Analyst nun mit aller Kraft zu ändern. In einem Rückblick auf die Quartalsberichterstattung in der europäischen Chemieindustrie feiert er Clariant als "Gewinner des Wachstumswettbewerbs" - und das bereits zum vierten aufeinanderfolgenden Mal.

Mit anderen Worten: Mit einem organischen Umsatzwachstum von 2 Prozent stellten die Basler alle anderen vom Experten mitverfolgten europäischen Rivalen in den Schatten. Er wiederum sieht darin den Beweis erbracht, dass sich der langjährige Transformationsprozess endlich ausbezahlt macht und empfiehlt die Aktien von Clariant deshalb weiterhin mit einem Kursziel von 19 (20) Franken zum Kauf.

Aus Sicht der Aktionäre der ersten Stunde ist das Kursziel bestenfalls ein Tropfen auf den heissen Stein, galten die Aktien kurz nach der damaligen Abspaltung von Novartis in der Spitze doch fast 100 Franken.

 

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