Zwischenbilanz bei Aktienfavoriten - Geht die Aktienhausse «in die Verlängerung»?

Der cash Insider zieht eine letzte Zwischenbilanz bei seinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017. Ausserdem verrät er, welche Aktie er jetzt schon in die engere Auswahl für 2018 nimmt.
04.12.2017 12:30
cash Insider
Geht die Aktienhausse «in die Verlängerung»?
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

"Die Aktienhausse geht in die Verlängerung", so schreibt Julius Bär im Ausblick auf das kommende Jahr in Anlehnung an eine Fussballpartie. Mit anderen Worten: Obwohl die seit März 2009 zu beobachtende Aufwärtsbewegung weit fortgeschritten ist, bleiben die Strategen der traditionsreichen Zürcher Bank weiterhin zuversichtlich für die Aktienmärkte.

Ihrer Anlagekundschaft raten sie zum Kauf von europäischen Aktien und setzen dort ihre Akzente sowohl bei den Finanz- als auch bei den Technologiewerten. Weshalb sollten die Autoren ausgerechnet jetzt mit derjenigen Strategie brechen, die schon seit Jahren stets aufzugehen scheint.

Wie regelmässige Leserinnen und Leser meiner Kolumne wissen, befindet sich Julius Bär in bester Gesellschaft. Während auch die Credit Suisse in ihrem Ausblick auf Aktien setzt, wähnt die UBS die europäischen Börsen gar vor einem Jahr mit prozentual zweistelligen Kursgewinnen (siehe "Weshalb UBS und Credit Suisse nur so vor Zuversicht strotzen" vom 15. November).

Als die Kurse von Aktien wie Facebook, Amazon, Alphabet und Netflix am Mittwochabend in New York ins Rutschen kamen, war der Aufschrei gross. Es dauerte nicht lange und erste Aktienstrategen eilten den beliebten amerikanischen Technologiewerten verbal zu Hilfe. Diese Formschwäche sei nicht von Dauer und biete sich deshalb geradezu zum Zukauf von Aktien, so war man sich einig.

Das zeigt: Zumindest in New York sind sich die Marktakteure ihrer Sache ziemlich sicher. Vermutlich sogar zu sicher, wie ein Blick auf das Put/Call-Verhältnis verrät. Denn dieses fiel diese Woche auf den tiefsten Stand seit Jahren und verrät, dass sich kaum noch jemand gegen Kursrückschläge absichert. Weshalb auch...

Die Anhaltspunkte für eine weit fortgeschrittene Hausse häufen sich beinahe täglich - seien es teilweise ziemlich abstruse Spekulationen (siehe "Wieder jagt ein Börsengerücht das nächste" vom Donnerstag), wieder in Mode kommende Aktienkäufe auf Kredit (siehe "An der Börse wird kräftig auf Pump gezockt" vom 27. November) oder ausufernde Kaufempfehlungen (siehe "Auf welche Nebenwerte Anleger jetzt noch setzen sollten" vom 8. November). Dazu kommen milliardenschwere und in einigen Fällen auch gleich noch unfreundliche Grossübernahmen, wie sie sich in der Vergangenheit meist auf dem Höhepunkt einer Aktienhausse häuften.

Ich habe bei meinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017 die letzten Wochen genutzt, um die Barmittel weiter zu erhöhen. Nach dem Verkauf der Dätwyler-Position liegt die Barmittelquote mittlerweile bei gut einem Drittel des Gesamtvermögens.

Mit den Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017 liessen sich bisweilen 22,6 Prozent verdienen. Das stellt den um 18,7 Prozent höheren Swiss Performance Index (SPI) zumindest etwas in den Schatten.

Bilanz der letzten Jahre:

Jahr

Aktienfavoriten

SPI

2013

+40,1 Prozent

+23,9 Prozent

2014

+11,4 Prozent

+15,2 Prozent

2015

+ 4,1 Prozent

+ 2,4 Prozent

2016

- 3,7 Prozent

- 1,7 Prozent

2017*

+22,6 Prozent

+18,7 Prozent

* Schlusskurse vom 30. November 2017

Der Pharmahersteller Basilea kann derzeit tun was er will - die Börse reagiert unterkühlt. Erst am Freitag gab das Unternehmen aus dem Baselbiet eine Ausweitung der Vertriebsvereinbarung mit Pfizer auf China und den asiatisch-pazifischen Raum bekannt. Neben Lizenzgebühren im Mittzehner-Prozentbereich sieht der Ausbau auch eine Vorabzahlung von 3 Millionen Dollar vor. Darüber hinaus erhält Basilea Meilensteinzahlungen von bis zu 223 Millionen Dollar.

Doch wie so oft in den letzten Monaten legten die als stark leerverkauft geltenden Aktien nur leicht zu. Trotz einer Erhöhung des diesjährigen Ausblicks blieb das grosse Kursfeuerwerk aus.

Ich kann mir keinen Reim daraus machen, weshalb die Erfolgsmeldungen an der Börse weitestgehend ignoriert werden. Meines Erachtens müssten die Valoren von Basilea längst wieder über 100 Franken notieren. Die Aktien werden es womöglich in die Auswahl meiner Schweizer Aktienfavoriten für 2018 schaffen, so viel kann ich schon heute verraten.

Interessant bleibt die Konstellation bei Clariant. Wenig überraschend ist der Verwaltungsrat des Spezialitätenchemiekonzerns aus Muttenz kaum zu Zugeständnissen gegenüber White Tale bereit. Damit geht er auf Konfrontationskurs mit der oppositionellen Aktionärsgruppe. Deren Stimmenanteil liege mittlerweile näher bei 25 Prozent als bei den vor wenigen Wochen gemeldeten 20 Prozent, so ist gerüchteweise zu hören.

Freitagmittag berichtete ich von auffälligen Titelkäufen aus Deutschland. Gut möglich, dass sich die ehemaligen Süd-Chemie-Aktionäre in den Machtkampf einschalten und ein Abwehrdispositiv gegen die dem schnellen Geld nicht abgeneigten Amerikaner errichten (siehe "Das Gerüchtekarussell dreht sich immer schneller" vom Freitag).

Erst kürzlich habe ich die Clariant-Position etwas zurückgefahren. Weitere Aktien werde ich aus heutiger Sicht allerdings nicht abgeben.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten:

Titel

Anzahl

Einstand

akt. Wert*

Erfolg

G/V

Barmittel

   

 41'724,66

   

ABB N

465

21,50

11'713,35

1'715,85

+17,16%

Clariant N

400

20,95

10'720,00

2'128,33

+24,77%

Nestlé N

137

73,15

11'542,25

1'520,70

+15,17%

Novartis N

135

74,15

11'367,00

1'356,75

+13,55%

Swiss Re N

115

88,90

10'603,00

379,50

+3,71%

Basilea N

137

72,60

10'336,65

390,45

+3,93%

Burckhardt N

30

304,25

9'015,00

-112,50

- 1,23%

Meyer Burger N

3150

0,79

5'544,00

3'055,50

+122,78%

           

Total

   

122'565,91

 

+22,57%

* Schlusskurse vom 30. November 2017

Die Papiere von Meyer Burger hatten zuletzt einen eher schweren Stand. Das lässt sich auch damit erklären, dass das Solarzulieferunternehmen aus dem bernischen Gwatt von der Börse fast dreimal höher bewertet wird als noch Anfang Jahr.

Die Gläubiger der bis September 2020 laufenden Wandelanleihe mit einer zusätzlichen Einmalzahlung zu einer vorzeitigen Wandlung zu bewegen, darf als ein geschickter Schachzug bezeichnet werden - auch wenn Arbitragetransaktionen sowie die dadurch steigende Zahl ausstehender Aktien kurzfristig auf die Kursnotierungen drücken.

Wie Meyer Burger am vergangenen Donnerstag durchblicken liess, lag der Bestellungseingang für die ersten zehn Monate bei 503 Millionen Franken und damit um 26 Prozent über dem Stand vom Vorjahr. Dank den randvollen Auftragsbüchern rückt die Gewinnschwelle beim einstigen Sorgenkind immer näher.

Neuengagements sollten allerdings erst in der Kursregion von 1,50 Franken wieder ins Auge gefasst werden.

Weiterhin für kaufenswert halte ich hingegen die Aktien von Nestlé. Ein Schnäppchen sind die Papiere schon eine ganze Weile nicht mehr, dessen bin ich mir bewusst. Je nach Analyst errechnet sich auf den nächstjährigen Schätzungen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bis 26. Das liegt am ganz oberen Ende der Bewertungsbandbreite. Bloss: Von welchem börsenkotierten Unternehmen lässt sich in der Schweiz noch behaupten, es sei günstig bewertet?

Von den firmeneigenen Zielvorgaben für 2017 lässt sich für das Schlussquartal ein organisches Umsatzwachstum von 2,6 Prozent ableiten. Das entspräche gegenüber den 3,1 Prozent aus dem Vorquartal einer erneuten Verlangsamung, was geradezu nach einer positiven Wachstumsüberraschung schreit.

Ausserdem scheint endlich Bewegung ins Beteiligungsportfolio des Nahrungsmittelkonzerns aus Vevey zu kommen. Angeblich sind die Verkaufsverhandlungen für das amerikanische Süsswarengeschäft weit fortgeschritten. Im Gegenzug wird Nestlé ein Interesse am Geschäft der deutschen Merck mit nicht-verschreibungspflichtigen Medikamenten nachgesagt.

Ich muss dem neuen Konzernchef Mark Schneider ein Kränzchen winden. Anstatt die Erwartungen unnötig aufzubauschen, arbeitet er lieber still und leise hinter den Kulissen. Erste Erfolgsmeldungen lassen bestimmt nicht mehr lange auf sich warten. Man darf gespannt sein...

Bisherige Transaktionen:

Datum

Titel

 

Anzahl

Kurs

 

Total

30.12.2016

Dätwyler I

Kauf

73

137,60

CHF

10'044,80-

30.12.2016

Zurich N

Kauf

36

279,80

CHF

10'072,80-

30.12.2016

Syngenta N

Kauf

24

405,90

CHF

9'741,60-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

134

74,65

CHF

10'003,10-

30.12.2016

Ascom N

Kauf

626

15,95

CHF

9'984,70-

30.12.2016

Basilea N

Kauf

137

72,60

CHF

9'946,20-

30.12.2016

Novartis N

Kauf

135

74,15

CHF

10'010,25-

30.12.2016

ABB N

Kauf

465

21,50

CHF

9'997,50-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

137

73,15

CHF

10'021,55-

30.12.2016

OC Oerlikon N

Kauf

1'004

9,96

CHF

9'999,84-

06.01.2017

Ascom N

Verkauf

626

15,80

CHF

9'890,80+

06.01.2017

U-blox N

Kauf

52

190,00

CHF

9'890,80-

12.01.2017

U-blox N

Verkauf

52

174,10

CHF

9'053,20+

26.01.2017

Meyer Burger N

Kauf

12'600

0,79

CHF

9'954,00-

09.02.2017

Burckhardt N

Kauf

30

304,25

CHF

9'156,50-

28.02.2017

OC Oerlikon N

Verkauf

1'004

10,80

CHF

10'843,20+

11.04.2017

Puts ABBBJZ

Kauf

7'000

0,13

CHF

910,00-

20.04.2017

Puts ABBBJZ

Verkauf

7'000

0,11

CHF

770,00+

05.05.2017

Zurich N

Verkauf

36

277,00

CHF

9'972,00+

05.05.2017

Swiss Re N

Kauf

115

88,90

CHF

10'223,50-

18.05.2017

Syngenta N

Offerte

24

460,70

CHF

11'056,80+

02.06.2017

Clariant N

Kauf

477

20,95

CHF

10'022,15-

15.06.2017

Meyer Burger N

Verkauf

6'300

1,22

CHF

7'657,00+

04.08.2017

Logitech N

Kauf

170

34,75

CHF

5'907,50-

04.08.2017

Credit Suisse N

Kauf

400

14,88

CHF

5'952,00-

04.08.2017

Clariant N

Kauf

260

22,45

CHF

5'837,00-

10.08.2017

Credit Suisse N

Verkauf

400

14,52

CHF

5'808,00+

10.08.2017

Logitech N

Verkauf

170

34,10

CHF

5'797,00+

17.08.2017

Puts WNOB4V

Kauf

8'100

0,06

CHF

486,00-

28.08.2017

Puts WNOB4V

Verkauf

8'100

0,08

CHF

648,00+

22.09.2017

Puts NESCAZ

Kauf

3'000

0,12

CHF

389,00-

25.09.2017

Puts NESCAZ

Verkauf

3'000

0,13

CHF

361,00+

25.10.2017

Meyer Burger N

Verkauf

3'150

1,77

CHF

5'546,50+

31.10.2017

Puts WSRAPV

Kauf

3'500

0,04

CHF

169,00-

01.11.2017

Clariant

Verkauf

337

25,50

CHF

8'593,50+

15.11.2017

Puts WSRAPV

Verkauf

3'500

0,04

CHF

111,00+

27.11.2017

Dätwyler I

Verkauf

73

177,40

CHF

12'950,20+

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.